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Machtkampf in Ägypten
Tote bei Gewalt in Kairo - Islamisten bleiben hart
VideoTote bei Zusammenstößen in Kairo
VideoKairo: Krawalle vor Präsidentenpalast
Im ägyptischen Machtkampf will niemand nachgeben. Die radikalen Islamisten drohen mit Gewalt, die säkularen Parteien setzten auf Dauerproteste. Vor dem Präsidentenpalast gibt es Tote. Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des ägyptischen Präsident Mohammed Mursi sind am Mittwoch in Kairo mindestens zwei Menschen getötet worden. Dutzende wurden verletzt, wie Sanitäter am Ort der Auseinandersetzung vor dem Präsidentenpalast berichteten. Dort brach die Gewalt aus, als Anhänger der Muslimbruderschaft mit liberalen Demonstranten aneinandergerieten, die bereits seit Dienstag auf dem Platz campieren. Reporter berichteten, Islamisten - insgesamt versammelten sich rund 10.000 - seien auch auf Journalisten losgegangen.
Islamisten feiern Sieg Die Islamisten, die in Sprechchören ihre Unterstützung für Mursi bekundeten, feierten nach der Massenschlägerei ihren "Sieg" über die liberalen Demonstranten. Sie überpinselten Anti-Mursi-Graffiti, die Demonstranten am Vortag auf der Mauer vor dem Präsidentenpalast aufgemalt hatten. Die Mursi-Gegner befürchten, dass der Präsident und die Muslimbrüder aus dem Land einen islamischen Gottesstaat machen. Die Islamisten wollen ihr umstrittenes Verfassungsreferendum Mitte Dezember über die Bühne bringen - koste es was es wolle.Vizepräsident Mahmud Mekki sagte am Mittwoch in Kairo: "Der Termin für das Referendum am 15. Dezember steht fest und wird nicht verschoben." Mehrere radikale Islamisten drohten den Oppositionellen mit einem "heiligen Krieg" (arabisch "Dschihad"), falls diese ihre Sabotagepolitik gegen Präsident Mursi fortsetzen sollten. Der Generalsekretär der Partei für Unversehrtheit und Entwicklung, Mohammed Abu Samra, sagte in einem Interview des Nachrichtensenders Al-Arabija: "Wenn sie sich gegen die Legitimität stellen, dann werden wir äußerste Gewalt anwenden". Er fügte hinzu: "Wir sind keine Muslimbrüder und auch keine Salafisten, wir sind Dschihadisten."Fernsehprediger drohtDer für seine radikalen Ansichten bekannte Fernsehprediger Abdullah Badr sagte in einer Talkshow des ägyptischen Islam-Senders Al-Hafez, die Christen seien es, die den Protest gegen Präsident Mursi anführten. "Und wenn ihm auch nur ein Haar gekrümmt wird, dann reißen wir ihnen die Augen aus", drohte er.Drei Berater Mursis traten aus Protest gegen die Gewalt auf der Straße zurück. Der Politologe Seif Abdel Fatah verkündete seinen Rücktritt in einem tränenreichen Interview mit dem TV-Sender Al-Dschasira live. Er erklärte, die komplette Elite des Landes sei eigennützig und habe nicht die Interessen der Bevölkerung im Blick. Die Website des Kairoer Tageszeitung "Al-Shorouk" meldete, auch Eiman al-Sajed und der Fernsehmoderator Amr al-Laithi hätten sich aus dem Beratergremium zurückgezogen.
US-Außenministerin Hillary Clinton forderte unterdessen die Machthaber in Kairo auf, das «demokratische Versprechen der ägyptischen Revolution» einzulösen.
Konflikt eskaliert Der schon seit Monaten schwelende Konflikt zwischen den regierenden Islamisten und der säkularen Opposition war in den vergangenen zwei Wochen eskaliert, nachdem der islamistische Staatschef seine Machtbefugnisse auf Kosten der Justiz ausgeweitet hatte. Als die Islamisten dann auch noch einen Verfassungsentwurf vorlegten, der die Rolle der islamischen Religionsgelehrten im Gesetzgebungsprozess aufwertet und die Rechte der Frau infrage stellt, schwoll die Protestwelle der liberalen Gruppen weiter an. Die Opposition hat Mursi jetzt aufgefordert, sein Dekret zurückzunehmen. Außerdem fordert sie einen Dialog mit dem Ziel, einen neuen Verfassungsentwurf zu formulieren.
Die Unterstützer des Präsidenten wollen die Oppositionsführer jetzt auf dem Umweg über die Justiz ausschalten. Der von Mursi im November ernannte Generalstaatsanwalt Talaat Ibrahim Abdullah ordnete am Mittwoch Ermittlungen gegen Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei, gegen den früheren Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sowie gegen mehrere andere führende Oppositionspolitiker an.Das verlautete aus Justizkreisen in Kairo. Grundlage für die Ermittlungen ist eine Anzeige des früheren Parlamentariers Mohammed al-Omda. Er hatte gegen die Oppositionsführer Sabbahi Anzeige erstattet wegen "Aufstachelung der Bürger zum Umsturz". Am Dienstag hatte der Generalstaatsanwalt bereits eine Anzeige wegen "Spionage für Israel" gegen die gleichen Politiker an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
05.12.2012, Quelle: dpa
Islamisten feiern Sieg Die Islamisten, die in Sprechchören ihre Unterstützung für Mursi bekundeten, feierten nach der Massenschlägerei ihren "Sieg" über die liberalen Demonstranten. Sie überpinselten Anti-Mursi-Graffiti, die Demonstranten am Vortag auf der Mauer vor dem Präsidentenpalast aufgemalt hatten. Die Mursi-Gegner befürchten, dass der Präsident und die Muslimbrüder aus dem Land einen islamischen Gottesstaat machen. Die Islamisten wollen ihr umstrittenes Verfassungsreferendum Mitte Dezember über die Bühne bringen - koste es was es wolle.Vizepräsident Mahmud Mekki sagte am Mittwoch in Kairo: "Der Termin für das Referendum am 15. Dezember steht fest und wird nicht verschoben." Mehrere radikale Islamisten drohten den Oppositionellen mit einem "heiligen Krieg" (arabisch "Dschihad"), falls diese ihre Sabotagepolitik gegen Präsident Mursi fortsetzen sollten. Der Generalsekretär der Partei für Unversehrtheit und Entwicklung, Mohammed Abu Samra, sagte in einem Interview des Nachrichtensenders Al-Arabija: "Wenn sie sich gegen die Legitimität stellen, dann werden wir äußerste Gewalt anwenden". Er fügte hinzu: "Wir sind keine Muslimbrüder und auch keine Salafisten, wir sind Dschihadisten."Fernsehprediger drohtDer für seine radikalen Ansichten bekannte Fernsehprediger Abdullah Badr sagte in einer Talkshow des ägyptischen Islam-Senders Al-Hafez, die Christen seien es, die den Protest gegen Präsident Mursi anführten. "Und wenn ihm auch nur ein Haar gekrümmt wird, dann reißen wir ihnen die Augen aus", drohte er.Drei Berater Mursis traten aus Protest gegen die Gewalt auf der Straße zurück. Der Politologe Seif Abdel Fatah verkündete seinen Rücktritt in einem tränenreichen Interview mit dem TV-Sender Al-Dschasira live. Er erklärte, die komplette Elite des Landes sei eigennützig und habe nicht die Interessen der Bevölkerung im Blick. Die Website des Kairoer Tageszeitung "Al-Shorouk" meldete, auch Eiman al-Sajed und der Fernsehmoderator Amr al-Laithi hätten sich aus dem Beratergremium zurückgezogen.
US-Außenministerin Hillary Clinton forderte unterdessen die Machthaber in Kairo auf, das «demokratische Versprechen der ägyptischen Revolution» einzulösen.
Konflikt eskaliert Der schon seit Monaten schwelende Konflikt zwischen den regierenden Islamisten und der säkularen Opposition war in den vergangenen zwei Wochen eskaliert, nachdem der islamistische Staatschef seine Machtbefugnisse auf Kosten der Justiz ausgeweitet hatte. Als die Islamisten dann auch noch einen Verfassungsentwurf vorlegten, der die Rolle der islamischen Religionsgelehrten im Gesetzgebungsprozess aufwertet und die Rechte der Frau infrage stellt, schwoll die Protestwelle der liberalen Gruppen weiter an. Die Opposition hat Mursi jetzt aufgefordert, sein Dekret zurückzunehmen. Außerdem fordert sie einen Dialog mit dem Ziel, einen neuen Verfassungsentwurf zu formulieren.
Die Unterstützer des Präsidenten wollen die Oppositionsführer jetzt auf dem Umweg über die Justiz ausschalten. Der von Mursi im November ernannte Generalstaatsanwalt Talaat Ibrahim Abdullah ordnete am Mittwoch Ermittlungen gegen Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei, gegen den früheren Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sowie gegen mehrere andere führende Oppositionspolitiker an.Das verlautete aus Justizkreisen in Kairo. Grundlage für die Ermittlungen ist eine Anzeige des früheren Parlamentariers Mohammed al-Omda. Er hatte gegen die Oppositionsführer Sabbahi Anzeige erstattet wegen "Aufstachelung der Bürger zum Umsturz". Am Dienstag hatte der Generalstaatsanwalt bereits eine Anzeige wegen "Spionage für Israel" gegen die gleichen Politiker an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.



