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merkzettel

UN-Gipfel in Doha zu Ende

"Keinen Millimeter in Richtung mehr Klimaschutz"

  • Video Doha-Ergebnis "extrem enttäuschend"
  • Video Klimagipfel droht zu scheitern
  • Video Doha: Unterwegs mit ZDF-Reporter Angres
  • Grafik Klima im Wandel
  • VideoDoha-Ergebnis "extrem enttäuschend"

    "Die Konferenz hat sich keinen Millimeter in Richtung mehr Klimaschutz bewegt", sagt ZDF-Umweltexperte Volker Angres nach dem UN-Klimagipfel in Doha. Besonders enttäuscht seien die Entwicklungsländer - sie bekamen keine Hilfen, um mit Klimaschäden fertig zu werden. Was in Doha erreicht wurde, "hätte man auch zu Hause verhandeln können".

    (08.12.2012)
    VideoKlimagipfel droht zu scheitern
    (07.12.2012)
    VideoDoha: Unterwegs mit ZDF-Reporter Angres

    ZDF-Reporter Volker Angres zeigt, wie ein Journalist auf dem Weltklimagipfel in Doha arbeitet.

    (07.12.2012)
    GrafikKlima im Wandel
    Klima im Wandel / Quelle: zdf
    (Quelle: zdf)

    Kurzmeldung

    • Kritik an Klimagipfel-Ergebnis 14:31 09.12.2012
      Auf die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz in Doha haben Umweltverbände und die Grünen mit Enttäuschung reagiert. Der WWF Deutschland sprach von einem schwachen Ergebnis der zweiwöchigen Verhandlungen. "Gemessen an den Erwartungen ist die Konferenzbilanz enttäuschend, gemessen an den Herausforderungen des Klimawandels ist sie vernichtend", hieß es. Der Weg zu einem globalen Klimaschutzabkommmen, gemeinsam mit den USA und China, sei "steiniger geworden", bemängelte Greenpeace. Die Grünen erklärten, ein Minus von 30 statt 20 Prozent Emmissionen für die EU sei überfällig.

    Die drei Lehren von Doha

    von Volker Angres

    Die UN-Klimakonferenz hat für 37 Staaten eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls beschlossen. Doch wenn man es nüchtern betrachtet, heißt das Ergebnis: Der Verhandlungsprozess wird weitergehen. Mehr Klimaschutz gibt es nicht. Wenn es ein Guinness-Rekordbuch des Versagens gäbe, wäre einer der ersten Plätze der Doha-Konferenz sicher.

    Dabei besteht bei nahezu allen Delegierten Einigkeit darüber, dass wir immer schneller in eine Phase der unkontrollierbaren Erderwärmung hineinstürmen. Taktisch geschickt gesetzt, hatte kurz vor der Klimakonferenz das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung im Auftrag der Weltbank simuliert, wie es sich denn auf den Globus auswirken würde, wenn die Temperaturen durchschnittlich nicht um zwei, sondern um vier Grad ansteigen würden. Mit einem Wort: katastrophal.

    Hans Joachim Schellnhuber, der Leiter des Instituts, bestätigte, dass vor allem tropische und subtropische Gebiete massiv betroffen wären, bis hin zur Unbewohnbarkeit. Und dabei handelt es sich um Länder, die nichts zur Klimaerwärmung beigetragen haben. Deshalb fordern auch Umweltaktivisten seit Jahren Klimagerechtigkeit ein. Besonders bitter ist, dass die Doha-Konferenz hier zu keinen konkreten Finanzierungs-Verabredungen für die am meisten betroffenen Entwicklungsländer gekommen ist.

    Kyoto-Protokoll: Neuauflage beschlossen

    In einer im Verfahren umstrittenen Schlussabstimmung hat die UN-Klimakonferenz am Samstag den Weg für die geplante neue Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls bis 2020 freigemacht. Der katarische Konferenzpräsident Abdullah bin Hamad al-Attijah stellte fest, die Konferenz habe die Annahme der Beschlussvorlage befürwortet. Zuvor waren die Verhandlungen stundenlang ins Stocken geraten, weil Russland und weitere Staaten  Vorbehalte gegen Teile des Kyoto-Textes geltend machten. Russland protestierte gegen das Vorgehen der katarischen Präsidentschaft.

    37 Staaten verpflichten sich mit der Neuauflage des Kyoto-Protokolss, ihre Treibhausgase bis 2020 weiter zu reduzieren. Gemeinsam sind diese Staaten für rund 15 Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich.

    Quelle: afp, dapd

    Wenn es also so gut wie keinen Widerstand (bis auf den von bezahlten PR-Profis) gegen die prognostizierte Erderwärmung gibt, dann ist es umso unverständlicher, warum 18 UN-Konferenzen in Folge (nicht gerechnet die ungezählten Zwischenkonferenzen und sonstigen Arbeitstreffen) keinen Plan zustande bekommen haben, um damit umzugehen. Und zwar nicht erst seit Doha, eigentlich von Anfang an. Waren also die Weltklimakonferenzen eine Art Fata Morgana des Klimaschutzes? Es fühlt sich genauso an: Kommt man dem Ziel näher, verschwindet es plötzlich aus dem Blickfeld.

    Lehre 1: Gespräche werden bis 2020 nicht klappen

    Deshalb drängt sich die Frage auf, ob es überhaupt eine gute Idee war bzw. heute noch ist, Klimaschutz auf eine globale Plattform zu hieven, auch noch auf eine völkerrechtlich verbindliche. Einklagbare Verpflichtungen, die zudem über Jahrzehnte nationale Regierungen binden, sind nicht eben mal so zu unterschreiben.

    Selbst die EU, die bis 2008 noch eine Führungsrolle in der internationalen Klimapolitik gespielt hat, kommt aus der Deckung nicht mehr heraus. Weil einige Mitgliedsstaaten offenbar nicht mehr Klimaschutz leisten können und weil die Kassen wegen der Eurokrise leer sind. Doha-Lehre Nummer 1: Was in 20 Jahren Klimaverhandlungen nicht funktioniert hat, wird bis 2020 auch nicht klappen - dann soll ein neuer Weltklimaschutzvertrag das Kyoto-Protokoll ablösen.

    Lehre 2: Geldwerter Klimaschutz zieht Missbrauch an

    Als 1997 das Kyoto-Protokoll in der gleichnamigen japanischen Stadt unterschrieben wurde, haben die Delegierten nicht im Traum daran gedacht, dass es einmal so auf den Kopf gestellt werden würde. Denn immer deutlicher zeigt sich, dass clevere Verhandler, angefeuert von Lobbyisten der fossilen Szene, immer neue Wege finden, um über die Mechanismen des Protokolls - etwa Emissionshandel, clean development mechanism, joint implementation - Profite zu generieren, einzig zu eigenen Interessen. Die "heiße Luft" aus Russland sei nur ein Beispiel dafür.

    Noch in den letzten Stunden der Doha-Konferenz arbeiteten eben diese Leute daran, diverse Altrechte und behauptete Ansprüche aus dem Kyoto-Protokoll in den neuen Weltklimavertrag hineinzuverhandeln – womit der erste Keim einer künftigen Verwässerung bereits gelegt ist. Doha-Lehre Nr. 2: Wo es um geldwerte Klimaschutzmechanismen geht, sind die Missbrauchs-Lobbyisten nicht weit.

    Lehre 3: Kleine Rädchen statt großes Rad drehen

    Insofern ist die Anregung von Bundesumweltminister Peter Altmaier, eine Art Club der Energiewende-Länder zu gründen, vielleicht etwas flapsig formuliert, aber im Kern ein richtiger Ansatz. Leider spielte das in Doha so gut wie keine Rolle mehr. Darüber kann auch das Testfeld für Photovoltaik-Anlagen, das die katarische Regierung schnell noch zur Konferenz in die Wüste gezaubert hat, nicht hinwegtäuschen.

    Grüne Technologien, die daraus entstehenden grünen Märkte und der politische Mut, den Umbau eines Energieversorgungssystems anzugehen: Daraus entstehen Impulse für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und nebenbei, sozusagen als Zugabe, effektiver Klimaschutz. Ganz ohne internationale Verhandlungen. Wenn sich das ganz große Rad nicht drehen lässt, dann versuche man es zunächst mit ein paar Rädchen. Das ist dann die dritte Lehre von Doha.

    09.12.2012
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