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Vor SPD-Parteitag

Steinbrück - eine echte Marke

  • Video Steinbrück will eigene Partei überzeugen
  • Video Fehlstart des SPD-Kandidaten
  • Video Gabriel: "Steinbrück kein Problem-Peer"
  • Video "Nein, das kotzt mich nicht an"
  • VideoSteinbrück will eigene Partei überzeugen

    Beim SPD-Parteitag am Sonntag in Hannover soll Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten gekürt werden. Die Wahl ist symbolisch für den Rückhalt in der Partei.

    (08.12.2012)
    VideoFehlstart des SPD-Kandidaten
    (11.11.2012)
    VideoVideoPolitiX
    (05.12.2012)
    Video"Nein, das kotzt mich nicht an"
    (30.10.2012)
    Als Kanzlerkandidat der SPD muss sich Peer Steinbrück gegen eine starke Angela Merkel behaupten. Darüber, wie gut sich die Marke Steinbrück verkaufen lässt und ob das auch seiner Partei etwas bringt, spricht Politikberater Michael Spreng im Interview mit heute.de.

    heute.de: Gibt es so etwas wie die Marke Peer Steinbrück?

    Michael Spreng: Es ist natürlich immer problematisch, im Zusammenhang mit Persönlichkeiten in der Politik von Marke zu sprechen, schließlich handelt es sich um Menschen und nicht um Waren. Und wenn man über jemanden sagt: "Der ist aber 'ne Marke", dann ist das eher umgangssprachlich gemeint. Aber wenn ein Politiker ein markantes Profil hat, wenn er authentisch ist und entsprechende Popularität besitzt, dann kann man das Bild der Marke benutzen, um seine Wirkung auf die Öffentlichkeit zu beschreiben. Bei Peer Steinbrück ist das eindeutig der Fall. Er ist ein Ausnahmepolitiker,  der sich von der Masse abhebt.

    heute.de: Was ist der Kern der Marke Steinbrück?

    Spreng: Der Markenkern ist seine klare Sprache, er nennt die Dinge beim Namen, spricht kein gewöhnliches Politikerdeutsch. Darüber hinaus besitzt er Kompetenz, das gehört dazu, um erfolgreich am Markt zu sein. Die Verbindung seines klaren Profils mit seiner Kompetenz in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen macht die Marke Steinbrück aus.

    Michael Spreng / Quelle: dpa

    Michael Spreng
    Quelle: dpa

    heute.de: Das heißt, sein Markenkern ist sein Format, nicht seine politischen Inhalte?

    Spreng: Ja, das kann man sagen. Er ist zwar Sozialdemokrat, aber keiner, der den Mainstream seiner Partei vertritt. Sein eigentlicher Markenkern ist die Art seines Auftretens. Er ist nicht in erster Linie inhaltlich definiert.

    heute.de: Wie wird man zur Marke? Durch angeborenes Talent oder eine durchdachte Strategie?

    Spreng: Das ist einerseits angeborenes Talent und ergibt sich andererseits im Laufe einer Politikerlaufbahn. Unvergessen bleibt etwa der Auftritt von Peer Steinbrück mit Angela Merkel, als sie gemeinsam die Spareinlagen garantiert haben. Das hat sich ins kollektive Gedächtnis der Wähler eingebrannt. Aber er inszeniert sich natürlich auch als Marke. Da sind seine Auftritte mit Helmut Schmidt, ihr gemeinsames Buch, das Schachspielen, seine Vorliebe für Nashörner. Ich nehme mal ein Gegenbeispiel: Volker Kauder ist keine Marke. Man muss da schon ein besonderer Typ sein.

    Michael H. Spreng

    ... ist Journalist und Politikberater. Er war unter anderem Chefredakteur der "Bild am Sonntag" und Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber. In seinem Blog www.sprengsatz.de kommentiert er das politische Geschehen in Berlin.

    heute.de: Wo wir bei Vergleichen sind: Was unterscheidet die Marke Merkel von der Marke Steinbrück?

    Spreng: Durch ihre Unbestimmtheit ist der Markenkern von Angela Merkel weniger greifbar als der von Peer Steinbrück. Dadurch hat sie den Vorteil, dass jeder in sie hineinprojizieren kann, was er will. Sie polarisiert weniger, stößt dadurch aber auch weniger Menschen ab. Hinzu kommt bei ihr, dass sie keine Allüren hat. Sie ist eine bescheidene, zurückhaltende Frau. Sie trumpft nicht auf, wie manche männlichen Politiker. Also sie ist schon auch ein Gegenentwurf zu einem Steinbrück.

    heute.de: Welche Marke ist mehr wert? Die Marke Steinbrück oder die Marke Merkel?

    Spreng: Die Marke Steinbrück hat zwei Nachteile. Erstens der Dissens zwischen der Marke SPD und Steinbrück - und zweitens die Diskussion um seine Nebentätigkeiten. Im Moment ist er damit eine beschädigte Marke. Und Angela Merkel ist aufgrund ihrer internationalen Reputation, aufgrund ihrer Bedeutung in Europa und in der Welt eine herausragende Marke. Aber innenpolitisch gesehen ist sie mehr eine Projektionsfläche als eine klar umrissene Marke.

    heute.de: Sie sind also nicht gleichwertig?

    Spreng: Nein, das kann man nicht sagen. Steinbrück vertritt einfach die schwächere Firma. Und dadurch ist er schon gehandicapt.

    heute.de: Wie wichtig ist es für einen Politiker im Wahlkampf, eine Marke zu sein?

    Spreng: Sehr wichtig, denn jemand, der Kanzler werden will, muss eine herausragende Persönlichkeit sein. Er muss ein ganz eigenständiges Profil besitzen und authentisch sein. Das Problem ist eben nur, dass die Marke Steinbrück und die Marke SPD in der Vergangenheit nicht immer übereingestimmt haben.

    heute.de Können Sie das ein bisschen näher erläutern?

    Spreng: Er hat die Partei oft kritisiert, er hat Teile der Partei als Heulsusen bezeichnet, er hat sich lustig über sie gemacht. Er ist kein typischer Parteisoldat. Das ist einerseits seine Stärke, aber andererseits auch seine Schwäche. Denn die Differenzen zwischen den Marken SPD und Steinbrück werden dadurch offensichtlich.

    Das Interview führte Ulrike Thiele

    Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

    Wer ist Peer Steinbrück?

    Der bislang älteste SPD-Kanzlerkandidat

    Peer Steinbrück, der am 10. Januar nächsten Jahres 66 Jahre als wird, ist der bislang älteste Kanzlerkandidat, mit dem die SPD ins Rennen um das höchste Regierungsamt geht. Steinbrück wäre bei Amtsantritt auch der zweitälteste Kanzler nach Konrad Adenauer, sollte er im September 2013 Angela Merkel ablösen.

    Kurt Schumacher, Willy Brandt und Helmut Schmidt

    Seine SPD-Vorgänger waren zum Teil deutlich jünger. Kurt Schumacher, erster Parteivorsitzende nach dem Krieg, war 54 Jahre, als er 1949 gegen Adenauer verlor. Der damalige Regierende Berliner Bürgermeister Willy Brandt war 1961 bei seinem ersten Anlauf erst 47 Jahre alt - ebenso wie Oskar-Lafontaine bei seinem vergeblichen Versuch 1990. Ein Jahr älter war Rudolf Scharping vier Jahre später. Mit 57 Jahren ging Hans-Jochen Vogel 1983 in das Rennen, mit 56 Jahren Johannes Rau 1986.

    Knapp 60 war Helmut Schmidt, als er - schon als Kanzler - 1976 die  SPD erfolgreich als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl führte. Mit 54 Jahren wurde Gerhard Schröder 1998 zum Kandidaten gekürt. Steinbrücks Vorgänger Frank-Walter Steinmeier war 2008 bei seiner Wahl zum SPD-Spitzenmann 52 Jahre alt.

    Peer Steinbrück - Kurz-Biografie

    Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder.
    1968           Abitur, danach zwei Jahre Bundeswehr
    1969           Eintritt in die SPD
    1970 - 1974    Volkswirtschafts-Studium in Kiel
    1974 - 1981    Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt
    1981 - 1985    Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer
                   sowie in der SPD-Bundestagsfraktion
    1986 - 1990    Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau
    1990 - 1992    Umwelt-Staatssekretär in Kiel
    1992 - 1998    Erst Staatssekretär, dann Wirtschaftsminister in Kiel
    1998 - 2000    Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW
    2000 - 2002    Finanzminister in Düsseldorf
    2002 - 2005    Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
    2005 - 2009    Bundesfinanzminister
    2005 - 2009    Stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender
    seit   2009    Mitglied des Bundestags

    08.12.2012
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