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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Login-Interface. Quelle: imago

Jungforscher will das Netz sicherer machen

Der Saarländer Michael Backes ist Deutschlands Daniel Düsentrieb

von Sabine Schmitt, Saarbrücken

Der Informatik-Professor Michael Backes hat es als erster Deutscher auf die Liste der "35 besten Forscher unter 35 Jahren" geschafft. Gerade entwickelt er ein neues Sicherheitssystem für das Internet. Sein Ziel: mehr Schutz der Privatsphäre.

 
 
 
Michael Backes. Quelle: ZDF,Sabine Schmitt
ZDF,Sabine Schmitt
Michael Backes

Wenn Michael Backes eine Idee hat, dann will er am liebsten sofort ausprobieren, ob es funktioniert. So war es zum Beispiel als er seinen Lauschangriff auf die Nadeldrucker gestartet hat. Gemeinsam mit seinem Team hat der 31-jährige Informatik-Professor an der Universität des Saarlandes herausgefunden, dass sich an den Druckergeräuschen in einer Arztpraxis abhören lässt, welches Rezept gerade für welchen Patienten gedruckt wird. Nur eines von vielen Projekten des Jungforschers aus Saarbrücken.

 

Smart, Neugierig und Erfinderisch

Michael Backes ist so eine Art Daniel Düsentrieb der Informationstechnologie und alles andere als ein Klischee-Informatiker. Er ist smart, neugierig und vor allen Dingen erfinderisch. Mehr als drei Stunden hält er es am Tag nicht vor dem Bildschirm aus. "Die besten Ideen habe ich in Cafés oder bei Diskussionen mit meinen Mitarbeitern", sagt Backes.

 

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Studium im Sauseschritt

Gerade mal zwei Semester brauchte Michael Backes für sein Informatik-Vordiplom, nur ein Jahr später hatte er den Abschluss in der Tasche. Und genau so zügig ging es weiter: Promotion über Informationssicherheit, nebenbei ein Mathematik-Diplom, eine Stelle im Züricher Forschungslabor von IBM und schließlich eine Professorenstelle an der Universität des Saarlandes. Das war 2006. Damals war er der jüngste Professor Deutschlands.

Als ersten Deutschen hat ihn das Massachusetts Institute of Technology (MIT) 2009 in die Liste der "35 besten Forscher der Welt unter 35 Jahren" aufgenommen. Am Donnerstag wurde er vom Wirtschaftsmagazin "Capital" als Nummer Eins der besten "40 Wissenschaftler unter 40 Jahren" ausgezeichnet. Besonders stolz ist er auf den "ERC Starting Grant", einen Förderpreis des Europäischen Forschungsrates für international herausragende Nachwuchswissenschaftler.

 

Weniger Infos preisgeben

Seine Forschungsschwerpunkte sind Informationssicherheit und Kryptographie, also Datenverschlüsselung. "Die meisten Internetnutzer geben viel mehr Informationen über sich preis als notwendig ist", sagt Backes. "Es werden einfach zu viele persönliche Dinge offenbart." Mit seinem zehnköpfigen Team erforscht er jetzt ein System für mehr Anonymität im Internet. Mit mathematischen Formeln und Anwendungen will er eine Art "Black Box" für vertrauliche Daten entwickeln. "Zero Knowledge Proof" heißt das Zauberwort. So sollen Privatpersonen im Internet glaubwürdig ihre Identität nachweisen können, ohne unnötige Informationen preiszugeben.

 

Ein Beispiel: Wer online ein Video mit Altersfreigabe ab 18 Jahren ausleihen möchte, muss der Videothek nachweisen, dass er volljährig ist. Bisher wird dafür der Personalausweis benötigt. Die Adresse aber geht die Videothek im Netz schließlich nichts an. Die "Black Box" von Michael Backes sammelt die verschlüsselten Angaben und gibt nur die erforderlichen Details weiter. Das Ergebnis: größtmögliche Anonymität im Netz.

Einfach nur beliebt

Neben der aktuellen Forschung mit seinem Team liegt Michael Backes auch die Arbeit mit seinen Studenten am Herzen. Schließlich ist er mit seinen 31 Jahren nicht viel älter. Seine Vorlesungen sind beliebt, schon zwei Mal haben sie ihm einen Preis für die beste Lehre verliehen. Vor allem mit Beispielen aus der Praxis kann er punkten. Von "Spaßprojekten" spricht er dann und ist selbst ganz begeistert. Neben den Geräuschen der Nadeldrucker hat er auch schon visuelle Spionagetechniken erforscht.

Über Reflexionen in Kaffeetassen, Teelöffeln oder dem menschlichen Auge lassen sich ganze Texte von Bildschirmen ablesen. Natürlich sieht es komisch aus, wenn er mit einem Teelöffel und einem Teleskop vor einem Bürofenster steht und zu Forschungszwecken spioniert. Aber es funktioniert. "Man muss wohl etwas verrückt sein, um auf solche Ideen zu kommen", sagt er über sich selbst. Geschadet hat es ihm bisher jedenfalls nicht.