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Massenprotest in Kairo

Gänsehaut-Stimmung auf Tahrirplatz: "Mursi, hau ab!"

  • Bild Massenprotest auf Tahrirplatz
  • Video Ägypten: Neue Proteste gegen Mursi
  • Video "Stimmung in Ägypten sehr aufgeladen"
  • BildTahrir-Platz am Abend
    VideoNeue Massenproteste gegen Mursi

    In Ägypten demonstriert wieder eine riesige Menschenmasse gegen die zunehmende Machtfülle von Staatspräsident Mursi. Mehr als 200.000 Demonstranten haben sich auf dem Tahrir-Platz versammelt.

    (27.11.2012)
    Video"Stimmung in Ägypten sehr aufgeladen"
    (27.11.2012)
    Der Tahrir-Platz in Kairo: Unüberschaubar ist die Menge der Demonstranten, die angetreten ist, um Ägyptens Präsident Mursi zum Rücktritt zu drängen. "Oh Mubarak, sag dem Mursi, auf den Thron folgt die Zelle", schimpfen sie. Und: "Hau ab!" Trotz einiger Ausschreitungen wurde es am späten Abend wieder ruhig. Ein Abend, der fast zum Fest wurde, berichtet ZDF-Korrespondent Dietmar Ossenberg. "Eine dieser Nächte, die Gänsehaut verursachen."

    Die Wut der Straße schlägt den regierenden Islamisten in Ägypten jetzt mit voller Wucht entgegen. Bei der bislang größten Protestwelle seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak riefen am Dienstag Zehntausende Ägypter Parolen gegen Präsident Mohammed Mursi. Am Abend versammelten sich nach Schätzungen von Teilnehmern der Protestaktion mehr als 300.000 Menschen auf dem Tahrir-Platz und in den angrenzenden Straßen.


    Schlägereien zwischen Islamisten und Demonstranten

    Mehrere führende Oppositionelle sowie Schauspieler, Anwälte und Journalisten schlossen sich der Demonstration an. Einige von ihnen riefen: "Oh Mubarak, sag dem Mursi, auf den Thron folgt die Zelle!"

    Links
    Toter bei Protesten

    Auch in mehreren Provinzstädten kam es zu Kundgebungen gegen Mursis umstrittene Verfassungserklärung, mit der er in der Vorwoche seine Machtbefugnisse ausgeweitet hatte. In der Hafenstadt Alexandria und in der Industriestadt Al-Mahalla kam es zu Schlägereien zwischen Islamisten und Demonstranten. Dutzende von Menschen wurden verletzt. In Kairo starb nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein junger Mann, als die Polizei mit Tränengas auf eine Gruppe von Jugendlichen feuerte.

    Doch dies, so wurde am Abend deutlich, ist nicht weiter eskaliert - auch, weil die Muslimbrüder ihre Gegendemonstration abgesagt hatten. Am späten Abend blieb die Lage auf dem Tahrirplatz in Kairo ruhig, berichtet ZDF-Korrespondent Dietmar Ossenberg. "Die Muslimbrüder werden sehr viel Gewalt anwenden müssen, um den friedlichen Protest zu zerstören."

    Muslimbrüder kritisieren Medien

    "Die Muslimbrüder haben immer behauptet, dass wir den Tahrir-Platz ohne ihre Unterstützung nicht voll kriegen, jetzt haben wir ihnen gezeigt, dass dies nicht simmt", erklärte ein Aktivist. Auch in den Städten Luxor, Assiut, Kena, Tanta, Al-Arisch, Bani Sueif und Suez protestierten Menschen gegen Mursis Erklärung, mit der er sich selbst und das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee vor dem Zugriff der Justiz schützt. Die Muslimbrüder und die Salafisten sagten eine Solidaritätskundgebung für Mursi kurzfristig ab, "um Blutvergießen zu verhindern".


    Der Vize-Chef der Partei der Muslimbruderschaft, Essam al-Arian, kritisierte Medien, die Mursi in den vergangenen Tagen als "Diktator" oder "neuen Pharao" bezeichnet hatten. Er beschimpfte die Organisatoren der Anti-Mursi-Proteste als "Überbleibsel des alten Regimes", die sich der Revolution in den Weg stellten.

    Richter streiken weiter

    Mursi will trotz des Widerstandes der Opposition und der Justiz nicht von seiner umstrittenen Position abrücken. Das sagte sein Sprecher am Montag nach einer Zusammenkunft des islamistischen Präsidenten mit Vertretern des Obersten Richterrates. Die Richter betonten anschließend, das Treffen sei "gescheitert".

    Zahlreiche Richter erschienen aus Protest gegen die Entmachtung der Justiz durch den Präsidenten am Dienstag zum dritten Mal in Folge nicht zur Arbeit. Wegen der Unruhen sagten mehrere Reiseveranstalter Ausflüge in die ägyptische Hauptstadt ab.

    27.11.2012, Quelle: ZDF, afp, dpa
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