Immer mehr Büroprogramme kommen aus dem Internet. Unternehmen mieten sie und sparen dadurch Kosten. Für Privatanwender sind sie sogar ganz umsonst. Cloud Computing ist ein blühendes Geschäft. Doch nicht jeder Nutzer hat Vertrauen in die Datenwolke.
Es ist eine bestechende Idee: Beim Cloud Computing werden die Programme nicht mehr im Rechner selbst, sondern auf Servern im Internet, in einer sogenannten Datenwolke installiert. Der Nutzer greift mit seinem Browser auf die Programme zu und muss die teure Software nicht mehr kaufen. Was gebraucht wird, wird gemietet. Privatnutzer bekommen vieles sogar kostenlos. Himmlische Aussichten also für die Software aus der Datenwolke?
Tatsächlich ist Cloud Computing längst ein milliardenschweres Geschäft. 2008 wurden damit weltweit bereits über 46 Milliarden US-Dollar verdient, schätzt das Marktforschungsunternehmen Gartner. Deutschland habe in Sachen Cloud Computing zwar noch einen Nachholbedarf, sagt der IT-Branchenverband Bitkom. Doch auch hierzulande wachse der Markt. Bereits 2011 sollen die Umsätze 560 Millionen Euro übersteigen.
Das Büro im Netz mit Programmen aus der Datenwolke: Ginge es nach Google, wäre das schon jetzt der Regelfall. Der Internetgigant bietet mit "Google Text & Tabellen"(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) ein komplettes Büroprogrammpaket zur kostenlosen Online-Nutzung an. Alle Dokumente werden auf Googles Servern abgespeichert. Der Zugriff ist mit jedem Rechner möglich.
Auch Microsoft mischt in der Datenwolke mit. Der weltgrößte Softwarekonzern bietet einen Dienst namens Office Live Workspace(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) an. Online Texte schreiben wie bei Google kann man damit allerdings noch nicht. Das soll erst im Frühjahr nächsten Jahres möglich sein. Dann kommt Office 2010 auf den Markt. Eine abgespeckte Version des Programmpakets wird kostenlos im Internet zu nutzen sein.
Bis es soweit ist, müssen sich Microsoft-Kunden mit der aktuellen Version des Dienstes begnügen. Wer den Dienst nutzen will, muss Office installiert haben. Dann werden alle Dokumente auf Wunsch nicht mehr auf dem eigenen Rechner, sondern gleich in der Redmonder Datenwolke, also auf Microsoft-Servern abgelegt.
Es muss nicht immer Google oder Microsoft sein. Auch andere Firmen bieten akzeptable Büroprogramme via Datenwolke an, so etwa das US-Unternehmen Zoho.(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) Bereits im August letzten Jahres meldete Zoho eine Million Nutzer, darunter nicht nur Privatanwender, sondern auch viele Firmen und Vereine.
Wer sein Büro ins Netz verlegt, gibt seine Daten außer Haus. Privatanwendern sollte das nicht schwer fallen, könnte man denken. Sind sie es doch gewohnt, ihre E-Mails bei Anbietern wie Google und Yahoo online zu verwalten oder private Fotos auf Plattformen wie flickr zu speichern. Eine Studie aus den USA zeigt jedoch ein anderes Bild. Danach wollen zwei Drittel aller US-Internetnutzer nicht, dass ihre persönlichen Dokumente auf Servern irgendwo im Netz gespeichert werden.
Was für private Nutzer gilt, trifft auch auf Unternehmen zu. Sie müssen geschäftskritische Daten einem Cloud-Computing-Anbieter anvertrauen, von dem sie manchmal nicht einmal wissen, in welchem Land die Daten letztlich abgespeichert werden. Datenschützer stehen schon Gewehr bei Fuß. Denn laut Bundesdatenschutzgesetz dürfen personenbezogene Daten etwa von Mitarbeitern oder Kunden nicht ohne weiteres in ein Land außerhalb der EU übermittelt werden, wenn dort ein geringerer Datenschutz als in Deutschland gilt.
Das Büro im Netz - nur ein vorübergehender Hype oder doch ein Modell für die Zukunft? Folgt man einer Umfrage der Microsoft-Tochter Avanade, dann liegt die Zukunft irgendwo in der Mitte zwischen Software, die im Rechner installiert wird, und Büroprogrammen aus dem Netz.
Cloud Computing habe sicher eine große Zukunft, sagt Tyson Hartman von Avanade. Doch die Anwender würden sich auch künftig überlegen, "was sie auslagern möchten, und was nicht". Es gebe schließlich immer Daten, die so sensibel sind, dass man sie lieber nur dem eigenen Rechner anvertraut, als sie per Cloud Computing auf fremden Servern abzuspeichern.