Die wirtschaftlichen Probleme in der Eurozone könnten soziale Unruhen auslösen: Davor warnt die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) laut einem Pressebericht. Deutschland spiele aber eine Sonderrolle.
"Die nächsten Monate werden entscheidend dafür sein, einen dramatischen Rückgang der Beschäftigung und eine weitere deutliche Verschärfung sozialer Unruhe zu vermeiden", schreibt die Organisation nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Focus" in ihrer jährlichen Arbeitsmarktanalyse.
Das Risiko dafür habe vor allem in den entwickelten westlichen Volkswirtschaften zugenommen. Ohne Gegenmaßnahmen droht nach Einschätzung der ILO eine Rezession, die ein Jahrzehnt anhalten könnte. Jedoch hätten viele Regierungen kaum Handlungsspielraum, da sie unter dem Druck zum Sparen stünden.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) wurde 1919 durch den Versailler Vertrag gegründet, in enger Verbindung zum damaligen Völkerbund. Seit 1946 ist die ILO eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie hat ihren Hauptsitz in Genf. In den Organen sitzen Abgeordnete von Regierungen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Den Schwerpunkt ihrer Arbeit sieht die ILO in der Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialnormen - vor allem Kernarbeitsnormen. Diese umfassen die soziale und faire Gestaltung der Globalisierung sowie die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit als eine der zentralen Voraussetzungen für die Armutsbekämpfung.
Die alarmierendsten Zeichen wirtschaftlicher Abschwächung sieht die UN-Organisation laut "Focus" in den Euro-Ländern. Das Risiko sozialer Unruhen bestehe vor allem in Griechenland, Portugal, Spanien, Estland, Frankreich, Slowenien und Irland. 60 Prozent der Griechen und Portugiesen gäben an, ihr Lebensstandard sei gesunken. In Spanien und Slowenien liege dieser Wert nahe 50 Prozent.
Deutschland wird in dem Bericht eine Sonderrolle zugebilligt: Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei noch groß. Nunmehr seien Lohnerhöhungen angeraten, um den Konsum zu stärken.