Im ZDF-Sommerinterview erteilt der FDP-Chef einer Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP nach der Bundestagswahl eine deutliche Absage, denn "die Programme passen einfach nicht zusammen". Gleichzeitig spricht sich Westerwelle klar für Schwarz-Gelb aus. Angesichts der Kritik seines CSU-Kollegen Horst Seehofer zeigt sich Westerwelle jedoch gelassen und mahnt, man solle sich nicht gegenseitig "lähmen und beharken".
FDP-Chef Guido Westerwelle gehört zu den Stammgästen beim ZDF-Sommerinterview. In diesem Jahr dient die Augustusbrücke in Dresden als Kulisse für das politische Gespräch mit Peter Hahne.

Und gleich zu Beginn stellt Westerwelle klar, dass er nicht auf die Kritik an seiner Person und seiner Partei, die CSU-Chef Seehofer in den vergangenen Tagen geübt hatte, reagieren wolle. Seehofer hatte Westerwelle ein "Sensibelchen" genannt und die Zuverlässigkeit der FDP bezweifelt. Zudem forderte die CSU von der FDP eine klare Koalitionsaussage. Doch Westerwelle zeigt sich überzeugt, dass die Bevölkerung nicht wolle, "dass diejenigen, die miteinander beim nächsten Mal Regierungsverantwortung übernehmen, sich gegenseitig lähmen und beharken", betont Westerwelle. Die FDP kümmere sich lieber "um Deutschland", um die Zukunft des Landes - da müsse er "nicht alles aufnehmen", was ihm "an Stöckchen hingeworfen" werde.
Eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen schließt Westerwelle definitiv aus. Der FDP-Vorsitzende macht deutlich, dass er diese Auffassung bereits im vorigen Jahr beim ZDF-Sommerinterview vertreten habe, und "dabei bleibt es auch". Der Grund dafür läge jedoch keineswegs in "persönlichen Antipathien, sondern die Programme passen nicht zusammen", sagt der Liberale im ZDF.
Für die Bundestagswahl am 27. September habe die FDP das Ziel, die Große Koalition zu beenden, zudem müsse "eine linke Mehrheit verhindert werden". Das sei nur "durch eine Mehrheit für Union und FDP" zu schaffen. Deshalb strebten er und seine Partei Schwarz-Gelb an, "ohne Wenn und Aber", so Westerwelle. Gleichzeitig betont er noch einmal, dass das Verhältnis zwischen der CDU-Chefin Angela Merkel und ihm "sehr gut" sei.

Kabinettsposten will Westerwelle allerdings noch nicht verteilen, denn "um die Posten geht es jetzt nicht, es geht um die Politik", betont der Liberale im Interview. Doch auf das Innenressort angesprochen, macht Westerwelle deutlich, dass er der Auffassung sei, dass man in Deutschland "eine andere Innenpolitik" brauche.
Insbesondere müsse angesichts steigender Gewaltbereitschaft für "mehr Sicherheit" gesorgt werden. Wenn er sehe, dass in Berlin "jeder, der falsch parkt" aufgeschrieben werde, aber um die Ecke Autos angezündet würden, "ohne dass irgendetwas passiert", sei das "ein ganz obskures Verhältnis zum Rechtsstaat", meint Westerwelle. Doch ein "liberaler Demokrat wird sich immer für Freiheit und Sicherheit gleichermaßen einsetzen", verspricht der FDP-Chef.