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merkzettel

Letzte Ausgabe der "FTD"

Zehn Gründe für eine Tageszeitung

  • Bilderserie Papierleser bleiben unabhängig
  • Bild Letzte Ausgabe der "FTD"
  • Video Zeitungssterben: Auch "FTD" am Ende
  • Video Frankfurter Rundschau steht vor dem Aus
  • BilderseriePapierleser bleiben unabhängig
    Deutsche Studenten lesen niederländische Zeitung / Quelle: dpa
    (02.12.2012)
    BildLetzte Ausgabe der "FTD"
    Financial (Final) Times Deutschland / Quelle: dpa
    (Quelle: dpa)
    VideoZeitungssterben: Auch "FTD" am Ende
    (23.11.2012)
    VideoFrankfurter Rundschau steht vor dem Aus
    (13.11.2012)

    Die "FTD" ist tot - doch die Zeitungsbranche lebt

    von Wulf Schmiese

    Heute ist die "FTD" zum letzten Mal erschienen. Beginnt nun das große Zeitungssterben? Nein, es wäre zu früh, für die Zunft Trauer zu läuten. Hier verschwinden Generationenblätter, die sich lange selbst überlebt hatten. Die anderen Titel haben Zukunftschancen - wenn sie von den Kutschenherstellern lernen.

    Heute wird die "Financial Times Deutschland" beerdigt. Nur zwölf Jahre wurde sie alt. Wirtschaftlich war sie immer schwach, aber galt von Anbeginn als zu schön, um zu sterben. In zwei Monaten könnte es auch vorbei sein für die "Frankfurter Rundschau", die Grand Old Liberal Lady der deutschen Presse. Sie ist seit 1945 an den Kiosken und war jahrzehntelang eine alles überragende Größe links auf dem Markt.

    Es verschwinden nur die Generationenblätter

    Beginnt nun das große Zeitungssterben? Nein, es wäre zu früh, für die ganze Zunft Trauer zu läuten. Hier verschwinden Generationenblätter, die sich am Ende erstaunlich lange selbst überlebt hatten. Die anderen Titel haben noch Zukunftschancen, allerdings nicht als bloße Zeitungen.

    Die "Final Times Deutschland"

    Schwarzer Humor zum Abschied: Als "Final Times Deutschland" ist die letzte Ausgabe der "Financial Times Deutschland" erschienen. Die übrigen Buchstaben hat die Redaktion einfach aus dem Schriftzug des Titelblatts purzeln lassen. Auch farblich bietet die sonst in lachsrosa erscheinende Wirtschaftszeitung einen ungewohnten Anblick: "Endlich schwarz" titelt anlässlich ihrer Einstellung nach knapp 13 Jahren in weißen Lettern auf schwarzem Grund.

    Am Freitag werden die Letzten die Ersten sein im befürchteten Print-Massengrab. Die "FTD" war die letzte neugegründete Tageszeitung in Deutschland. Zwölf Jahre ist das erst her – und zugleich ein ganzes Zeitalter: New Economy, Neue Mitte, Volksaktien für Jedermann – das Millennium erschien wie eine Wende hin zu neuen Märkten und Möglichkeiten. Doch die Neuen Medien waren im Jahr 2000 längst da, und es wirkte schon damals kühn, noch mit einem im Grunde 250 Jahre alten Medium an den Start zu gehen, mit Buchstabendruck auf Papier, selbst wenn es rosa schimmerte.

    Auch die "FR" nur ein Kultblatt ihrer Generation

    Die "FTD" fiel auf als Mahnerin für Veränderungen aller anderen Branchen an der Schwelle des digitalen Jahrhunderts. Dort wähnte sie ihre Käufer, die eine neue Wirtschaft leben - und lesen - wollten. Doch es waren nie genug, um diese Zeitung am Leben zu halten.

     

    Zeitungskrise international

    USA

    Wa Street Journal / Quelle: imago

    In Nordamerika lässt sich mit Wirtschaftsnachrichten Geld verdienen - auch im Internet. Das "Wall Street Journal" ("WSJ") lockt seine Kunden mit so vielen Exklusivgeschichten, dass schon seit Jahren die Artikel auch im Netz nur gegen Bezahlung zu lesen sind. Hinter der Zeitung steht der Milliardär Rupert Murdoch, dessen Flaggschiff das "WSJ" ist.

    Die "New York Times" hat ebenfalls Bezahlschranken eingeführt, ist damit aber längst nicht so erfolgreich. Dennoch sieht man in dieser Form der Online-Vermarktung dort die Zukunft.

    Grundsätzlich ist der US-Printmarkt schwer angeschlagen. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht eine Zeitung aufgibt oder sich ins Internet verabschiedet. Großer Paukenschlag dabei: Unlängst kündigte die Zeitschriftenlegende "Newsweek" an, nach 80 Jahren vom 1. Januar an nur noch im Internet zu erscheinen - gegen Bezahlung.

    Großbritannien

    Financial Times / Quelle: imago

    Trotz der Beliebtheit einiger Massenblätter und Qualitätszeitungen kämpfen die britischen Printmedien gegen rückläufige Leserzahlen. Gratis-Titel wie der "Evening Standard" (aus dem Verlag des "Independent") und die "Metro" aus dem Hause Associated Newspapers ("Daily Mail") können sich jedoch nach Leseranalysen behaupten. Ein kostenloses Blatt der Supermarktkette Tesco führt gar mit 7,2 Millionen Lesern (plus 8 Prozent) in der Lesergunst - hinter Massenblättern wie "Sun" mit 7,08 Millionen Lesern (minus 7 Prozent).

    Auch Finanztitel wie die "Financial Times" ("FT") verlieren für ihre Druckausgaben Zuspruch, sind aber im Netz beliebt. Online-Nutzer werden längst auch zur Kasse gebeten. Die Besitzergruppe Pearson wies mehrfach Verkaufsspekulationen zur "FT" zurück.

    Frankreich

    Le Monde / Quelle: reuters

    Nach Verlusten in den vergangenen Jahren konnten wichtigste Titel im französischen Wahljahr 2012 meist Auflagenzuwächse melden. Die Lage ist dennoch angespannt. "France Soir" etwa wurde nach Konkurs, Neustart und Umstellung auf eine reine Online-Ausgabe inzwischen endgültig eingestellt. Auch das Wirtschaftsblatt "La Tribune" erscheint bis auf einen Tag in der Woche nur noch online.

    Die überregionale Tageszeitung "Le Monde" hat nach früheren Verlusten und Besitzerwechsel kürzlich optisch umgebaut und setzt auf magazinartige Schwerpunkte. Für Herausgeber Erik Izraelewicz gilt: "Die gedruckte Zeitung hat eine Zukunft, wenn sie sich wandelt." Er will die "Zeitung stärker reagieren lassen, mehr Schwerpunkte setzen und angenehm lesbar gestalten".

    Spanien

    El Pais / Quelle: imago

    Die Krise der Printmedien hat auch auf die renommierte Zeitung "El País" nicht verschont. Das linksliberale Blatt entließ rund 130 Mitarbeiter, etwa ein Viertel der Beschäftigten. Die Geschäftsführung begründete die Entscheidung damit, dass das Anzeigengeschäft und die verkaufte Auflage geschrumpft seien. Für 2012 ist nach Angaben des Managements erstmals mit einem Verlust zu rechnen. Die Redaktion machte jedoch den hoch verschuldeten Mutterkonzern Prisa für die Lage verantwortlich. Insgesamt steckt die Zeitungsbranche im Krisenland Spanien in Schwierigkeiten. Im ersten Halbjahr 2012 fielen die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft nach Angaben des Zeitungsverlegerverbandes im Vergleich zu 2011 um 18,5 Prozent. Die Auflagen sanken um 11 Prozent.

    Auch die "FR" war im Grunde das Kult-Blatt nur einer Generation. In den sechziger Jahren wies es den Anti-Adenauer-Deutschen aus. Das waren damals überwiegend junge Leute, Akademiker und Studenten, die sich links der Mitte sahen. Das waren viele und wurden immer mehr. Es soll Jahre gegeben haben, in denen die "FR" Abo-Bestellungen zurückwies, weil sie mit dem Druck der Zeitungen nicht hinterherkam. Einen Teil ihrer Leser begann die "Rundschau" schon vor 30 Jahren zu verlieren an die 1979 neu gegründete "taz". Den Garaus machte ihr schließlich der Niedergang ins Provinzielle.

    Den Weg in die Moderne finden

    Wie alle anderen Zeitungen hatten auch diese zwei noch versucht, irgendwie online Fuß zu fassen. Doch eben nur irgendwie, was nicht reicht. So ganz genau weiß noch kein Zeitungshaus, wie es sich aufstellen soll im Netz, um neues Geld zu verdienen. Immerhin wagen alle den Schritt, sehen "das Internet" nicht mehr als "Phase", die wieder vorübergeht. Sie sehen es als bedrohliche Konkurrenz ihrer eigenen Produkte; leider aber auch intern. Dort, wo Print und online nebeneinander arbeiten, hindern sie sich gegenseitig am Wachsen.

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    So ist es bisher immer gewesen: Ganze Branchen sind erloschen, weil sie unfähig waren, sich selbst in die Moderne zu transferieren. Vor 125 Jahren lachten die Kutschenhersteller über Leute wie Carl Benz und Gottfried Daimler und deren Kutschen ohne Pferd.

    Der Vergleich mit der Kutsche und dem Auto

    Doch kaum eine dieser Firmen, die mit dem Bau von Kutschen Vermögen machten und denen es blendend ging, als 1886 der erste Kraftwagen vorgeführt wurde, hat den Sprung in das Motorenzeitalter geschafft. Genau genommen gab es nur einen Stellmacher, wie das damals hieß, der dann mit dem Bau von Autos Geld verdiente: Karmann. Der ist zwar inzwischen auch pleite, doch müssen sich die Zeitungsverleger heute trotzdem fragen, wer unter ihnen der Karmann der Printmedien sein wird.

    Die Zeitungen stehen, verglichen mit der Geschichte von Kutsche und Auto, heute etwa im Jahr 1910. Die ersten zwanzig Jahre des Internets haben sie schlecht genutzt. Jetzt muss sehr schnell umsatteln, wer weiter leben will als Unternehmen.

    Zeitenwandel im Journalismus gewinnt an Tempo

    Herausgeber, Geschäftsführer und Verleger suchen nun neue Geschäftsfelder. Mit der Autorität der einen Zeitung ließe sich vielleicht eine Business-School gründen, die Geld in die Kasse bringt; und mit dem Ansehen der anderen eine Tourismusbörse? Zeitungen werden womöglich quersubventioniert werden oder am Ende so viel kosten wie die ganzen anderen guten alten Dinge – deren Käufer Qualität zu schätzen wissen. Im Idealfall wird die feine Printzeitung ein Bei-Produkt sein, das zwar die Verlage Geld kostet, aber wie edler Lack auch andere Produkte des Hauses glänzen lässt.

    Der Zeitenwandel im Journalismus wird jedenfalls rasant an Tempo zunehmen. Es dauerte gut 50 Jahre, bis die Kutschen von den Straßen verschwunden waren. Der Printjournalismus muss seine Zeit nutzen, um diesem Schicksal zu entgehen.

    07.12.2012, Quelle: dapd
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