Immer stärker bestimmt das Internet den Arbeitsalltag der Deutschen. Was bedeutet das für Firmen, Kunden, Angestellte? Was ändert sich durch den Siegeszug von Facebook, Twitter & Co? Auf der "Internet World" in München wurden Auswirkungen diskutiert
Die Münchner "Internet World" boomt: Die High-Tech-Messe war bereits eine Woche vor dem Start bereits ausgebucht. Die Internet World richtet sich an Profis im Internet-Business. Über 170 Aussteller, Sponsoren und Partner präsentieren Produkte, Lösungen und Dienstleistungen. In den Vorträgen wird ein breites Spektrum behandelt, das von "PR-Krisenmanagement im Internet" bis zu "Die Marke im Internet 2020" reicht. Hier die drei wichtigsten Trends, die auf dem Kongress besprochen wurden:
Wenn Firmen sich Social Media öffnen, sollten sie offen für Kritik und bereit für Veränderung sein. Für Mitarbeiter kann das Karrierechance und Motivationsschub bedeuten: Sie können sich vom austauschbaren Mitarbeiter zu relevanten Firmenbotschaftern wandeln. Das könnte beispielsweise so funktionieren: Durch Nachrichten über Wikis, Facebook oder Twitter berichten die Mitarbeiter direkt aus ihrem Berufsalltag und können so auf Produkte und Leistungen ihres Unternehmens hinweisen.
"Gerade in Zeiten bröckelnden Vertrauens in die Wirtschaft kann die offene Kommunikation der Mitarbeiter Terrain für die Unternehmen wettmachen", erläutert Social-Media-Experte Benedikt Köhler von Ethority. "Voraussetzung sind gute Schulungen für Mitarbeiter und professionelle Unterstützung für den Fall, wenn einmal etwas schiefläuft."
Ein weiterer Aspekt stärkt laut Köhler vor allem die Mitarbeiter: "Eine ganz große Zukunft haben Social Media für das Personalwesen: Nichts ist wirksamere Werbung für einen Arbeitgeber als ehrliche Empfehlungen von Mitarbeitern und Azubis." An die Idee, dass Mitarbeiter ihren Firmen öffentlich ein Zeugnis ausstellen können, daran müssen sich Firmenchefs wohl erst gewöhnen.
Gewöhnungsbedürftig sind auch die Thesen von Gerd Leonhard. Der Schweizer Autor und "Medienfuturist" findet es eine schlechte Idee, wenn Firmen versuchen, die komplette Kontrolle über ihre Produkte zu behalten.

Leonhard, der jahrelang als Musiker arbeitet, zog als Beispiel die Musikindustrie heran: "Sie versuchten, die Zukunft zu verhindern, statt sie zu formen. In einer vernetzten Gesellschaft ist der Zwang, für alle Leistungen zu zahlen so sinnvoll wie der Zwang, jemand zu lieben - es funktioniert einfach nicht. Der besserer Weg ist es, Käufer zu umwerben und zu halten. Nur so entwickelt sich das Vertrauen in die Marke". Dabei ist das Wissen über die Vorlieben der Käufer entscheidend, denn "Daten sind das neue Öl". So lassen sich Kunden direkter und persönlicher ansprechen.
So kontrovers diskutiert wird, in einem sind sich die Referenten einig: Social Media haben den Kunden in eine neue Machtposition versetzt. Die Wirtschaft muss reagieren, wenn sie nicht die Kontrolle verlieren will. Das Nachhaltigkeits-Portal "Utopia.de" beispielsweise hat bespielsweise ein Frühwarnsystem für Firmen entwickelt, deren Produkte in der öffentlichen Meinung in PR-Schieflage geraten.
Noch einmal Benedikt Köhler von Ethority: "Social Media kann für Unternehmen vieles sein: Eine gewaltige Marktforschungscommunity, die 24 Stunden am Tag über Produkte und Marken spricht, ein Frühwarnsystem für Produktionsfehler und Kommunikationskrisen oder eine unerschöpflicher Innovationsquelle. Vor allem aber die Möglichkeit, mit den Kunden in ein direktes Gespräch zu kommen. Das ist für viele eine kleine Revolution."