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Regeln für Ratingagenturen

Die Macht der drei Buchstaben bröckelt

  • Bild Bewertungen der Ratingagenturen
  • Video Moody's stuft Frankreich herab
  • Video Die Macht der Rating-Agenturen
  • BildBewertungen der Ratingagenturen
    Ratingagentur - AAA / Quelle: dpa
    (Quelle: dpa)
    VideoMoody's stuft Frankreich herab
    (20.11.2012)
    VideoDie Macht der Rating-Agenturen
    (26.07.2012)
    von Brigitte Scholtes

    Die Ratingagenturen müssen sich auf schärfere Regeln einstellen: Sie sollen nach dem Willen der EU jetzt bei groben Fehlentscheidungen haftbar sein. Für die Bonitätswächter hätte es noch schlimmer kommen können – aber allmählich verlieren sie ohnehin an Einfluss.

    Die Ratingagenturen müssen künftig ihre Urteile besser begründen und damit ihre Transparenz verbessern, das soll Klagen gegen ihre Urteile erleichtern. Die EU will ihnen auch vorschreiben, diese Urteile nur noch zu bestimmten Zeiten zu veröffentlichen. In der Vergangenheit waren Veränderungen in der Kreditwürdigkeit immer zu überraschenden Zeitpunkten publik gemacht worden und hatten für entsprechende Unruhe an den Märkten gesorgt.

    Links
    EU: Regeln für Ratingagenturen
    Kritiker hatten darin - vor allem bei Herabstufungen der Krisenländer - eine Torpedierung der Rettungsbemühungen in der Schuldenkrise gesehen. Von den drei großen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody’s und Fitch liegt bisher keine inhaltliche Reaktion vor, man wolle den Wortlaut der Pläne abwarten, meint etwa Standard & Poor's.

    Krall: Pläne der EU nicht stimmig

    Nicht so zurückhaltend zeigt sich Markus Krall: Der frühere Partner der Unternehmensberatung Roland Berger ist gerade dabei, eine europäische Ratingagentur aufzubauen – auch eine Reaktion auf die Übermacht der drei großen amerikanischen Agenturen. Krall hält die Pläne für nicht ganz stimmig. Denn eine Ratingagentur müsse, wenn ihr eine entsprechende Information vorliege, eigentlich eine deutliche Herabstufung veranlassen.

    Schärfere Regeln für Rating-Agenturen

    Haftung: Voraussichtlich vom kommenden Jahr an sollen Rating-Agenturen für grobe Fehlentscheidungen haftbar sein. Das gilt für fahrlässig oder absichtlich falsche Bewertungen.

    Transparenz: Die Agenturen müssen ihre Urteile besser begründen, das soll Klagen gegen ihre Einstufungen erleichtern.

    Zeitplan: Die Bewertungen sollen nur zu festen Terminen und vor Börsenbeginn veröffentlicht werden. Damit sollen böse Überraschungen an den Finanzmärkten vermieden werden.

    Rotation: Bei der Bewertung bestimmter komplexer Papiere müssen sich die Bonitätswächter künftig abwechseln. So sollen zu positive Urteile vermieden werden, denn die Agenturen werden für ihre Arbeit von den Unternehmen bezahlt, die eine Bonitätsnote wünschen.

    "Wenn sie das wider besseres Wissen nicht darf und dann kommt es anschließend zu Kreditverlusten, wer haftet dann eigentlich dafür?" Auszuschließen sei auch mit den neuen Regeln, die frühestens im kommenden Jahr in Kraft treten, nicht, dass die Finanzmärkte nicht sogar heftiger reagieren, weil dann möglicherweise eine Ballung von schlechten Nachrichten die Kapitalmärkte verschrecken könnte.

    Volkswirt: Agenturen verlieren an Durchschlagkraft

    Diese Argumente scheinen nicht falsch. Doch die Pläne der EU dürften die Ratingagenturen weniger schwächen als die Wirklichkeit an den Finanzmärkten. Denn deren Reaktion war zwar in der Vergangenheit oft heftig, das aber lag vor allem an einer Veränderung ihrer Grundannahmen. "Ein großer Teil der Überraschungen am Markt war darauf zurückzuführen, dass die Industrieländer die lang geglaubte Bestbonität nicht mehr haben. Die Ratingagenturen haben darauf hingewiesen", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

    Diese Veränderung habe die Preise an den Märkten deutlich bewegt. Die Anleger kaufen jetzt Anleihen von Schuldnerstaaten - wenn überhaupt - nur noch, wenn sie eine entsprechende Risikoprämie bekommen. Diese Anpassung aber ist vorbei, deshalb dürften die Ratingagenturen jetzt an Durchschlagkraft verlieren, meint Kater.

    Zu beobachten war das erst vor wenigen Tagen: Da hatte Moody's Frankreich herabgestuft, die Reaktion an den Märkten aber war ausgeblieben – wohl auch, weil zu Jahresanfang Standard & Poor's schon Frankreich eine schlechtere Note gegeben hatte.

    Anleger sollen sich eigenes Urteil bilden

    Außerdem hat sich die Finanzmarktregulierung weiter verändert: Die Anleger werden verstärkt dazu aufgerufen, sich ein eigenes Urteil über die Kreditwürdigkeit eines Landes oder eines Unternehmens zu bilden. Die Investoren sollen also mündiger handeln und nicht mehr wie jahrelang fast blind auf die Einschätzung der "Großen Drei" aus den USA vertrauen. Immer noch sind bestimmte Investoren daran gebunden, nur in solche Wertpapiere zu investieren, deren Ausfallrisiko gering ist oder die eine bestimmte Bonitätsnote nicht unterschreiten. Aber diese Bestimmungen können auch geändert werden.

    Grundsätzlich verzichten kann man wohl auf die Ratingagenturen nicht. Markus Krall etwa glaubt, dass ohne diese Wächter an den Kapitalmärkten immer neue systemische Risiken entstünden. Ein solches Risiko war vor vier Jahren die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, die zu einer schweren Krise an den Finanzmärkten geführt hatte. Ohne das Eingreifen des Staates hätte diese Pleite beinahe auch andere Banken mit in den Abgrund gerissen. Dieser Aufgabe, solche Risiken aufzuspüren, aber müssten die Rating-Agenturen auch wieder gerecht werden. "Deswegen ist der Druck gesund", meint Krall.

    Die drei großen Ratingagenturen

    Die drei dominanten Rating-Riesen

    Drei Ratingagenturen mit langer Geschichte und US-amerikanischen Wurzeln beherrschen den weltweiten Markt für die Benotung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Alle drei sind Finanzdienstleister, die gewinnorientiert arbeiten.

    Standard & Poor's (S&P)

    Der Ratingriese ist Teil des Gemischtwarenladens McGraw-Hill - ein börsennotierter Medienkonzern, der unter anderem Schulbücher verlegt. An McGraw-Hill wiederum sind große Investmentfonds beteiligt sowie Unternehmenschef Harold McGraw. In diesem Jahr soll der US-Konzern aufgespalten werden in eine Bildungs- und eine Finanzmarktsparte, zu der dann auch S&P gehört.

    Moody's

    Der härteste Konkurrent von S&P ist selbst börsennotiert. Anteile halten eher unauffällige Investmentfonds, aber auch Investoren-Legende Warren Buffett, der mit seiner Firma Berkshire Hathaway auf mehr als zehn Prozent der Moody's-Anteile kommt. Als S&P 2011 die Kreditwürdigkeit der USA von der Topnote Aaa auf Aa herabstufte, kritisierte Buffett dies scharf.

    Fitch

    Die kleinere Nummer drei geht ebenfalls auf einen US-amerikanischen Gründer zurück, gehört heute aber zu 60 Prozent dem börsennotierten französischen Finanzinvestor Fimalac. Die restlichen Anteile hält der US-Medienkonzern Hearst ("Cosmopolitan", "Elle", ESPN). Hinter Fimalac steht der in Frankreich weit vernetzte Geschäftsmann und Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière. Fitch sitzt in New York und London.

    Kritik an den US-Ratingagenturen

    Die Bewertungen der Ratingagenturen sind umstritten. Ihnen wird vorgeworfen, die Finanzkrise 2008 mit verursacht zu haben, weil sie Bestnoten für Wertpapiere vergaben, in denen faule US-Immobilienkredite gebündelt waren. Damit führten sie Anleger, darunter gerade auch deutsche Banken, in die Irre. In Europa wird zudem kritisiert, dass die drei profitorientierten US-Unternehmen Standard & Poor's, Moody's und Fitch den Markt dominieren und in der Regel ausgerechnet von denen, die sie bewerten, auch bezahlt werden.


    In der Schuldenkrise basieren die Benotungen einzelner Länder oder Banken häufig auf schon bekannten Daten, sorgen aber zum Veröffentlichungszeitpunkt an den Märkten für erneute Verunsicherung.

    28.11.2012
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