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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Edeka-Center. Quelle: ap

Supermärkte der Edeka-Gruppe: Mitarbeiter bespitzelt?

Bericht: Ver.di kündigt Strafanzeige an

Heimliche Kontrolle bei Krankmeldungen, Privatautos nach Schichtende durchsucht: Die zu Edeka gehörende Supermarktkette Simmel lässt ihre Mitarbeiter einem Bericht zufolge bespitzeln - und das seit Jahren. Firmenchef Simmel weist die Vorwürfe zurück.

 
 
 

Privatdetektive hätten heimlich Hausvisiten bei krank gemeldeten Mitarbeitern vorgenommen und nach Schichtende Privatautos der Angestellten durchsucht, berichtet das Magazin "Focus" unter Berufung auf interne Geschäftspapiere. Betroffen waren demnach Supermarkt-Angestellten der bundesweit 32 Edeka-Simmel-Filialen. Die Simmel-Kette mit Schwerpunkt in Sachsen und Bayern wird von Edeka beliefert. Inhaber Peter Simmel ist auch Chef des Edeka-Aufsichtsrats.

 

Detektiv: "Mit Polizei gedroht"

Aus Verträgen und einer Arbeitsanweisung vom 12. Januar 2009 geht dem "Focus"-Bericht zufolge hervor, dass die beauftragen Detektive pro Woche 20 Wagen kontrollierten. "Wenn Mitarbeiter sich weigern, den Wagen zu öffnen, drohen wir damit, die Polizei zu rufen und verweisen darauf, dass dieses sicherlich arbeitsrechtliche Konsequenzen haben werde", berichtete ein Detektiv dem Magazin. Firmenchef Simmel wies die Vorwürfe laut "Focus" zurück und erklärte, es habe nur in einem einzigen Fall eine Wagenkontrolle gegeben.

 

Die Münchner Arbeitsrechtlerin Dorothee Wilcke sagte "Focus" zu dem Vorgang, der Wink mit der Kündigung könne auf eine "strafbare Nötigung hinauslaufen". Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisierte zudem Passagen der Arbeitsverträge für Simmel-Beschäftigte als "rechtswidrig". So sei die darin enthaltene tägliche fristlose Kündigungsmöglichkeit binnen sechs Monaten im Einzelhandel in Bayern verboten.

 

Bericht: Ver.di erstattet Strafanzeige

Zudem begleiche der Unternehmer Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Überstunden mit Warengutscheinen, die nur in Simmels Edeka-Märkten eingelöst werden könnten. "Wir werden Anzeige erstatten und den Vorgang an die Prüfbehörden weiterleiten", kündigte ver.di-Fachabteilungsleiter Hubert Thiermeyer in "Focus" an.

Infobox

SPD will Gesetz zu Arbeitnehmerdatenschutz vorlegen

Die SPD will in den nächsten Tagen im Bundestag einen Entwurf für ein Arbeitnehmerdatenschutz-Gesetz einbringen. Angesichts zahlreicher Bespitzelungsfälle in Großunternehmen soll es regeln, welche Daten Arbeitgeber von ihren Beschäftigten erheben, verwenden und weitergeben dürfen, wie der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier dem "Hamburger Abendblatt" sagte. Besonders sensibel müsse mit Gesundheitsdaten verfahren werden. Die Erstellung von Persönlichkeits- und Gesundheitsprofilen solle verboten werden. Bei Verstößen sieht der Entwurf empfindliche Geldstrafen und in Extremfällen auch Gefängnisstrafen vor.