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23. Februar 2012
 

heute-Nachrichten

 
Bild zeigt Berliner Piratenfraktion.
Berliner Piraten

Politikexperte: "Piraten
sind langlebig"

Warum sechs Prozent
"orange" wählen würden

Sechs Prozent im aktuellen ZDF-Politbarometer - die Piratenpartei ist keine Eintagsfliege, sagt Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte. Im heute.de-Gespräch attestiert er der neuen Partei Langlebigkeit. Und eine gute Show.

 
 
 

heute.de: Sechs Prozent der Deutschen würden am Sonntag die Piratenpartei wählen. Warum?

Karl-Rudolf Korte: Mit der Wahl der Piraten kann man ein wenig Protest ausdrücken. Darin zeigt sich die Krise der sogenannten bürgerlichen Politik.

heute.de: Die Menschen glauben, dass etablierte Parteien Entscheidungen in Hinterzimmern auskungeln?

 

Korte: Das ist ein Defizit bei anderen Parteien. Den Piraten geht es auch um Politikmanagement. Eine digitale soziale Bewegung geht nicht mit einem bürgerlichen Habitus an Politik heran. Den Piraten gelingt es, einen gesellschaftlichen Grundkonflikt zu besetzen, nämlich den zwischen Freiheit und Sicherheit.

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Bild zeigt den Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte. Quelle: imago
imago

Zur Person

Karl-Rudolf Korte ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg Essen. Er forscht vor allem zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland und modernen Staatstheorien. Außerdem ist er Direktor der "NRW School auf Governance".

heute.de: Heißt das, die Partei punktet inhaltlich, wenn sie den bayerischen Innenminister wegen der Nutzung einer Überwachungs-Software anzeigt?

 

Korte: Ja, netzpolitische Themen werden wichtiger für viele Menschen. Und dazu kommt ein egalitärer Liberalismus, zum Beispiel die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Auch das ist Kritik an bürgerlicher Politik: Stärker auf Gleichheit zu setzen, als das bisher der Fall war.

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heute.de: Und obendrauf tragen Abgeordnete der Berliner Piratenfraktion im Plenarsaal eine Krawatte ums Handgelenk. Muss man unkonventionell sein, um gewählt zu werden?

 

Korte: Nein. Das hat auch bei den Grünen nicht ausgereicht. Man muss es neuen Parteien aber zugestehen, dass sie in der Arena Aufmerksamkeit erregen wollen. Das kommt ja auch an. Es ist Ihnen ja auch in Erinnerung geblieben.

 
Bild zeigt das Handgelenk des Berliner Piratenpolitikers Christopher Lauer. Quelle: D. Rzepka
D. Rzepka
Pirat Lauer trägt Krawatte ums Handgelenk
 

heute.de: Die Show stimmt also schon mal?

 

Korte: Im Moment ja! Aber dann muss man eben nachlegen. Darstellungspolitik und Entscheidungspolitik müssen übereinstimmen. Wenn das auseinanderklafft, werden das Wähler auch sofort entlarven.

 

heute.de: Haben die Piraten das Potential, 2013 in den Bundestag einzuziehen und die nächste Regierungsbildung zu beeinflussen?

Korte: Das glaube ich. Wenn wir davon ausgehen, dass die Krise der bürgerlichen Politik ebenso wie die Krise der Repräsentation anhalten wird, dann fühlen sich viele in der Mitte nicht mehr ausreichend repräsentiert. Und dann sind die Piraten offenbar eine attraktive Alternative. Perspektivisch geht es immer weniger um Besitz, sondern um Zugang. Zugänge sind vielleicht die große Ressource der Zukunft - weniger der Besitz.

 

heute.de: Zugang zu politischen Entscheidungen?

 

Korte: Zugang zu Kommunikation. Oder zu Beziehungen. Im Moment erleben wir, dass unser Besitz, unser Geld, immer weniger wert wird. Dann bekommt Zugang hohe Relevanz. Also, ich bin relativ sicher, dass die Piraten langlebig sind. Sie werden mit Höhen und Tiefen konfrontiert werden. Aber da ist mehr dahinter, weil die digitale Welt nicht verschwinden wird.

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Tipp

Mehr zum Thema sehen Sie am Sonntag ab 19.10 Uhr im ZDF. Berlin direkt fragt: Piraten - wie lange trägt der Erfolg?

 
 
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