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24.05.2013

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17:26EU-Betrugsbekämpfer haben so viel zu tun wie nie zuvor

16:40Hisbollah schickt weitere Kämpfer nach Syrien

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Privatinsolvenz

Schulden: "Mitleid hilft nicht"

  • Video Die fünf häufigsten Gründe für Schulden
  • Video Jugendliche in der Schuldenfalle
  • Video Ratenkauf trotz Schulden
  • VideoDie fünf häufigsten Gründe für Schulden

    Nicht immer ist es die hemmungslose Lust aufs Einkaufen, die Menschen in die Schuldenfalle lockt.

    (12.11.2012)
    VideoJugendliche in der Schuldenfalle
    (06.08.2012)
    VideoRatenkauf trotz Schulden

    Besonders durch Ratenkäufe wird der Weg in die Schuldenfalle immer einfacher.

    (12.11.2012)

    Kurzmeldung

    • Zahl der Insolvenzen sinkt 17:24 29.11.2012
      Trotz Schuldenkrise und angespannter Märkte ist die Zahl der Firmen- und Verbraucherpleiten 2012 rückläufig. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform (Neuss) rechnet für das Gesamtjahr mit 29.500 (Vorjahr: 30.120) Unternehmensinsolvenzen. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen dürfte sinken - auf 101.500 (103.250). Die Summe der Insolvenzschäden fiel mit 38,5 Milliarden Euro allerdings um 17 Milliarden Euro höher aus als ein Jahr zuvor. Die Schuldenkrise hinterlässt nach Einschätzung der Fachleute erste Schleifspuren. Für das kommende Jahr rechnet Creditreform mit mehr Insolvenzen.

    von Tatjana Kimmel-Fichtner

    Pleite - und nun?  In Deutschland sind 6,6 Millionen Menschen zahlungsunfähig. Ihr einziger Ausweg aus der Schuldenfalle ist meist die Privatinsolvenz. heute.de hat einer Insolvenz-Anwältin über die Schulter geschaut. Die meisten Schuldner haben nie gelernt, mit Geld umzugehen, sagt sie.

    "Ich fühle mich wie eine Versagerin", weint Melanie Schmidt*. Seit 2004 dreht sich die 30-Jährige in einer Spirale aus immer neuen Schulden. Es begann mit einem Kredit der TARGO-Bank. Damit renovierte die junge Frau ihre Duisburger Mietwohnung, kaufte neue Möbel, einen Kühlschrank, ein Fernsehgerät und ein Fahrrad. Nur zwei Monate später verlor sie ihren Job, konnte den Kredit deshalb nicht mehr bedienen. "Ich hatte Pech, die Restschuldversicherung wäre erst nach drei Monaten eingesprungen", erinnert sich Schmidt.

    Einzige Chance: Konsumgewohnheiten ändern

    In ihrer Verzweiflung lieh sie sich Geld zu hohen Zinsen bei unseriösen Anbietern und bezahlte damit die Raten bei der TARGO-Bank. "Trotz meiner Lage bot mir die Bank ständig neue Konsumkredite an, es war zum Verrücktwerden", erzählt Schmidt. Mittlerweile hat sie Schulden in Höhe von etwa 19.000 Euro, die sie mit ihrem Gehalt als Sachbearbeiterin nicht zurückzahlen kann. Alle Versuche, die Gläubiger zu einem Vergleich oder zu niedrigeren Raten zu bewegen, blieben erfolglos. Deshalb beantragte sie bei Gericht ein Verbraucherinsolvenzverfahren.

    So funktioniert eine Privatinsolvenz

    Das Verbraucherinsolvenzverfahren bietet zahlungsunfähigen Menschen seit 1999 die Chance auf einen wirtschaftlichen Neuanfang. Dabei wird dem Schuldner vom Gericht ein Treuhänder zugeteilt. Er ist unter anderem dafür verantwortlich, den pfändbaren Teil des Einkommens des Schuldners zu verwalten und auf die Gläubiger aufzuteilen. In der sogenannten Wohlverhaltensperiode müssen Schuldner den Teil ihres Einkommens an den Treuhänder abtreten. Nach sechs Jahren wird die Restschuldbefreiung erteilt.

    Der Bundestag diskutiert aktuell über eine Reform des Verfahrens. Demnach können Schuldner die Restschuldbefreiung schon nach drei oder fünf Jahren erreichen, wenn sie in dieser Zeit eine Mindestanteil der Schulden bezahlen oder zumindest die Kosten des Verfahrens tragen.

    "Mir ist alles über den Kopf gewachsen, das ist meine einzige Chance", erläutert sie der Duisburger Rechtsanwältin Sabine List. Die Anwältin tröstet die junge Frau: Wenn alles nach Plan laufe, könne sie in sechs Jahren schuldenfrei sein. "Mitleid hilft nicht", sagt List. Sie versucht den Schuldnern klar zu machen, dass sie versuchen sollten, ihre Konsumgewohnheiten zu ändern.

    Es muss alles auf den Tisch

    Die auf Unternehmensinsolvenzen spezialisierte Duisburger Kanzlei Hammes Insolvenzverwalter hat in diesem Jahr im Auftrag von Insolvenzgerichten mehrere Hundert Privatinsolvenzen bearbeitet. List verschafft sich einen Überblick über sämtliche bestehenden Verbindlichkeiten und stellt sicher, dass die Schuldner alle Vermögenswerte auf den Tisch legen. Dazu überprüft sie Kontoauszüge, Versicherungsverträge, Mietverträge, Schenkungen sowie Einträge bei den Grundbuchämtern der Amtsgerichte und beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg.

    Privat-Schulden in den Bundesländern

    Infografik

    Verschuldung in Deutschland / Quelle: isotype / Creditreform

    "Die meisten Schuldner haben nie gelernt, mit Geld umzugehen. Sie rutschen immer weiter in die Schuldenfalle", fasst List ihre Erfahrungen zusammen. Schicksalsschläge wie Krankheiten seien nur sehr selten Ursache für die Verschuldung. Verhängnisvoll sei es, wenn die Schulden die Menschen psychisch krank machen, sie ihre Arbeit und damit jegliche Perspektive verlieren.

    Vier Kinder, zwei Hunde, alleinerziehend

    Silke Umfeld* fasst ihre Schuldengeschichte knapp zusammen: "Ich habe vier Kinder, zwei Hunde und einen Mann. Dann ist er über Nacht abgehauen." Sie blieb zurück ohne Job, ohne Unterhalt, aber mit 16.000 Euro Schulden aus Handy- und Stromrechnungen sowie aus dem Versandhandel. Mittlerweile hat die 31-Jährige ein fünftes Kind und zum zweiten Mal geheiratet. Auch der neue Partner sitzt auf einem Berg von Schulden, fast 45.000 Euro.

    Jetzt will das Paar die beiden privaten Insolvenzverfahren gemeinsam durchstehen. Kinder- und Wohngeld sowie das kleine Gehalt des Mannes können nicht gepfändet werden, es reicht knapp zum Leben. "Ich habe mich daran gewöhnt, wenig zu kaufen", sagt Umfeld. Aber für die Kinder sei es schwer. Das Insolvenzverfahren sieht die fünffache Mutter als Anlass, ihr Leben zu ändern. "Ich werde mir nur noch Sachen kaufen, wenn ich das Geld dafür besitze." Und irgendwann will sie auch wieder anfangen zu arbeiten.

    *Namen geändert

    29.11.2012
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