Wirbel um den H1N1-Schutz: Für Bundesregierung und Bundeswehr ist ein anderer Impfstoff bestellt worden als für die normale Bevölkerung. Ist dieser besser? Ja - meint zumindest ein Virologe. Besonders schwierig ist die Lage für Schwangere.
In zwei Wochen soll der erste Impfstoff in Deutschland verteilt werden. 50 Millionen Impfstoffdosen wurden dafür beim Pharmahersteller GlaxoSmithKline vom Impfstoff Pandemrix bestellt. Bestellt haben den Impfstoff die Bundesländer, denn solche Dinge sind Ländersache. Anders hat sich dagegen die Bundeswehr entschieden - und auch die Bundesregierung, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums gegenüber heute.de bestätigte. Für Soldaten und die Beamten in den Krisenstäben wurde der Impfstoff Celvapan von Baxter bestellt. "Der Unterschied zwischen den Impfstoffen liegt in anderen Konzepten der Impfstoffhersteller, aber ansonsten nehmen die sich nicht viel", sagt Brigitte Morgenroth vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut.
Das sehen Kritiker wie Alexander Kekulé, Chef der Medizinischen Mikrobiologie in Halle, anders. Seiner Ansicht nach ist Celvapan besser verträglich - insbesondere für Schwangere.
Der Unterschied liegt im Detail: Celvapan ist das, was man einen Ganz-Virus-Impfstoff nennt. Pandemrix ist ein so genannter Spaltimpstoff. Wie die Namen schon vermuten lassen, stecken in Celvapan mehr Antigene. Solche Impfstoffe haben aber in der Vergangenheit auch manchmal zu höheren Reaktionen geführt. Deshalb wurden die Spaltimpfstoffe entwickelt, die nur noch Bruchstücke des Virus in sich haben, dadurch verträglicher sind, aber auch an Wirkung verlieren können.
Um dem entgegenwirken zu können, hat man in diese Impfstoffe Zusatzstoffe gegeben - so genannte Adjuvantien. Diese sind nun zum Knackpunkt bei der Diskussion geworden. Denn an sich sind sie dafür da, dem Immunsystem zu helfen, besser gegen die Viren vorzugehen, doch das kann Nebenwirkungen haben - vor allem bei Schwangeren.
So scheuen sich auch alle Seiten, tatsächlich einen Rat für Schwangere zu geben. Zum einen können sie, wie man aus anderen Ländern mit Schweinegrippe weiß, besonders unter einem schweren Verlauf der Krankheit leiden. Zum anderen sind die Impfstoffe aber bisher aus ethischen Gründen nie bei Schwangeren erprobt worden, außer in den USA. Und die setzen auf einen anderen Impfstoff. Hier gibt es die scheinbar perfekte Kombination: ein Spaltimpfstoff, aber ohne Adjuvantien.
In der Europäischen Union werden voraussichtlich doppelt so viele Impfdosen gegen die Schweinegrippe zur Verfügung stehen wie bisher angenommen. Wie die EU-Kommission am Montag in Luxemburg mitteilte, prüft die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) kommende Woche eine Anfrage von Impfstoffherstellern, nur eine Dosis zur Impfung jedes Bürgers einzusetzen. Bisher wurde von zwei Dosen ausgegangen.
Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums bestätigte nun, dass Deutschland mit dem Pharmahersteller SanofiPasteur Gespräche über einen solchen Impfstoff für deutsche Schwangere führt. Sollte man sich tatsächlich entschließen, diesen Impfstoff für Schwangere zu kaufen, dann kann das aber noch dauern. Denn in Europa ist ein solcher Impfstoff bisher nicht zugelassen. "Aber wir wollen auch gleichzeitig sagen, dass die anderen Impfstoffe bei Schwangeren eingesetzt werden können", heißt es aus dem Gesundheitsministerium.
Das Dilemma ist offensichtlich: Die Forscher wissen nicht, ob und welcher Impfstoff für Schwangere besser ist. Sie wissen nur, dass Schwangere von H1N1 besonders betroffen zu sein scheinen. Laut sagen möchte das aber keiner, vor allem weil es um diese sensible Risikogruppe geht. Schließlich muss jede Frau in Beratung mit ihrem Arzt eine Nutzen-Risiko-Abwägung machen. Eine hundertprozentige Empfehlung gibt es derzeit nicht.