Großbritannien will sparen - vor allem bei der Bildung. Die Einschnitte werden große Auswirkung auf die Jugend haben. Die ersten sprechen bereits von der "lost generation", einer Generation ohne Ausbildung, ohne Job, ohne Zukunft.
Englands Universitäten sind derzeit wie ausgestorben. Sommerruhe überall. Nur an den Universitäten, die "Summer students" aus der ganzen Welt für Englisch-Kurse beherbergen, wird der Betrieb auf Sparflamme aufrechterhalten. Ende September soll es dann wieder losgehen, nur wie weiß im Augenblick keiner so recht.
Das britische Unisystem muss mit mehreren Problemen gleichzeitig fertig werden: Noch nie haben sich so viel Studenten beworben; noch nie hat man so vielen absagen müssen wie jetzt. Noch nie war das Budget der Unis so knapp und noch nie wussten so viele Studenten bereits zu Beginn ihres Studiums, dass sie danach nur schwer einen Job finden werden. Die Kombination ist fatal, manch einer spricht da bereits von einer "lost generation", einer verlorenen Generation, die die neue Regierungskoalition aus Konservativen und Liberaldemokraten in Kauf nimmt, um der Ökonomie neuen Schwung zu geben.
Vergangene Woche kam ein neuer Schlag: 62 Millionen Pfund (74 Millionen Euro) müssen die englischen Universitäten und Colleges in diesem Finanzjahr einsparen. Das ist hart, denn das Geld war ihnen bereits versprochen und demnach auch verplant worden. Doch das ist erst der Anfang: Bis 2013 soll es gar eine Milliarde weniger aus dem Staatshaushalt für die Bildungsstätten geben.
Die Konsequenzen haben die Universitäten bereits angekündigt: Personal muss eingespart werden und die in England üblichen Studiengebühren von 3.200 Pfund (3.800 Euro) im Jahr werden voraussichtlich angehoben werden müssen. Dazu kommt, dass die Universitäten sich einer absoluten Bewerberschwemme in diesem Sommer gegenüber sehen. Die Vereinigung der Universitätsdozenten UCU geht davon aus, dass 170.000 Studenten keinen Studienplatz bekommen werden. "Der Wettbewerb ist bereits beim Unieintritt riesig und wenn die Studenten dann die Universität verlassen, wird diese Generation so viele Schulden haben wie noch keine andere vor ihr", sagt Sally Hunt, Generalsekretärin der UCU.
Das Problem vieler Uniabsolventen ist, dass sie ihre Schulden durch die Studiengebühren nicht mehr so ohne weiteres los bekommen wie in der Vergangenheit. Bisher sah das System vor, dass die Schulden aus der Studienzeit langsam aber kontinuierlich abgebaut werden, sobald man sein erstes Gehalt bekommt. Doch das kann heute dauern. Viele Absolventen finden keine Arbeit oder wenn nur als unbezahlte Praktikanten.
Wer doch Glück hat, der muss mit sehr viel weniger Gehalt rechnen als noch vor ein paar Jahren. Der Präsident der Nationalen Studentenvereinigung Aaron Porter warnt vor den Konsequenzen: "So schlimm war es noch nie und es scheint sich nicht nur auf ein paar Jahre zu beziehen, sondern es sieht nach einem schwierigen Leben aus für diese Generation." Ist es wirklich eine verlorene Generation?
Nach den Neuwahlen Anfang Mai hatte die Regierung von Premier David Cameron schnell klar gemacht, dass das britische Defizit so groß sei, dass jeder seinen Teil dazu beitragen müsste. Als der Finanzhaushalt einige Wochen später verkündet wurde, war die Überraschung doch groß, wie stark der Bereich Bildung betroffen sein wird.
Nach Meinung des verantwortlichen Ministers David Willetts sollten die Einsparungen für die Universitäten aber kein allzu großes Problem darstellen. Er glaubt, dass es den Hochschulen in erster Linie an Effizienz mangelt. Im Herbst will er einen Bericht vorlegen, in dem die Stärken und Schwächen der Universitäten aufgeführt sein sollen. So lange werden die Universitäten aber nicht warten können. Denn ab September geht das neue Hochschuljahr los. Tausende Jugendliche werden jedoch nicht dabei sein, weil sie keinen der ersehnten Studienplätze bekommen haben.