Es ist ein ungewöhnliches Bündnis: Die Umweltstiftung WWF und die Allianz haben zusammen eine Klimastudie erarbeitet. Dabei kommen sie zu beunruhigenden Ergebnissen - für die Umwelt und für die Wirtschaft. Katastrophale Entwicklungen drohen vor 2050.
Es waren schreckliche Bilder: Im Sommer 2005 überflutete der Hurrikan Katrina New Orleans. Mehr als 1.800 Menschen kamen ums Leben. Etwa 1,3 Millionen Bewohner der US-Golfküste verloren ihre Existenz. Nach den Ergebnissen einer Studie der Allianz und des WWF könnte ein ähnliches Schicksal in Zukunft viele Städte ereilen. Denn das Klima wandelt sich immer schneller.
Das Abschmelzen der Polkappen könnte bereits vor 2050 den Meeresspiegel um einen halben Meter ansteigen lassen. Das hätte nicht nur Folgen für die Umwelt. Auch wirtschaftliche Schäden drohen: In den weltweit 136 Küstenstädten mit mehr als einer Million Einwohnern könnten Überflutungen Häuser, Fabriken und Vermögenswerte im Wert von insgesamt 28 Billionen Dollar auslöschen. Im Großraum New York würde ein Hurrikan im Jahr 2050 Schäden von fünf Billionen US-Dollar anrichten.
Umweltorganisationen und Wirtschaftsunternehmen arbeiten eher selten direkt zusammen. Zwar haben Unternehmen Interesse an einem grünen Image, doch die Umweltorganisationen halten Abstand. Die Umweltstiftung WWF ist hier einen anderen Weg gegangen. Sie erforscht gemeinsam mit der Allianz den Klimawandel.
Der WWF erhofft sich davon auch ganz konkreten Nutzen: "Ob der Kohlendioxid-Ausstoß weiter ansteigt oder vielleicht doch gesenkt werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Energie- und Infrastrukturprojekte zu welchen Konditionen Investitionen, Kredite und Versicherung bekommen", sagte Paul Steele, Chief Operating Officer des WWF, zu Beginn der Kooperation.
Und das ist nicht alles: Die Studie benennt verschiedene "Kipp-Punkte". Sie können früher als andere Klimafolgen eintreten und sind außerdem häufig nicht mehr rückgängig zu machen. Zu den Kipp-Punkten zählen: die Eisschmelze an den Polen, die Trockenheit in Kalifornien, die Veränderungen des Sommermonsuns in Indien und das Waldsterben am Amazonas. In allen Bereichen drohen schwere Auswirkungen.
Im Südwesten der USA und in Südeuropa könnte es zum Beispiel zu extremer Trockenheit kommen. Der Studie zufolge wird es ab Mitte des Jahrhunderts dort Dürren geben. Die Schäden durch Waldbrände könnten sich bis 2050 verzehnfachen. Dazu kommen indirekte Schäden, zum Beispiel durch Veränderungen in der Landwirtschaft. Trockenheit droht auch Indien. Veränderungen im Sommermonsun, die Verschiebung von Niederschlagsgebieten und das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya könnten sie auslösen. Die Kosten schätzt die Studie auf 40 Milliarden Dollar pro Jahrzehnt.
Allianz und WWF ziehen aus der Studie ähnliche Schlüsse: handeln so lange es noch geht. "Als Versicherer und Investor müssen wir unsere Kunden auf diese Szenarien vorbereiten, solange noch Handlungsspielräume bestehen", sagt Clemens von Weichs, Vorstandsvorsitzender der Allianz Reinsurance.
Die WWF-Klimaexpertin Regine Günther betont: "Auch die USA müssten im Eigeninteresse ihre Treibhausgas-Emissionen massiv reduzieren." Der Klimagipfel in Kopenhagen müsse ein rechtsverbindliches Abkommen schaffen. Eine gemeinsame weltweite Anstrengung sei für alle ökologisch und wirtschaftlich von Vorteil.