Aaageendaa

Ab und an betritt ein Linkspartei-Politiker die Bühne und sagt seinen Wunschzettel auf. Auffällig: Die meisten stammeln sich dermaßen hilflos von einem "Schluss mit Agenda 2010" bis zum nächsten "Schröder ist kein Sozialdemokrat", dass Edmund Stoibers legendärer Auftritt bei Sabine Christiansen im Vergleich dazu wie eine Lehrstunde in Rhetorik wirkt.
Zwischendurch tritt ein Liedermacher auf, der höchstwahrscheinlich gerade mit einer Zeitmaschine direkt aus den Endsiebzigern angereist ist. Sein Name ist Franz Gaydosch und ein einziges Mal schafft er es tatsächlich einen dieser seltenen, realitätsverschiebenden Momente zu erzeugen, die man leider persönlich erlebt haben muss um in den vollen Genuss ihrer wirklichkeitsverzerrenden Wirkung zu kommen: Franz Gaydosch hat zur Melodie der alten Rock-Schnulze "Child in Time" von Deep Purple einen neuen Text geschrieben. An der Stelle, an der im Original Ian Gillan mit Falsettstimme eine sehnsüchtige, dreitönige Aahaahaah-Melodie intoniert, krächtzt Gaydosch ein langgezogenes "Aaageendaa" ins Mikro. Es ist unglaublicher als unglaublich. Die Wirklichkeit verschwimmt. Das kann nicht echt sein.
Auf der Suche nach Bodenhaftung gehe ich zum Stand der DKP, in der vagen Hoffnung ein paar handfeste politische Parolen könnten Gaydoschs Gequietsche aus meinem Kopf verscheuchen. Aber Bodenhaftung ist ausverkauft. Die DKP verzichtet zwar realistischerweise auf eine eigene Bundestagskandidatur und ruft stattdessen zur Wahl der Linkspartei auf; ein profaner Regierungswechsel ist den Kommunisten aber bei weitem nicht gut genug. Auf ihren Plakaten fordern sie: "Eine neue Welt ist nötig." Geht's vielleicht auch ein wenig kleiner?
Nicht nur der Mann mit der Gitarre ist heute via Zeittunnel angereist, auch die meisten Anwesenden wirken eher wie Gäste im einundzwanzigsten Jahrhundert. Selbst ihre Träume sind rückwärtsgewandt. Das hier sind keine Linken, es sind Konservative. Ihr Vokabular entstammt einer Zeit, als die Welt noch überschaubar schien und sie träumen öffentlich den Traum der Vollversorgung.
Sie wollen eine Taschengelderhöhung und stampfen mit dem Fuß auf, weil Papi diese nicht herausrücken will. Dass Papi vielleicht gerade bis zum Hals im Dispo versinkt, stört sie nicht weiter. Bei aller Beschwörung der Solidarität, in allen Ansprachen schwingt vorpubertärer Egoismus mit, der sagt: "Ich will, ich will, ich will!" Das ist die Hauptbeschäftigung heute: wollen.
Ich bin immer ausgesprochen skeptisch, wenn komplizierte Fragen mit einfachen Antworten gekonternt werden. Die heutigen Redner gehen noch einen Schritt weiter: Sie stellen die Fragen gar nicht erst, sondern verstreuen nur ihre simpel gestrickten Antworten. Alles andere wäre wohl zu kompliziert.
Auch ein Linker ist ein Mensch...
as mich immer wieder stört ist, dass Linke immer solch "kleine, arme Kiffer" sein sollen, die "weit abder Realität" wohnen und tun. Das stimmt so nicht... Gerne wird auch für die Berichterstattung immer wieder MAterial genommen, die die Linken als (ich sags mal wie hier im Odenwald) "Babsäck" (ungeflegter Mensch mit ungewaschenen, langen Haaren) darstellt.Ich bin ein Linker und bin Unternehmer! Ich renn auch mit Hemd und Schlips rum und habe den nötigen Respekt vor allem und allen Andern... Auch so kann ein Linker sein!
Stephan Krieger
www.wasg-odenwald.info
PDS/Linke-Wahlveranstaltung in Frankfurt a. M.
Wie sehen eigentlich PDS/Linke-Anhänger im Westen aus? Sind es eher junge dynamische Menschen mit einem Herz für "soziale Gerechtigkeit" oder eher deprimierte SPD-Wähler, die die Vision vom einem besseren Leben dank des Sozialismus träumen? "Undercover-Agent" Johannes Schlörb wollte es genau wissen und hat sich mit einem Fotoapparat auf einer PDS/Linke-Veranstaltung in Frankfurt a.M. umgeschaut und sich einige satirische Aktionen ausgedacht. Mehr: http://www.myblog.de/politicallyincorrect/art/1924294(Kein Titel)
Der Sozialstaat ist durchaus möglich. Dazu darf man aber nicht ein Steuergeschenk nach dem Nächsten verteilen. Weder an Spitzenverdiener noch an Großkonzerne.Der Staat darf sich von der Wirtschaft nicht erpressen lassen (Standortverlagerung etc).