Politiker fordern öffentlich Westerwelles Rücktritt. Sogar seine Parteifreunde gehören dazu. Auch im Netz tobt eine FDP-interne Debatte über die W-Frage, über seine möglichen Nachfolger wird heftig spekuliert.
Außenminister Guido Westerwelle macht gerade harte Zeiten durch. Der Ressortchef steht seit der deutschen Enthaltung bei der Abstimmung des Weltsicherheitsrats über den Libyen-Einsatz in der Kritik. Massiv unter Druck geriet Westerwelle nun, als er den NATO-Einsatz zunächst nicht ausdrücklich würdigte, sondern den Fall des Gaddafi-Regimes vor allem der internationalen Sanktionspolitik zuschrieb. Selbst prominente Parteifreunde wie der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum kritisierten ihn öffentlich.
Im Internet ist derweil eine hitzige Debatte über den ehemaligen FDP-Chef entbrannt. Einige Mitglieder des Forums auf der FDP-Webseite(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) wollen an Guido Westerwelle festhalten, andere wollen ihn schnellstmöglich loswerden und liefern auch gleich einige Vorschläge für mögliche Nachfolger.
Im dem FDP-Forum finden sich bereits 110 Beiträge zu dem Thema: "FDP-Funktionäre verlangen Westerwelles Rücktritt". Die Teilnehmer diskutieren, ob der Außenminister abgesägt werden soll. Eine knappe Mehrheit ist dafür. "Es rächt sich einfach, dass er Zeit seines Lebens ein Oppositionspolitiker war, der gleich Weltpolitik spielen wollte", schreibt "uranos". Einige bemängeln, dass er einfach im falschen Amt ist. So postet Michael Q.: "Ich gehöre zu denen, die Westerwelle für einen guten Oppositionsführer halten, aber als Minister für nicht geeignet."
Im FDP-Forum gibt es allerdings auch einige Anhänger des Außenministers. Sie befürworten sein Nein zum Libyen-Einsatz und unterstreichen, dass Deutschland damit einen eigenen Weg gegangen sei. Andere von ihnen denken pragmatischer. Sie sagen, Westerwelle müsse im Amt bleiben, weil es an Alternativen in der FDP mangele. Wenn er gehe, müssten die Liberalen das Amt des Außenministers an eine andere Partei abgeben, was sie bei den kommenden Landtagswahlen Stimmen kosten würde, so die Argumentation.
Viele Forumsteilnehmer sind da selbstbewusster und schlagen gleich mögliche Kandidaten aus der FDP für das Amt des Außenministers vor. Zu ihren Favoriten gehören Wolfgang Gerhardt, Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung, sowie Wolfgang Kubicki, Fraktionsvorsitzender der FDP in Schleswig-Holstein, aber auch Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, Vizefraktionschef Martin Lindner und Entwicklungsminister Dirk Niebel.
Auf Westerwelles Facebook-Seite(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) geht es nicht freundlicher zu. Ein Interview in der "Welt am Sonntag", das der Außenminister an seine Pinnwand gepostet hat, dient den meisten Internetnutzern dazu, Dampf abzulassen. Wolfgang H. schreibt: "Wir brauchen eher einen, der sein Mäntelchen nicht in den Wind hängt. das, was da jetzt flattert ist doch nur peinlich für Deutschland." Noch ein wenig deutlicher wird Othomas W.: "Geh mit Gott, aber geh... endlich!!!!"