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100 Jahre Nofretete

Eine Königin für alle Ägypter

  • Bild Nofretete-Graffiti am Tahrir-Platz
  • Video Nofretete-Ausstellung in Berlin
  • Video Mächtige Nofretete
  • Video Nachts allein mit Nofretete
  • BildNofretete-Graffiti am Tahrir-Platz
    Nofretete an Hauswand
    VideoNofretete-Ausstellung in Berlin
    (05.12.2012)
    VideoMächtige Nofretete

    Wie mächtig Nofretete vor 3.500 Jahren wurde, enthüllt ein neues Buch. Sie war zentrale Figur eines weiblichen Netzwerks, das die Staatsmacht am Nil lange Zeit kontrollierte.

    (30.11.2012)
    VideoNachts allein mit Nofretete
    (29.12.2010)
    von Julia Gerlach

    Die Ägypter lieben ihre Königin. Sie steht für Schönheit und Stärke, sie ist aber auch das Symbol für bitteren Verlust. Schließlich steht ihre Büste, die vor 100 Jahren gefunden wurde, in Berlin und nicht in Kairo, wo sie hingehört. So sehen es viele Ägypter. Auch bei den Protesten am Tahrir spielt sie eine Rolle.

    Mit einem weichen Lappen poliert er ihre Nase: "Ist sie nicht schön?", fragt Magdy Hassan und stellt die kleine Bronze-Büste der Nofretete wieder auf ihren Platz im Schaufenster. Das Geschäft von Herrn Hassan liegt mitten in Kairo, an der allerersten Adresse.

    "Ihr Platz ist in Kairo"

    Seit Beginn der Revolution vor knapp zwei Jahren, gehen seine Geschäfte jedoch nicht mehr gut. Gerade jetzt wird mal wieder auf dem Tahrir-Platz demonstriert und die Touristen, die zum Ägyptischen Museum wollen, werden mit Bussen direkt zum Eingang gebracht. Herr Hassan aber lebt von den neugierigen Urlaubern, die nach dem Besuch im Museum durch Kairos Straßen streifen und sich Nofretete-Statuen aufschwatzen lassen.

    Nofretete-Büste

    "Sie war immer mein Top-Seller. Ist ja auch klar, die Leute stellen sich doch lieber eine hübsche Frau ins Wohnzimmer als so einen Pharao", sagt Herr Hassan: "Was ich noch sagen wollte: Es ist ja schön, dass ihr in Deutschland jetzt feiert, dass sie vor 100 Jahren gefunden wurde. Aber ihr eigentlicher Platz ist hier", sagt er und deutet auf die mächtige Fassade des Ägyptischen Museums.


    Ägypten will Nofretete zurück

    Vor der Revolution gab es große Bemühungen der ägyptischen Regierung, Nofretete und andere Schätze aus dem Ausland zurückzuholen. Zahi Hawass, der ehemalige Antiquitätenminister hatte sich die Rückkehr aller Schätze nach Ägypten auf die Fahnen geschrieben und tatsächlich sind viele wertvolle Teile aus den großen Museen der Welt an den Nil zurückgekehrt.

    100 Jahre Nofretete

    Am 6. Dezember 1912 wurde die Büste in den Überresten einer antiken Werkstatt entdeckt - der spektakulärste Fund der Grabungen des deutschen Archäologen Ludwig Borchardt. Der Berliner Kaufmann James Simon hatte die Grabungen finanziert. Er schenkte die Nofretete-Büste und weitere Funde der Amarna-Grabungen im Jahre 1920 dem Ägyptischen Museum in Berlin. Die Büste wurde erstmals 1923 dem Publikum gezeigt. Mit der Eröffnung des Neuen Museums vor drei Jahren fand die Nofretete im Nordkuppelsaal des Stüler-Baus auf der Berliner Museumsinsel ihren Platz.

    "Die Kampagne für die Rückgabe der Altertümer ist ins Stocken geraten. Derzeit hat Ägypten andere Probleme", sagt Selima Ikram, Professorin der Amerikanischen Universität in Kairo. Sie ist sich allerdings sicher, dass in Kürze das Thema wieder aktuell werden würde: "Ich habe das Gefühl, dass sich auch in Deutschland etwas gewandelt hat. Es gibt inzwischen das Bewusstsein, dass sie nicht ganz legal in Berlin ist." Schließlich gäbe es immer neue Dokumente, die belegten, dass Ludwig Borchardt damals die ägyptischen Behörden austrickste, um das kostbare Fundstück außer Landes zu bringen.


    Ein Schleier für die Schöne?

    Der ehemalige Antiquitätenminister Hawass hatte immer auf eine doppelte Strategie gesetzt: Einerseits bemühte er sich nachzuweisen, dass sich die Kunstschätze unrechtmäßig im Ausland befinden. Zugleich versicherte er, dass die Schätze in Ägypten genauso sicher sind wie in anderen internationalen Museen.

    Diese Argumentation bekam den ersten Knacks, als in den Revolutionswirren ins Ägyptische Museum eingebrochen wurde. Den zweiten Knacks brachte der Parlamentswahlkampf im vergangenen Herbst: Mehrere Salafisten forderten, die Pharao-Statuen zu zerstören oder zumindest zu verhüllen. Die Darstellung menschlicher Figuren ist nach ihrer Lesart des Korans nicht mit dem Islam vereinbar.

    Wäre Nofretete also in Gefahr zertrümmert zu werden, wenn sie jetzt nach Ägypten zurückkäme? Würde man ihr einen Schleier überhängen? "Ich bin sehr sicher, dass die Ägypter dies niemals zulassen würden. Sie werden ihre Altertümer schützen", sagt Mohammed Saleh. Er war lange Jahre Direktor des Ägyptischen Museums. "Im Grunde sind die Ägypter stolz auf ihre Geschichte, nur leider wissen viele nicht genug darüber. Wir Ägyptologen haben die Aufgabe, ihnen zu vermitteln, dass dies einmalige Schätze sind."


    Eine Königin für alle Ägypter
    Nofretete ist ein Symbol für Schönheit und die Forderung nach ihrer Rückgabe an Ägypten ist eine Frage des ägyptischen Nationalbewusstseins. Die schöne Königin ist aber noch mehr: "Nofretete ist auch das Sinnbild einer starken Frau", erklärt die Wissenschaftlerin Selima Ikram.

    Das macht sie zu einem der Lieblingsmotive der Graffiti-Aktivisten: Am Tahrir-Platz, ganz in der Nähe des Geschäfts von Magdy Hassan, haben sie Nofretete riesengroß an die Wand gesprüht. Sie trägt eine Gasmaske gegen das Tränengas der Polizei, schließlich tobte hier bis vor wenigen Tagen noch der Straßenkampf. Nofretete ist für alle da.

    05.12.2012
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