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12. März 2010
 

heute-Nachrichten

 
Entsetzen in Fort Hood. Quelle: ap
Entsetzen in Fort Hood

"Er war ein Einzelgänger"

Suche nach Motiven nach Amoklauf in Fort Hood

Warum erschoss Nidal Malik Hasan 13 Menschen? War es Angst vor dem Auslandseinsatz, Hass aufs Militär, Lebensfrust oder religiöse Verblendung? Nach dem Amoklauf in Fort Hood wird nach den Motiven des Militärpsychiaters gesucht.

 
 
 

Der 39-jährige Amokläufer Nidal Malik Hasan war am Freitag nach Armeeangaben nicht vernehmungsfähig, befand sich jedoch in einem "stabilen Zustand". Er war bei seiner Tat selbst angeschossen worden und lag im Krankenhaus. Hasan hatte am Donnerstag auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas um sich geschossen und 13 Menschen getötet. 28 weitere wurden verwundet.

Ein religiöses Motiv war nicht auszuschließen: Der Kommandeur des Lagers Ford Hood, General Robert Cone, sagte, Zeugen zufolge habe Hasan bei der Bluttat "Allahu akbar" gerufen - arabisch für "Gott ist größer". Es sei aber noch zu früh, um das Motiv beurteilen zu können.

 

"Er muss durchgedreht sein"

Nichts hatte auf das Blutbad hingedeutet, als der Mann aus Virginia am Donnerstag um die Mittagszeit aus zwei Pistolen plötzlich das Feuer eröffnet. Der Kugelhagel trifft Soldaten in einem Gebäude, in dem vor Auslandseinsätzen ihre Gesundheit überprüft wird. Menschen werfen sich auf den Boden, Panik bricht aus. Als nach wenigen Minuten alles vorbei ist, heulen Sirenen, Soldaten zerreißen ihre Uniformen, um den Stoff als Verbandsmaterial zu nutzen und die Opfer zu versorgen.

 

Nach Cones Angaben eröffnete Hasan in einem Gebäude das Feuer, in dem Soldaten vor ihrer Entsendung ins Ausland medizinisch untersucht werden. Nur knapp konnten Soldaten verhindern, dass der 39-Jährige in eine Graduiertenfeier mit rund 600 Teilnehmern stürmte.

 

"Er muss durchgedreht sein", sagte Hasans Tante Noel der "Washington Post". Die posttraumatischen Erkrankungen seiner Patienten, die er während seiner achtjährigen Tätigkeit in einem Militärkrankenhaus in Washington behandelt habe, hätten den Psychiater sehr mitgenommen.

 
US-Armee: 13 Tote bei Amoklauf

Fühlte er sich diskriminiert?

Noch in diesem Monat sollte er nach Afghanistan geschickt werden - in ersten Meldungen war noch von Irak die Rede gewesen. Er war Mitglied einer Reserveeinheit, die Soldaten mit psychischen Störungen betreut. "Er schämte sich dafür, entsendet zu werden", sagte sein Cousin Nadal der "New York Times". Zudem fühlte sich der Muslim demnach seit den Anschlägen vom 11. September 2001 von Kollegen diskriminiert. Hasan habe mehrfach versucht, den Militärdienst zu quittieren.

 

Hasan soll schon seit langem eine Entsendung in ein Krisengebiet wie Irak oder Afghanistan gefürchtet haben. "Er sagte, wir sollten dort nicht sein", sagte ein Kollege dem US-Sender FoxNews.

 

Ein Einzelgänger

Erst nach und nach kommen Details aus dem Leben Nidal Malik Hasan ans Licht. Ein langjähriger Mitarbeiter sagte der "Washington Post", er habe als Einzelgänger mit "ungewöhnlichem" Auftreten gegolten. Viele Kollegen hätten deshalb vermieden, ihm Patienten zu schicken.

 

Auch Verwandte und Bekannten sagen, er sei ein Einzelgänger gewesen, hatte auch keine Freundin. "Er hat nie schnell Freundschaften geschlossen", berichtet seine Tante. In der Moschee in Silver Spring habe er nach einer Partnerin Ausschau gehalten, sagte der frühere Imam Faizul Kahn. "Er hatte aber zu viele Bedingungen. Er wollte eine Frau, die sehr religiös ist und fünfmal am Tag betet."

 

Entsetzen in den USA

Laut "Washington Post" wurde er in Arlington bei Washington geboren. Andere Medien sprechen von Jordanien beziehungsweise Ost-Jerusalem. Seine Ausbildung habe er mit Hilfe der Armee erhalten, dann habe Hasan sechs Jahre als Militär-Psychiater im angesehenen Walter-Reed-Armee-Hospital in Virginia vor den Toren der US-Hauptstadt verbracht, wo er Kriegsheimkehrer behandelte, die nach dem Einsatz an post-traumatischem Schock litten.

 

Der blutigste derartige Amoklauf, der sich je auf einem US-Stützpunkt ereignete, löste im ganzen Land Entsetzen aus. US-Präsident Barack Obama sprach von einem "schrecklichen Gewaltausbruch" und drückte den Angehörigen sein Beileid aus. Er ordnete an, dass am Weißen Haus und allen Bundesgebäuden die Flaggen auf Halbmast gesetzt werden.