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21. März 2010
 

heute-Nachrichten

 
CallofDuty Flughafen Massaker. Quelle: infinityward.com

Dumm und geschmacklos

Action-Shooter zeigt Gemetzel an Flughafen

von Georg H. Przikling

Wenn ein Computerspiel vorab für Wirbel sorgt, dann muss es besonders gut sein. Oder brutal. Bei "Call of Duty: Modern Warfare 2" trifft letzteres zu. Das dort gezeigte Massaker ist Wasser auf die Mühlen der Ballerspiel-Gegner.

 
 
 

Der Fahrstuhl öffnet sich. Heraus tritt eine Gruppe von Männern, bis an die Zähne bewaffnet. Erst jetzt wird klar, wo man sich befindet: Es ist ein ziviler Flughafen, irgendwo in Russland. Menschen warten vor der Absperrung auf Freunde und Familienangehörige, die gleich den Sicherheitsbereich passieren werden.

Sinnloses Gemetzel

Doch so weit kommt es nicht mehr. Eine Salve aus einer Maschinenpistole streckt die Wartenden nieder. Was folgt, lässt einen tief Luft holen: Während wimmernde und schreiende Verletzte rennend oder auf allen Vieren kriechend versuchen, in Deckung zu gehen, kämmen die Attentäter systematisch den ganzen Flughafen durch.

 

Dabei schießen sie auf alles, was sich (noch) bewegt. Ob Sicherheitspersonal oder Zivilisten, keiner wird verschont. Am Ende ist der Boden des gesamten Flughafens sprichwörtlich mit Leichen gepflastert und die Attentäter suchen das Weite.

 

Auch Spieler stören sich

Die beklemmende Szene ist Teil des Ego-Shooters "Call of Duty: Modern Warfare 2", der von heute an im Handel zu haben ist - ab 18 Jahren, versteht sich. Darin schlüpft der Spieler unter anderem in die Rolle eines Undercover-Agenten, der sich in eine russische Terror-Organisation einschleust. Einer der Einsätze führt ihn an den besagten Flughafen, wo das Massaker seinen Lauf nimmt.

 

Die Brutalität der Szene ist selbst für kampferprobte Computerspieler zu viel. Vorab im Internet gezeigte Videos des Flughafen-Massakers wurden von zahlreichen Spielern denn auch kritisch kommentiert. Die Palette reicht dabei von "so was muss absolut nicht sein" bis zu "...das ist wirklich eine kranke Sch....".

 

Auf Polizisten darf geschossen werden

Merkwürdig nur: Nach Aussage des Entwicklerstudios "Infinity Ward", das den Titel für Publisher Activision Blizzard programmierte, ist die Flughafen-Szene eigentlich gar nicht spielentscheidend. Wer moralische Bedenken hat, könne sie einfach überspringen. Das nährt den Verdacht, dass es sich um einen geschmacklosen PR-Gag handelt, mit dem man bloß mehr Aufmerksamkeit für das Produkt bekommen will.

 

Infobox

Keine Empathie


Ein Kriterium bei der Beurteilung von Gewalt in Computerspielen ist der Faktor "Empathie". Darunter versteht man das Einfühlungsvermögen des Spielers, also seine Fähigkeit, sich in die Haut eines anderen zu versetzen.

Genau das fehlt in der Flughafen-Szene. Besser wäre es daher gewesen, das Geschehen aus Sicht der Opfer darzustellen. Stattdessen läuft alles in der Ich-Perspektive ab, als Undercover-Agent ist der Spieler gezwungen, mitzumachen oder zumindest passiv zuzuschauen, wie Unschuldige getötet werden.


Und es geht noch merkwürdiger: Für Spieler der lokalisierten deutschen Ausgabe gibt's nämlich noch eine Einschränkung, die von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) beschlossen wurde, die hierzulande die Altersfreigabe regelt. Anders als in der internationalen Version bricht das Spiel bei ihnen ab, sobald sie als Undercover-Agent am Flughafen selber auf Zivilisten ballern. Polizisten und andere bewaffnete Sicherheitskräfte dürfen dagegen getötet werden.

 

Das Ende der Spielkultur?

Derartiger Zynismus stößt auch professionellen Spieletestern übel auf. Die Chefredakteure der Zeitschriften "GameStar" und "GamePro" beispielsweise haben im Internet einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie die übertriebene Gewalt der Szene anprangern. Den Entwicklern von Infinity Ward, so schreiben sie, "fehle offenbar jedes Feingefühl." Mit dem Massaker-Level liefern sie letzten Endes nur den "Killerspiel"-Gegnern neue Argumente, und zwar "frei Haus und mit Geschenkband".

 

Ähnlich sieht es auch Florian Rehbein. Der Diplom-Psychologe beschäftigt sich am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) mit den Auswirkungen von Gewalt in Computerspielen. Er wundert sich darüber, dass ausgerechnet die kommerziell sehr erfolgreiche "Call of Duty"-Reihe zu derartigen Mitteln greift. Sollte es sich bei der Flughafen-Szene wirklich um bloße Werbung handeln, so der Computerspiel-Forscher gegenüber heute.de, dann "...hat sich der Hersteller damit möglicherweise selber ein Bein gestellt". Denn es ist gut möglich, dass zumindest ein Teil der Spielerschaft den Titel wegen der völlig unnötigen Szene boykottiert.

 
 
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