Hauptnavigation:

Sie sind hier:

09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Frau küsst liebevoll ihr wenige Tage altes Baby. Quelle: dpa

Ministerin: Konzept für Betreuungsgeld "noch nicht rund"

Streit in der katholischen Kirche

Das Betreuungsgeld soll kommen, so steht es im Koalitionsvertrag. Doch was eigentlich genau? Als "noch nicht rund" bezeichnete Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU) die Pläne. Denn eigentlich sei für manche Kinder die Kita sehr wichtig.

 
 
 

Die neue Leistung dürfe nicht dazu führen, "dass solche Kinder von Bildungschancen ausgesperrt werden, die am meisten durch Kitas und Tagesmütter profitieren", sagte die CDU-Politikerin dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Manche Kinder seien dringend auf die Gemeinschaft in der Kita angewiesen, um mit Gleichaltrigen die Welt zu entdecken und unkompliziert die Sprache zu lernen.

Union und FDP haben im Koalitionsvertrag festgelegt, dass Eltern, die ihre Kleinkinder nicht in eine Kindertagesstätte schicken, von 2013 an ein Betreuungsgeld in Höhe von 150 Euro pro Monat erhalten sollen. Damit hat sich die CSU durchgesetzt. Das Geld soll in der Regel bar ausgezahlt werden, an arme Familien eventuell auch in Form von Gutscheinen, damit die Leistung tatsächlich auch bei den Kindern ankommt. Doch den Einsatz von Gutscheinen sieht von der Leyen kritisch: "Ich möchte jedenfalls nicht erleben, dass Erziehungskontrollen stattfinden, deren Ergebnis dann darüber entscheidet, wer einen Gutschein bekommt und wer Geld."

 

Streit in der katholischen Kirche

Auch kirchliche Verbände streiten um das Betreuungsgeld. Der Vorsitzende des Familienbundes der Katholiken in Bayern, Johannes Schroeter, forderte am Samstag die Umsetzung der Koalitionspläne. "Zwei Drittel der Wähler dieses Landes halten das Betreuungsgeld für eine gute Sache", sagte er der in Würzburg erscheinenden "Tagespost". Am Donnerstag hatte der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) das Vorhaben der Bundesregierung strikt abgelehnt. Der Staat solle stattdessen mehr für Betreuungseinrichtungen tun sowie Erzieher und Erzieherinnen qualifizieren.

 

Schroeter sagte, nur weil ein "Bruchteil der angedachten Empfängergruppe" die Maßnahme vielleicht falsch anwende, dürfe man das Betreuungsgeld nicht kippen. Dem Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), warf er vor, mit "geringschätzigen Bemerkungen über die Armen und Schwachen dieser Gesellschaft Dämme gebrochen" zu haben. Der bundesweit bekannte Kommunalpolitiker hatte gewarnt, in bestimmten Schichten wandere die Zahlung in Statussymbole, Konsumverhalten und Alkohol. Buschkowsky habe damit vielleicht als erster gezeigt, "dass es möglich ist, öffentlich geringschätzig über Menschen zu sprechen, die eigentlich unserer Hilfe bedürften", meinte Schroeter.