Türkei-Urlauber fallen immer wieder auf gefälschte Markensachen herein. Das Land ist auch Umschlagplatz für Fälscherware, die nach Deutschland gebracht und hier verkauft wird. Was die ZDF.reporter in Antalya und Istanbul erlebt haben, lesen Sie hier.
Günstige Gucci-Täschchen, Markenhosen für die Hälfte, Versace-Sonnenbrillen zum Spottpreis. Vermeintliche Schnäppchen finden wir auf den großen Basaren der türkischen Riviera. Mit Rechtsanwältin Christina Rampf sind wir unterwegs im Urlaubsort Antalya. Die Juristin hat sich auf Produktpiraterie spezialisiert. Zunächst wollen wir mit Testkäufen herausfinden, ob die hier angebotenen Designerprodukte echt sind.

"Wollen Sie gefälschte Markensachen kaufen?" - "Schöne Imitate, super Qualität!" Einige Händler sagen ganz offen, dass sie Fälschungen verkaufen und werben sogar damit. Auf einem Platz so groß wie ein Fußballfeld reiht sich ein Verkaufsstand an den anderen. Wir sind überwältigt von einem Meer an Turnschuhen, Textilien, Schmuck und Parfums. Imitate soweit das Auge reicht - hier werden sie zur Touristenattraktion. Mit den Urlaubern wird verhandelt und geschäkert: "Machen wir 25 Euro! Leben und leben lassen, ja?" Die meisten Verkäufer sprechen deutsch, manche sogar in zahlreichen Akzenten. Die Kunden kaufen bewusst Fälschungen für wenig Geld. Dabei ist der Handel mit gefälschter Ware auch in der Türkei verboten. "Das Problem ist, dass die Polizei hier nur selten was dagegen tut", sagt Christina Rampf.
In Deutschland gilt für Reisende: Wer im Urlaub gefälschte Ware kauft, deren Einkaufswert unter 175 Euro liegt, hat beim Zoll nichts zu befürchten. Probleme bekommt allerdings, wer die Mitbringsel nicht nur für den eigenen Gebrauch einführt, sondern sie weiterverkaufen möchte. Wenn ein Urlauber zum Beispiel zehn Sonnenbrillen oder 20 Jeans einer bekannten Marke mitbringt, vermutet der Zoll, dass dahinter eine gewerbliche Absicht steht. Wer gefälschte Produkte bei eBay oder auf dem Flohmarkt anbieten möchte, macht sich strafbar. Andreas Urbaniak vom Hauptzollamt am Frankfurter Flughafen warnt vor empfindlichen Strafen: "Wir werden den Sachverhalt genau feststellen und die Informationen an die Markeninhaber weitergeben. Die betroffene Firma wird möglicherweise Anzeige erstatten und die Strafen sind recht happig, bis in den fünfstelligen Euro-Bereich können die durchaus gehen."
Es gibt auch Händler, die nicht sagen, dass sie Fälschungen verkaufen. Wir besuchen einen zweiten Basar mitten in der Stadt. Zwischen Früchten und Gewürzen werden vermeintliche Markensachen angepriesen, laut Verkäufern alles original. Für 60 Euro kaufen wir originale Nike-Schuhe, die in Deutschland das Doppelte kosten. Auf den ersten Blick sehen sie echt und hochwertig aus. Im Hotel schneidet Christina Rampf die Schuhe auf und erkennt, dass auch dieses vermeintliche Schnäppchen Touristennepp ist: Die Nähte sind unsauber verarbeitet, ein Stück Stoff fehlt, die Sohle ist lose - Gelenkprobleme und wunde Füße können die Folge sein.
Obwohl viele Produkte auf den ersten Blick aussehen wie Originale, sind sie auf den zweiten Blick oft deutlich zu unterscheiden. Ein wichtiger Indikator ist der Preis, der nach Verhandlungen oft deutlich unter dem Originalpreis liegt. Manchmal erkennt man die Fälschung auch an der minderwertigen Qualität: schlecht verarbeitete Nähte und Säume bei Textilien oder billiger Kunststoff statt Leder beim Turnschuh. Hilfreiche Merkmale sind Logos und Waschetiketten, Knöpfe, Echtheitszertifikate, Hologramme und Sicherheitslabel. So ist beispielsweise das Lacoste-Krokodil bei vielen Plagiaten zu groß, bei gefälschten Rolex-Uhren fehlt häufig eine ins Glas gelaserte kleine Krone. Im Zweifelsfall im Internet nachsehen, den Experten fragen oder das Urlaubs-Schnäppchen mit einem Original-Produkt vergleichen.
Wir wollen herausfinden, wie leicht es Zwischenhändlern gemacht wird, gefälschte Ware nach Deutschland zu importieren. Wir geben uns als Boutiquenbesitzer aus und kommen mit dem Textilverkäufer ins Gespräch. "Ganz einfach: Du kaufst die Jeanshosen hier ein und lässt dir in Deutschland die Etiketten einnähen. Dann kriegst du keine Probleme beim Zoll. Ich kenne viele, die das so machen." Am günstigsten bekämen wir die Sachen in Istanbul. Als wir ihm erklären, dass wir bald nach Istanbul fliegen, versorgt er uns mit Adressen von Großhändlern und gibt uns eine Wegbeschreibung mit auf die Reise.
Reportage von Mara Bergmann
Kamera: Johannes Guttenhöfer
Schnitt: Daniel Baginski
Sendetermin: 20. März 2008, 21 Uhr, bei ZDF.reporter