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Europäischer Luftfahrtkonzern

Länder einigen sich auf neue EADS-Eignerstruktur

  • Bild EADS
  • Video Schocktherapie für Frankreich
  • BildEADS
    EADS - Firmenschild / Quelle: dapd
    (Quelle: dapd)
    VideoSchocktherapie für Frankreich
    (06.11.2012)
    Der Knoten ist durchschlagen: Deutschland steigt nach monatelangen Verhandlungen für einen hohen dreistelligen Millionenbetrag als dritter Staat beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ein. Frankreich muss seinen Anteil absenken, sodass beide Länder höchstens je zwölf Prozent halten werden.

    Der deutsche Konzern Daimler und das französische Unternehmen Lagardère reduzieren ihre Beteiligungen an EADS. Das geht aus einer Vereinbarung zwischen den Hauptaktionären und der Konzernleitung hervor.

    Staatliche Höchstbeteiligung

    Frankreich, Deutschland und Spanien als drittes beteiligtes Land einigten sich demnach auf eine staatliche Höchstbeteiligung am Konzern von 28 Prozent (zwölf plus zwölf plus vier Prozent Spanien). Die geänderte EADS-Satzung wird außerdem eine Eigentums- und Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent enthalten, die weder von Einzelaktionären noch von Aktionärsgruppen überschritten werden darf. Damit wäre EADS vor Übernahmeversuchen weitgehend geschützt.

    Der EADS-Konzern

    Geschichte

    Die European Aerospace Defense and Space Company (EADS) entstand im Juli 2000 aus der deutschen DaimlerChrysler Aerospace (DASA), dem französischen Unternehmen Aérospatiale Matra und der spanischen CASA. Ziel war es, mit einem europäischen Gemeinschaftsunternehmen der Konkurrenz aus den USA die Stirn bieten zu können.

    Zahlen

    EADS beschäftigt mehr als 133.000 Mitarbeiter. Der Konzern machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 49 Milliarden Euro und einen Gewinn von rund einer Milliarde Euro. Vertreten ist das Unternehmen an mehr als 170 Standorten in aller Welt, die wichtigsten sind in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien. Sitz des Konzerns sind die Niederlande.

    Struktur

    EADS besteht aus vier Sparten. Die bekannteste ist der deutsch-französische Flugzeugbauer Airbus. Hinzu kommen der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter, die Verteidigungs- und Sicherheitssparte Cassidian und das Raumfahrtunternehmen Astrium, das Satelliten und Trägerraketen baut. Chef des Konzerns ist der Deutsche Thomas Enders.

    Bisherige Aktionärsstruktur

    Deutschland und Frankreich halten derzeit 22,5 Prozent der Anteile: Auf deutscher Seite sind 15 Prozent im Besitz des Autoherstellers Daimler und 7,5 Prozent im Besitz eines Konsortiums aus öffentlichen und privaten Banken. Auf französischer Seite hält der französische Staat 15 Prozent, weitere 7,5 Prozent gehören dem französischen Lagardère-Konzern. Spanien hält über die Staatsholding SEPI 5,5 Prozent an dem Konzern. Der Rest der Aktien wird an der Börse gehandelt. Künftig werden die Staaten zusammen nur noch knapp 30 Prozent der Anteile kontrollieren können.

    Der EADS-Vorstandsvorsitzende Tom Enders freute sich über die neue Struktur: "Das EADS-Management begrüßt mit Nachdruck die heutigen Entscheidungen und die Chancen, die sich daraus für unser großartiges Unternehmen ergeben." Als Teil des Prozesses wird EADS eigene Aktien von bis zu 15 Prozent zurückkaufen. So sollen Aktien von Lagardère und auch von Daimler aufgenommen werden. Außerdem kauft die staatliche deutsche KfW-Bank EADS-Aktien von Daimler.


    Daimler trennt sich von Aktien

    Die Neuordnung wurde nötig, weil Großaktionär und EADS-Mitgründer Daimler sich von Anteilen trennen will. Der Konzern sieht EADS schon lange nicht mehr als Kerngeschäft. Bisher sind Frankreich und der Daimler-Konzern mit je 15 sowie Spanien mit 5,6 Prozent an EADS beteiligt. Weitere 7,5 Prozent hält der französische Lagardère-Konzern, ebenfalls 7,5 Prozent liegen bei einem deutschen Banken-Konsortium.


    Die Bundesregierung wollte eine Veränderung des fein ausbalancierten Verhältnisses zwischen deutschen und französischen Anteilen bei dem Gemeinschaftsunternehmen verhindern. So wollte Berlin etwa die großen Werke der EADS-Tochter Airbus in Deutschland vor einer Verlagerung nach Frankreich sichern.

    Merkel und Hollande zufrieden

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die neue Eignerstruktur . Durch die Einigung könne die deutsch-französische Partnerschaft bei EADS "in Balance weitergeführt werden", erklärte sie. Damit werde dem Gründungsgedanken des Unternehmens Rechnung getragen.

    Auch der französische Präsident François Hollande begrüßte die Einigung. "Dieses neue Abkommen garantiert den Schutz der französischen, deutschen und spanischen Staatsinteressen im Konzern und gibt dem Unternehmen die Handlungsfreiheit, die es braucht, um seine Entwicklung fortzusetzen", teilte das Präsidialamt mit.

    05.12.2012, Quelle: dapd
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