Opel soll eigenständiger werden - das zumindest versprach GM-Chef Fritz Henderson gegenüber dem Betriebsrat des Autobauers. Derweil soll GM-Manager Nick Reilly vorübergehend neuer Opel-Chef werden. Er gilt als harter Sanierer.

Der 59 Jahre alte Brite Reilly soll das GM-Europageschäft nur vorübergehend leiten, bis eine langfristige Lösung gefunden wird, teilte GM am Dienstag in Detroit mit. Gleichzeitig habe die externe Suche nach einem neuen Opel-Chef begonnen.
GM will berichten zufolge ein europäisches Führungsteam einsetzen, an dessen Spitze nach Möglichkeit ein Deutscher stehen soll. Reilly ist bei GM für das internationale Geschäft verantwortlich. Er gilt als harter Sanierer, die Gewerkschaften sind auf ihn schlecht zu sprechen.
GM-Chef Henderson erklärte zuvor nach Angaben des Betriebsrates, dass Opel in Europa wieder zu alter Stärke geführt werden solle, mit einem hohen Maß an Unabhängigkeit und Eigenständigkeit innerhalb des GM-Konzerns". Das teilte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nach Gesprächen mit Henderson mit.
Als wichtiges Signal für den größeren Entscheidungsspielraum in Rüsselsheim verlangte Franz erneut die Umwandlung von Opel in eine Aktiengesellschaft: "Damit kann General Motors zeigen, ob die Eigenständigkeit von Opel ernst gemeint ist."
General-Motors-Manager Nick Reilly hat Erfahrung im Aufräumen. Vor knapp zehn Jahren schloss er als Chef der GM-Tochter Vauxhall in Großbritannien das traditionsreiche Werk in Luton und musste sich dafür von den Angestellten als "Judas" beschimpfen lassen. Danach spielte er eine Schlüsselrolle bei der Übernahme des koreanischen Konkurrenten Daewoo durch General Motors und der Sanierung des damals darniederliegenden Unternehmens. Jetzt soll der 59-Jährige Opel wieder auf Kurs bringen.
Er übernimmt übergangsweise die Verantwortung für das Opel/Vauxhall-Geschäft in Europa. Der gebürtige Brite Reilly arbeitet seit mehr als 30 Jahren für General Motors. Er ist nicht nur Chef des Internationalen Geschäfts, sondern als Vizepräsident des Gesamtkonzerns eine der Schlüsselfiguren im neuen Untenehmen. Dennoch ist er alles andere als ein typischer US-Manager.
Der 59-jährige studierte in Cambridge. Seine Karriere begann er als Finanzanalyst. Doch dann warf er den Job hin. "Ich hatte das Gefühl, nur Geld aus der einen Tasche zu nehmen und es in eine andere zu stecken. Es schien nicht viel Nutzen zu haben", begründete er später in einem Interview seinen Ausstieg. Er habe damals neu darüber nachgedacht, was wichtig im Leben sei. Danach startete er seine Karriere bei General Motors. Für den Konzern arbeitete er in Großbritannien, in Belgien, natürlich in den USA, in Mexiko und schließlich in Korea. Auch in der Europazentrale in Zürich sammelte er bereits Erfahrung - unter anderem als Mitglied des Europäischen Strategiegremiums.
Die Arbeitnehmervertretung erwarte nun einen umfassenden Unternehmensplan für Opel bis 2014 mit einem soliden Finanzierungskonzept. "Wir selbst haben in den vergangenen eineinhalb Jahren mit unseren Beratern einen solchen Plan erarbeitet. Wir wissen, wo die wichtigen Stellschrauben für eine erfolgreiche Zukunft von Opel sind", sagte Franz. Die Arbeitnehmervertreter würden den GM-Plan an diesen Vorgaben messen und dann entscheiden, ob die Belegschaft in weitere Verhandlungen einsteigt.
Der Betriebsrat hatte sich mit dem Anfang November überraschend abgewiesenen Investor Magna unter anderem auf einen Lohn- und Gehaltsverzicht der Belegschaft von 265 Millionen Euro geeinigt. Im Gegenzug sollten die Arbeitnehmer zehn Prozent an Opel halten und weitergehende Mitbestimmungsrechte bekommen. Magna hatte auch zugesagt, alle deutschen Werke zu erhalten.
Wie derweil das "Handelsblatt" berichtet, hatte sich der Betriebsrat mit Blick auf die Kehrtwende von GM beim Opel-Verkauf EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gewandt. Er verlange ein Eingreifen der Behörde, meldet die Zeitung. Unter den Umständen der neuen Situation müsse alles getan werden, um zu verhindern, dass Mitgliedsländer Staatshilfen anböten, um Arbeitsplätze in ihren Ländern zu sichern, appellierte Franz dem Bericht zufolge an Kroes.
Hintergrund: Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte mehrfach betont, dass mögliche Staatshilfen für Opel nicht im Gegenzug an Zusagen über einen Arbeitsplatzerhalt geknüpft werden dürften. Ohne öffentliche Hilfen dürfte es GM allerdings äußerst schwer fallen, die harte Restrukturierung bei Opel zu stemmen, schreibt das Blatt.
Die russische Sberbank behält sich nach dem Platzen des Opel-Kaufs rechtliche Schritte gegen General Motors vor. Das Geldhaus wollte Opel gemeinsam mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna übernehmen. "Sollte es notwendig sein, sind wir vorbereitet, unsere Position vor Gericht zu verteidigen", sagte Sberbank-Chef German Gref am Dienstag. Derzeit prüften Anwälte die juristischen Möglichkeiten. Noch gebe es aber auch viele Optionen, den Gang vor die Gerichte zu vermeiden.
Der GM-Verwaltungsrat hatte den Opel-Verkaufsprozess nach monatelangen Gesprächen beendet. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte den USA daraufhin einen "höhnischen" Umgang mit ihren europäischen Partner vorgeworfen. Ein Ausbau des Geschäfts in Russland gemeinsam mit dortigen Autokonzernen war ein wichtiger Teil des Magna-Plans für Opel.