An Bord der im Atlantik vermissten Air-France-Maschine haben sich auch deutsche Passagiere befunden. Das bestätigte Außenminister Steinmeier in Prag. Zu den genauen Zahlen könne er sich noch nicht äußern, Air France sprach von 26 Deutschen.
Nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) ist auch eine fünfköpfige Familie aus dem Raum Stuttgart an Bord. Die für Verkehr zuständigen französischen Umweltministers Jean-Louis Borloo sagte zunächst, die meisten der 216 Passagiere seien Brasilianer. Air France sprach am Abend von 61 Franzosen und 58 Brasilianern unter den Opfern. Die Air-France-Maschine war mit 228 Menschen - 216 Passagieren und 12 Besatzungsmitgliedern - an Bord am Sonntagabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro Richtung Paris gestartet. Wenige Stunden nach dem Start geriet die Maschine über dem Atlantik nach Angaben eines Sprechers der Fluggesellschaft in eine Gewitterzone mit starken Turbulenzen, "die Funktionsstörungen verursacht haben". Das Flugzeug verschwand von den Radarschirmen.
Für Angehörige und Freunde von Fluggästen, die in der verschwundenen Airbus-Maschine saßen, hat die Fluggesellschaft Air France unter
0033 1 57 02 10 55 eine telefonische Hotline geschaltet.
Laut Air France wurde die Maschine A330 mit der Flugnummer AF 447, die am Montagvormittag in Paris (Charles de Gaulle) landen sollte, vermutlich vom Blitz getroffen und hatte darauf Probleme mit der Elektrik. "Wir sehen uns wahrscheinlich einer Luftfahrtkatastrophe gegenüber", erklärte Air-France-Generaldirektor Pierre-Henri Gourgeon am Nachmittag. "Das gesamte Unternehmen ist bei den Familien und teilt ihren Schmerz."
Die Annahme eines Blitzschlages sei "die wahrscheinlichste", sagte Air-France-Sprecher François Brousse. "Das Flugzeug ist in eine Gewitterzone mit starken Turbulenzen geflogen, die Funktionsstörungen verursacht haben." Eine automatisch abgesetzte Botschaft habe um 4.14 Uhr MESZ "eine gewisse Anzahl von Fehlern gemeldet", darunter einen "Defekt im Stromkreis", sagte Brousse. Gegen 8.00 Uhr morgens gab es dann keine Spur von dem Flugzeug, als es sich wieder dem Festland hätte nähern müssen. Während des Flugs über das offene Meer gibt es üblicherweise keinen Radarkontakt, weil die Entfernung zu groß ist.
"Wir müssen ernsthaft mit dem Schlimmsten rechnen", sagte der für Verkehr zuständige Umweltminister Jean-Louis Borloo. An Bord seien hauptsächlich Brasilianer, aber auch 40 bis 60 Franzosen und 25 Deutsche. Die Situation spreche für "die Hypothese eines Unfalls". Zwar seien Gewitter für die Maschine an sich keine Gefahr, es könne aber eine Serie von widrigen Umständen gegeben haben. Die Möglichkeit einer Entführung schloss Borloo "klar" aus.
Brasilianische und französische Luftwaffe starteten umgehend Suchflüge über dem Atlantik. Laut dem brasilianischen Luftfahrtexperten Gustavo Adolfo Franco Ferreira dürfte die Maschine sich zur Zeit des Gewitters maximal 300 Kilometer östlich der Insel Fernando de Norohna im Atlantik mit Kurs Richtung Afrika befunden haben. Dass dem Piloten noch eine Notwasserung geglückt sein könnte, sei angesichts der beschriebenen Probleme mit der Elektronik "wenig wahrscheinlich".
Der Pilot hatte laut Air France 11.000 Stunden Flugerfahrung und 1700 auf diesem Typ von Maschine. Das Flugzeug ist seit April 2005 im Dienst und war zuletzt am 16. April technisch überprüft worden. Laut Air France waren unter den Passagieren 126 Männer, 82 Frauen, sieben Kinder und ein Baby. Nach Angaben aus verschiedenen Quellen waren an Bord der Maschine auch Fluggäste aus Italien, dem Libanon und Marokko. Die französische Großbank BNP Paribas dementierte ein Gerücht, wonach ihr Chef Michel Pébereau und andere Führungsmitglieder mitflogen.
Am Flughafen wurde ein Krisenstab eingesetzt und eine Betreuung für Angehörige eingerichtet. Für Air France wäre der Absturz der Maschine bei einem Tod aller Insassen die bisher schwerste Katastrophe in der Unternehmensgeschichte. Die letzten Todesfälle hatte die Gesellschaft beim Absturz einer Überschall-Concorde bei Paris im Jahr 2000 zu beklagen, als 113 Menschen starben.
Der A330-200 ist ein zweistrahliges Airbus-Großraumflugzeug, das für mittlere und lange Strecken ausgelegt ist. Die Maschine kann bis zu 12.500 Kilometer weit fliegen und je nach Auslegung zwischen 253 und 293 Passagiere befördern. Mit einer Rumpflänge von 59 Meter und einer Spannweite von gut 60 Metern ist der A330-200 die kleinste Maschine der A330-Familie.
Die Flugzeuge werden im Hauptwerk Toulouse montiert. Ihren Linienbetrieb nahm die A330-200 im Jahr 1998 auf. Nach Hersteller-Angaben aus dem April wurden bislang 343 Maschinen dieses Typs ausgeliefert, 341 waren zuletzt in Benutzung. Die Zahl der bestellten A330-200 gibt Airbus mit 557 an. Wichtige Abnehmer sind AirFrance, KLM und Northwest; Lufthansa besitzt nur Maschinen des etwas größeren Typs A330-300.