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Studenten in Wohnungsnot

"Alles platzt aus den Nähten"

  • Bild Studentenwerk
  • Video Mehr Wohnungen für Studenten
  • Video Ramsauer: "Wohnungsbau ist Ländersache"
  • Video Semesterstart: Massenandrang an den Unis
  • BildStudentenwerk
    (Quelle: imago)
    VideoMehr Wohnungen für Studenten
    (27.11.2012)
    VideoRamsauer: "Wohnungsbau ist Ländersache"
    (16.10.2012)
    VideoSemesterstart: Massenandrang an den Unis
    (15.10.2012)
    In den Hochschulstädten fehlen rund 70.000 bezahlbare Studentenwohnungen. Auch der zuständige Bundesminister Peter Ramsauer hat das erkannt und rief in Berlin an den Runden Tisch. Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes, war dabei - und erwartet mehr, sagt er im Interview mit heute.de.

    heute.de: Wie sehen Sie die Wohnungssituation für Studenten in Deutschland?

    Achim Meyer auf der Heyde: Die Wohnsituation für Studierende in Deutschland ist äußerst angespannt. Zum Wintersemester kommt ja der Großteil und wir haben extrem stark steigende Studierendenzahlen. Insgesamt ist es so: wir haben jetzt etwa 2,5 Millionen Studierende. In den 1990ern waren es im Schnitt 1,75 Millionen Studenten. Da ist es natürlich klar, dass alles aus den Nähten platzt - die Wohnheime, die Hochschulen, aber auch in den Städten, da wo die Wohnungsmarktlage schon angespannt ist, da ist es natürlich dann auch für die Studierenden ganz extrem.

    Achim Meyer auf der Heyde / Quelle: Kay Herrschelmann

    Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks
    Quelle: Kay Herrschelmann

    heute.de:
    Können Sie das konkretisieren? Gerade in den deutschen Städten  herrscht ja allgemein Wohnungsmangel. Wie wollen Sie die Situation für die Studenten schnell entschärfen?

    Achim Meyer auf der Heyde: Uns geht es darum, dass Studierende günstig wohnen können und trotzdem in Universitätsnähe. Mehr als ein Viertel der Studenten hat nur 640 Euro monatlich zur Verfügung und wenn die Miete zwischen 300 und 400 Euro kostet, dann kommen sie damit nicht weiter. Im Studierendenwohnheim kostet eine Wohnung durchschnittlich 214 Euro warm und mit Internetanschluss. Das ist natürlich attraktiv. Das geht aber nur, wenn man auch die Wohnheimkapazitäten erweitert und das fordern wir ja seit langem. Aus unserer Sicht fehlen mindestens 25.000 Wohnplätze.
    Zur Person

    Achim Meyer auf der Heyde ist seit 2003 Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes (DSW). Im DSW sind die 58 Studentenwerke Deutschlands freiwillig zusammengeschlossen. Gemeinsam stellen sie zur Zeit 183.000 Wohnheimplätze für die 2,5 Millionen Studenten in Deutschland.

    heute.de: Wie lassen sich diese Wohnheimplätze finanzieren?

    Achim Meyer auf der Heyde: Das geht nur, wenn man dafür öffentliche Zuschüsse verwenden kann. Um es in Zahlen auszudrücken: für die 25.000 Wohnheimplätze bräuchten wir 660.000 Millionen an Zuschüssen bei einem Gesamtfinanzvolumen von  1,5 Milliarden Euro.

    heute.de: Bundesminister Peter Ramsauer hat Sie am Runden Tisch in Berlin ja auf ein erneutes Treffen im kommenden Frühjahr verwiesen. Vertröstet Sie der Minister für Bau und Stadtentwicklung?

    Achim Meyer auf der Heyde: Na gut, also ich fand das Gespräch schon sehr konstruktiv und danke dem Bundesminister dafür, dass er sich überhaupt einmal des Themas bemächtigt hat. In dem zuständigen Fachministerium gibt es da sonst wenig Resonanz. Ich habe Peter Ramsauer auch als sehr betroffen angesichts der Situation empfunden. Man hat ja heute keine Verabredungen getroffen. Zumindest hat man aber über Handlungsmöglichkeiten gesprochen. Zum Beispiel über die stärkere Nutzung von Bundesliegenschaften.

    Bundesminister Ramsauer hat auch in Erwägung gezogen, das Gesetz über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImAG) zu ändern. Außerdem verhandelt er gerade mit den Ländern über die Fortsetzung des sozialen Wohnungsbaus. Ich vermute mal, dass er da auch sensibilisiert ist und eventuell Zweckbindungen setzt. Vielleicht kommt er ja auch soweit, dass der Bund sich doch an einem sogenannten Bund-Länder-Programm für Zuschüsse beteiligt. Insofern bin ich nicht ganz pessimistisch. Ich finde es gibt einen Denkprozess, der zumindest bei einem Bundesvertreter eingesetzt hat, nämlich Herrn Ramsauer, und das kann man nicht hoch genug einschätzen. Wenn man jetzt da ran geht, kann ich hoffen, dass im Frühjahr dann auch etwas realisiert wird.

    heute.de: Was sagen Sie zum Vorschlag des Ministers, alte Kasernen zu Wohnheimen umzubauen?

    Achim Meyer auf der Heyde: Das ist überhaupt kein Problem. Aber Kasernen allein reichen nicht aus. Es gibt schon viele positive Beispiele der Zusammenarbeit zwischen Studentenwerken und Kommunen, was die  Nutzung von Kasernen und auch den Umbau betrifft. Es sind für uns nur ein paar Voraussetzungen zu erfüllen. zum Beispiel müssen die Kasernen natürlich so übergeben werden, dass wir auch eine preisgünstige Miete realisieren können. Und sie dürfen natürlich nicht 50 oder mehr Kilometer entfernt vom Studienort liegen - dann sind sie uninteressant.

    heute.de: Die Unterstützung der Regierung vorausgesetzt - wie lange würde es denn konkret dauern Wohnheime bezugsfertig zu bauen?

    Achim Meyer auf der Heyde: Naja, an einem solchen Runden Tisch kann man ja maximal zu einer Absichtserklärung kommen. Dann müsste das Parlament entscheiden, denn Bundeszuschüsse wären ja haushaltsrelevant. Das sind längere Prozesse. Aber angenommen es würde in naher Zukunft ein solcher Beschluss gefällt, dann könnten wir anfangen zu bauen an verschiedenen Standorten - die Planungen sind da. Was die Frage der Realisierung angeht:, da muss man schon ein Jahr für Bau oder Umbau rechnen, je nachdem. Insofern könnten bei einem schnellen Beschluss schon ansatzweise zum Wintersemester 2012/13 die ersten neuen Wohnheime fertig sein. So das wir sukzessive die Not abmildern können.

    heute.de: Die Demografie sagt uns ja seit Jahren, dass die Zahl der Deutschen kleiner wird - also auch die Zahl der deutschen Studierenden. Ist es da nicht zu kurz gedacht jetzt groß in Studentenwohnheime zu investieren?

    Achim Meyer auf der Heyde: Also alle Prognosen gehen davon aus, dass wir bis über das Jahr 2020 hinaus hohe Studienanfängerzahlen haben werden, die auch deutlich über denen der letzten Jahrzehnte liegen werden. Insofern ist der Druck weiterhin da und selbst wenn wir möglicherweise mal 250.000 Wohnheimplätze hätten, dann könnten wir die trotzdem zu 100 Prozent auslasten.

    Das Interview führte Lucia Hennerici

    27.11.2012
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