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12. März 2010
 

Abenteuer Wissen

 
Baustelle des neuen Saatgutbunker auf Spitzbergen.
Die verantwortlichen Ingenieure der Baustelle

Abenteuer Wissen

Eine moderne
Arche Noah

Saatgutbunker im arktischen Permaforstboden

Auf Spitzbergen wird ein Bunker tief in den Permafrostboden gebaut. Hier soll Saatgut unserer Wild- und Nutzpflanzen für kommende Generationen aufbewahrt werden. Samen von mehr als einer Million Pflanzen sind Garantie dafür, dass sich auch in ferner Zukunft noch Kulturpflanzen züchten lassen, die an veränderte Klimabedingungen angepasst oder krankheitsresistent sind.

 
 
 
 

Der internationale "Global Crop Diversity Trust" hat lange nach einem entsprechenden Ort für die Lagerstätte der pflanzlichen Genressourcen gesucht. Die Wahl fiel auf das unwirtliche Archipel Svalbard.

Grafik des Saatgutbunkers auf Spitzbergen.
Grafik des Saatgutbunkers

Eisgruft im Permafrostboden

Katastrophen wie Dürren oder Epidemien können ganze Nutzpflanzenarten ausrotten. In solchen Fällen will man auf die Saatgutreserven zurückgreifen können, selbst noch in mehreren hundert Jahren. Die Samen sind der Rohstoff, dem wir Nahrung und Wohlstand zu verdanken haben und die unsere Ernährung auch noch in der Zukunft sichern sollen.

 

Erste Tests haben gezeigt, dass der frostige Boden Spitzbergens und die trockene Kälte der Arktis ideale Bedingungen für die Lagerung von Samen bietet. Die Lagerung bei etwa minus vier Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von höchstens sechs Prozent stellt sicher, dass das Saatgut über viele Jahre konserviert bleibt. Fällt das Kühlsystem zum Beispiel bei Stromausfall aus, bietet der unterirdische Bunker im Permafrost sicheren Schutz.

Bergwerksstollen in Longyearbyen.
Der alte Bergwerksstollen wird weiter ausgebaut.

Eisige Vorratskammer

In einem Stollen bei Longyearbyen entsteht die größte Tiefkühltruhe der Welt. Der Ingenieur Dag Rindal Brox und der Geologe Sverre Barlindhaug sind für die Baustelle verantwortlich. Allein die schweren Maschinen auf den Hügel zu bekommen, ist ein Kraftakt. Dag Rindal Brox: "Alles was wir auf der Baustelle benötigen, muss per Schiff von Norwegen geliefert werden. Es dauert fast zwei Wochen bis die Materialien hier sind. Das ist eine langwierige Angelegenheit." Ende 2008 soll der Bunker fertig sein. Deshalb müssen die Arbeiten auch bei ungünstigen Wetterbedingungen weitergehen.

 
Baustelle der neuen Genbank in der Arktis.
Schwierige Baggerarbeiten im gefrorenen Boden

Baustelle im Stollen für den Saatgutbunker.
Baustelle im Stollen, tief in der Erde

120 Meter tief wird der Stollen in den Berg getrieben. In drei Kammern werden einmal drei Millionen Samen von Pflanzenarten aus der ganzen Welt lagern - angeblich atombombensicher und geschützt vor Terroristen und Naturkatastrophen. Die Anlage des unterirdischer Bunkers ist mit einem modernen Sicherheitskonzept ausgerüstet: meterdicke Mauern aus Spezialbeton, fünf Stahltüren, Videoüberwachung, Bewegungsmelder und eine sichere Eingangschleuse. Wenn der High-Tech-Bunker fertig gestellt ist, wird einmal im Jahr ein Wissenschaftler die Anlage und das eingelagerte Saatgut prüfen.

 

Saatgutarchiv in Deutschland

Auch in Deutschland bewahrt man Nutzpflanzen für die Zukunft auf. In Gatersleben in Sachsen-Anhalt befindet sich eine der größten Genbanken weltweit mit Samen von mehr als 3000 verschiedenen Arten: das IPK, Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung. Hier wird nicht nur Saatgut aufbewahrt, sondern auch an seiner Optimierung geforscht. In den Kühlräumen lagern rund 150.000 "Muster" von Kulturpflanzen.

 
Saatgutarchiv des IPKGatersleben.
Saatgutarchiv in Gatersleben

 

Regelmäßig muss die Keimfähigkeit der Samen überprüft werden. "Wir müssen wissen, ob Samen, die zehn, 15 oder 20 Jahre im Samenkühllager aufbewahrt wurden, überhaupt noch lebensfähig sind," sagt Dr. Andreas Börner, Diplomlandwirt und stellvertretender Abteilungsleiter der Genbank.

Überprüfung der Keimfähigkeit von Saatgut.
Anzucht von Linsensamen im Labor

Für die Überprüfung werden in regelmäßigen Abständen 100 Samen eines Musters maschinell ausgezählt und 14 Tage lang in feuchte Tücher verpackt. Behalten von diesen 100 Samen mindestens 70 ihre Keimfähigkeit, ist alles in bester Ordnung. Ist dies nicht der Fall, müssen keimfähige Samen schleunigst im Gewächshaus vermehrt werden, um das Erbmaterial zu sichern.

 

Eiserne Reserve

Krankheiten, Monokulturen, Umweltkatastrophen oder die Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen bedrohen die noch vorhandene natürliche Vielfalt. Genbanken mit Samen von Nutz- und Wildpflanzen sollen das Erbmaterial sichern. Auch der Klimawandel zeigt vielleicht schon bald, wie wertvoll das genetische Material solcher Samenbanken ist.

"Mit der Klimaerwärmung werden manche Pflanzen über kurz oder lang verschwinden", sagt Dr. Andreas Börner: "Hier spielt die Genbank eine wichtige Rolle, nämlich genau dieses Material aufzusammeln, fachgerecht zu lagern und bei Bedarf zu vermehren und zu regenerieren." Die Lagerstätte in der Arktis ist ein internationales Projekt. Das Land Norwegen ist Eigentümer des unterirdischen Pflanzentresors. Das Saatgut aus aller Welt bleibt im Besitz des jeweiligen Instituts oder Landes als sichere und eiserne Reserve.