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Gründung vor 25 Jahren
Hamas erneuert Kampfansage an Israel
VideoHamas erneuert Kampfansage an Israel
VideoHintergrund: Was ist die Hamas?
"Hamas will vom Westen anerkannt werden"
Die Hamas feiert sich selbst: Vor 25 Jahren wurde die radikal-islamische Widerstandsbewegung gegründet. Viele Länder des Westens stufen sie als Terrororganisation ein. Doch ihre Popularität sei in den vergangenen Jahren gewachsen, sagt Hamas-Experte Hisham Ahmed im heute.de-Interview. Und nun sucht sie auch im Westen Anerkennung.heute.de: Welche Rolle spielt die Hamas 25 Jahre nach ihrer Gründung in der palästinensischen Gesellschaft?Ahmed: Die Hamas spielt eine zentrale Rolle in der palästinensischen Gesellschaft - sowohl sozial, wirtschaftlich und politisch als auch militärisch und psychologisch. Als sich die Hamas während der ersten Intifada gründete, stand sie im Schatten der starken PLO. Seitdem hat die Hamas es geschafft, ihren eigenen Platz in der Gesellschaft zu erobern, auch gegen viele interne und externe Widerstände. Spätestens seit dem überraschenden Wahlsieg 2006 ist sie bei vielen Palästinensern sehr populär.
Hisham Ahmed
Quelle: Hisham Ahmed
Quelle: Hisham Ahmed
Zur Person
Dr. Hisham Ahmed, geboren 1963, ist Dozent für Politikwissenschaften am Saint Mary’s College of California. Ahmed hat sich auf vergleichende Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen im Nahen Osten spezialisiert. Seit den 80er Jahren beschäftigt sich der gebürtige Palästinenser mit dem Nahost-Konflikt und der Hamas. Ahmad hat dazu an verschiedenen Universitäten in den USA, Israel und den Palästinenser-Gebieten gelehrt und geforscht.
Dr. Hisham Ahmed, geboren 1963, ist Dozent für Politikwissenschaften am Saint Mary’s College of California. Ahmed hat sich auf vergleichende Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen im Nahen Osten spezialisiert. Seit den 80er Jahren beschäftigt sich der gebürtige Palästinenser mit dem Nahost-Konflikt und der Hamas. Ahmad hat dazu an verschiedenen Universitäten in den USA, Israel und den Palästinenser-Gebieten gelehrt und geforscht.
Die Geschichte der Hamas
Die Gründung (1987)
Die Wurzeln der Hamas liegen in der aus Ägypten stammenden Muslimbruderschaft. Die gemäßigten Muslimbrüder in den Palästinenser-Gebieten konzentrierten sich anfangs auf Koran-Erziehung und den Bau von Moscheen. Sie grenzten sich klar von der radikalen Widerstandsbewegung Fatah und der sozialistischen PLO um Jassir Arafat ab. Als sich jedoch in den 80er Jahren der Konflikt mit Israel zuspitzte, entschied sich die Führung der Muslimbrüder um Scheich Ahmad Yassin zum Kampf gegen die Besatzung.
Mit dem Beginn der ersten Intifada am 8. Dezember 1987 war die Hamas geboren. In der 1988 verfassten Gründungscharta setzte sich die Organisation zum Ziel, Israel zu vernichten und einen islamischen Staat Palästina zu errichten. Konferenzen und Verhandlungen lehnte die Hamas als "Zeitverschwendung" ab.
Aufstreben und Radikalisierung (1988-1992)
Die neu gegründete Hamas stand im Schatten der schon länger aktiven Fatah. Experten gehen davon aus, dass der israelische Geheimdienst anfangs die Hamas tolerierte, um die Fatah zu schwächen. Im ersten Jahr war die Hamas noch damit beschäftigt, Strukturen aufzubauen und verübte nur vereinzelte Angriffe auf israelische Militärpatrouillen. 1989 kamen dann erste Entführungen von israelischen Soldaten dazu. Alle Hamas-Gründer außer Scheich Yassin wurden verhaftet.
Trotz klarer Trennung zwischen einem zivilen und einem militärischen Arm hatte die Organisation schon früh Probleme damit, als Widerstandsbewegung zu überleben. Daher entschied sich die Hamas 1992 dazu, die paramilitärischen Qassam-Brigaden zu errichten. Diese radikalisierten den muslimischen Widerstand im Untergrund weiter.
Oslo-Prozess (1993-1999)
Mitte der 90er Jahre führten die hoffnungsvollen Verhandlungen zwischen PLO-Präsident Jassir Arafat und der israelischen Regierung zu dem Friedensabkommen von Oslo. Doch der Hamas waren die Verträge nicht genug. Sie stellte die Autorität der PLO in Frage und sah den vollständigen Rückzug der israelischen Armee aus den besetzten Gebieten als Ziel an.
Stattdessen verübte ein israelischer Siedler im Februar 1994 in Hebron ein Massaker in einer palästinensischen Moschee. Die Antwort der Hamas kam prompt: Ihr erstes Selbstmordattentat in Israel. Daraufhin kam es auch zu den ersten Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Fatah/PLO. 1997 kam es zu einer neuen Anschlagsreihe der Hamas auf Israel. Trotz aller Gipfeltreffen und Verhandlungen drehte sich die Spirale der Gewalt weiter.
Zweite Intifada (2000-2005)
Während der zweiten Intifada kam die Hamas zum Höhepunkt ihrer militärischen Aktionen. Die Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, bekannten sich zu fast der Hälfte aller Selbstmordanschläge zwischen 2000 und 2003. Zwar richteten sich diese größtenteils gegen die israelische Armee, um nicht von der internationalen Gemeinschaft verurteilt zu werden. Den Attentaten fielen aber auch immer häufiger israelische Zivilsten zum Opfer.
Daher einigten sich die Palästinenser und Israel in Waffenstillstandverhandlungen im Jahr 2003 darauf, Zivilisten auf beiden Seiten besser zu schützen. Zum Ende der zweiten Intifada wurde im März 2004 der Gründer und Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, bei einem gezielten Bombenangriff Israels getötet – ein Einschnitt in der Geschichte der Organisation.
Von der Gewalt zur Politik?
Nach dem Tod von Scheich Ahmad Yassin und Jassir Arafat 2004 und dem Ende der zweiten Intifada veränderten sich die Machtverhältnisse in den Palästinenser-Gebieten. 2006 stellte sich die Hamas erstmals zu Parlamentswahlen auf. Unter ihrem neuen politischen Führer Chalid Maschal gewann sie überraschend die Wahl und beendete damit den 40 Jahre dauernden Führungsanspruch der Fatah. Obwohl die Wahl als demokratisch galt, wird die Hamas-Regierung vom Westen geächtet.
Seit den Kämpfen zwischen Fatah und Hamas 2007 kontrolliert die Hamas mittlerweile den Gazastreifen, die Fatah das Westjordanland. 2009 und 2012 griff Israel den Gazastreifen an, als Antwort auf regelmäßigen Raketenbeschuss. Auch 25 Jahre nach ihrer Gründung kämpft die Hamas weiter - militärisch wie politisch.
(Autor: Ole Hilgert)



