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24.05.2013

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Immer mehr OPs

Skalpell kontra Skonto

  • Video Zahl der Operationen stark gestiegen
  • Video "Zweitmeinung bei OP wichtig"
  • VideoZahl der Operationen stark gestiegen
    (07.12.2012)
    Video"Zweitmeinung bei OP wichtig"

    Angesichts der Vorwürfe, es würden zu viele unnötige Operationendurchgeführt, sagt Georg Baum von der deutschen Krankenhausgesellschaft: "Die Krankenkassen sollten die Idee einer Zweitmeinung unterstützen."

    (13.06.2012)

    Kurzmeldung

    • Gesundheitsminister Bahr will gegen unnötige Operationen vorgehen 06:44 08.12.2012
      Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat die Krankenhäuser aufgefordert, von unnötigen Operationen abzusehen. Jede Operation, die nicht medizinisch notwendig sei, belaste die Kranken wie auch die Mitarbeiter in den Kliniken, sagte Bahr der "Welt". Die Bundesregierung habe die Krankenkassen und Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, "die Mengenentwicklung in den Kliniken wissenschaftlich untersuchen zu lassen". Laut einem am Freitag von der AOK vorgestellten Bericht gibt es eine drastische Zunahme nicht notwendiger Operationen in den Kliniken.

    Warum muss ein Patient ins Krankenhaus? Weil er es medizinisch nötig hat - oder die Gewinnmarge der Klinik? Darüber wird gestritten. Fakt ist: Die Zahl der Operationen und Behandlungen steigt stetig. Und das liegt nicht nur daran, dass wir immer älter werden. Es gibt Fehler im System.

    Seit Jahren steigt die Zahl der Operationen stetig an. Nach Meinung der gesetzlichen Krankenkasse AOK ist es Zeit zu handeln. Denn die Zahl erhöht sich vor allem dort, wo die Krankenhäuser sich "wirtschaftlichen Gewinn versprechen", sagt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.

    Die Krankenkasse, die nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von 35 Prozent eine der größten ist, legte jetzt ihren Krankenhausreport vor. Demnach hat sich zum Beispiel die Zahl der Wirbelsäulenoperationen bei AOK-Versicherten zwischen 2005 und 2010 mehr als verdoppelt. Die Zahl der Herzschrittmacher, die eingesetzt oder gewechselt wurden, stieg zwischen 2008 und 2010 um 25 Prozent  – weniger als die Hälfte des Anstiegs ist durch älter werdende Patienten zu erklären.

    AOK: Mehr Menge bringt nicht mehr Nutzen

    "Mehr Menge bedeutet nicht zwangsläufig mehr Nutzen", sagt Uwe Deh vom AOK-Bundesverband. Die enorme Zunahme bei Klinikbehandlungen dürfe nicht dazu führen, dass unnötig operiert wird oder dass die Qualität nicht stimmt. „Krankenkassen sind derzeit gezwungen, jede Leistung zu finanzieren, unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht ist.“ Krankenkassen müssten daher die Möglichkeit bekommen, "nachweislich schlechte Qualität nicht zu bezahlen".

    Was Gesundheit kostet

    Wir rechnen Krankenhäuser ab?

    Seit 2004 wird in allen Krankenhäusern nach dem DRG-System abgerechnet - DRG bedeutet Diagnosis Related Groups. Das heißt: Jeder Fall kostet bundesweit gleich viel. Dabei wird jede Behandlung einem fixen Preis zugeordnet – also bezahlt beispielsweise für jede Meniskusoperation in jedem Krankenhaus jede Krankenkasse gleich viel.

    Wie entwickeln sich die Kosten?

    Die Zahl der Fallpauschalen (DRG) steigt tatsächlich seit Jahren kontinuierlich an. 2011 lagen 17,7 Millionen Patienten laut Statistischem Bundesamt im Krankenhaus, deren Behandlung nach dem DRG-System abgerechnet wurde – 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie mussten sich insgesamt 49 Millionen Operationen oder anderen Behandlungen unterziehen – 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Wer also im Krankenhaus lag, bekam im Schnitt 2,8 Operationen oder Behandlungen. Die am häufigsten gestellte Diagnose: Herzinsuffizienz. Insgesamt mussten 2011 aber noch mehr Patienten vollstationär ins Krankenhaus: nämlich 18,3 Millionen Patienten. 600.000 Behandlungen wurden also nicht über DRG abgerechnet, das betrifft beispielsweise psychiatrische Erkrankungen. Nimmt man alles zusammen kostete jeder Patient 3.960 Euro – 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Wo liegt der Fehler im System?

    Unter Statistikern ist unstrittig: Die Zahl der Operationen steigt, weil wir immer älter werden. 2009 waren 14,6 Prozent der deutschen Bevölkerung 70 Jahre und älter. Geht man davon aus, dass jede Frau im Schnitt 1,4 Kinder bekommt, werden es 2015 nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 16,2 Prozent sein, 2030 wird jeder Fünfte 70 plus x Jahre alt sein. Experten des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsinstitus sagen, dass die alternde Bevölkerung „den tatsächlichen Anstieg der stationären Fallzahlen bei weitem nicht erklären“ kann. Höchstens 40 Prozent des Anstiegs gehen auf das Konto demografische Entwicklung. Die restlichen 60 Prozent: Weil Krankenhäuser Gewinn machen wollen, der Preis aber im DRG-System fix ist, müssen sie von einer OP mit hoher Gewinnmarge viele OPs durchführen, um einen höheren Gewinn zu erzielen. Oder wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen sagt: Ein Krankenhaus erbringt nur deswegen eine Leistung, weil sie Gewinn bringt.

    Außerdem müssten Patienten besser informiert oder beraten werden. Ein Vorschlag ist, Chirurgen zu zertifizieren, um so die Qualität zu erhöhen. Beispiel Herzkatheder: Nach Umfragen der AOK gibt es bei den Krankenhäusern erhebliche Unterschiede. Bei 614 Krankenhäusern kam es bei 15 Prozent zu Problemen - im vergangenen Jahr gab es bundesweit 2.045 Krankenhäuser.

    Krankenhausgesellschaft weist Vorwürfe zurück

    Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wehrt sich gegen die Vorwürfe. Der Anstieg der Operationen und Behandlungen sei sehr wohl "gut zu begründen", sagte DKG-Präsident Alfred Dänzer. Der Vorwurf, dass "aus ökonomischen Gründen und unnötig" operiert werde, habe "keine Grundlage". Vielmehr ließe sich der der Anstieg damit erklären, dass die Menschen älter werden und meistens mehrere Krankheiten haben und gleichzeitig durch den medizinischen Fortschritt mehr möglich ist.

    Auch die DKG nennt Zahlen: Beim Hüft- und Knieersatz etwa stagnierten die OP-Zahlen seit zwei Jahren. Beispiel Herzklappenoperation: Statt aufwändig und risikoreich den Brustkorb zu öffnen, gebe es seit 2002 das teurere Ballon-Verfahren, womit die Herzklappe ersetzt wird. Weil es schonender sei, wollen es mehr Patienten haben. "Wenn die gesetzlichen Krankenkassen herzkranken Patienten diese weniger belastende Operation streitig machen wollen, sollen sie dies den Menschen dann auch ehrlich sagen", fordert Dänzer.

    DGK vermutet Senioren-Bashing

    Dänzer schiebt den Ball an die Krankenkassen zurück: "Finanzielle Anreize zur Mehrleistung bestehen in diesem System nicht." Denn am Anfang des Jahres würden mit den Kassen die Leistungen vereinbart. Macht ein Haus mehr, gibt es einen Abschlag. Dänzer befürchtet ein Senioren-Bashing: "Es baut sich der Verdacht auf, dass die Krankenkassen mit ihrer absolut überzogenen Kritik die älteren Menschen von der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen abhalten wollen."

    Zuletzt hatte der Spitzenverband der Krankenkassen kritisiert, dass viele Patienten ohne zwingenden medizinischen Grund unters Messer kämen. Und selbst die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie stellte fest, medizinische Maßnahmen würden teils vor allem wegen des Geldes ergriffen. So sollten aus den Chefarztverträgen die Vereinbarungen über Boni für viele Operationen zurückgedrängt werden.

    07.12.2012, Quelle: dpa, ZDF
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