Mobile Kommunikation frisst immer mehr Energie, belastet so die Umwelt und kostet die Firmen viel Geld: Ein Projekt in Dresden zur Senkung des Stromverbrauchs soll das ändern. Hat es Erfolg, dann könnte mobiles Telefonieren billiger werden.
Das Mobilfunknetz in Deutschland am Laufen zu halten, kostet richtig viel Geld: Mittlerweile benötigt es jährlich genauso viel Energie wie alle rund 168.000 Einwohner der Stadt Ludwigshafen. Und das bedeutet hohe Stromkosten. Auch für die Umwelt sind die Folgen gravierend: Wertvolle Energie geht verloren und unnötig viel klimaschädliches CO2 wird freigesetzt. Diesen negativen Trend will das Dresdener Projekt "CoolBaseStations" stoppen.
Es setzt an, wo mobiles Telefonieren seinen Dreh- und Angelpunkt hat: bei den Mobilfunk-Basisstationen, die am meisten Energie verbrauchen. "Sie sind das Ineffizienteste, was es gibt", sagt Projektleiter Ralf Eickhoff von der TU Dresden. Bis 2012 geht es um Grundlagenforschung und die Frage, wie der enorme Energiebedarf vor allem der Leistungsverstärker in den Stationen gesenkt und deren Wirkungsgrad erhöht werden kann.
Es ist ungefähr wie bei der herkömmlichen Glühbirne - zu viel Leistung geht als Abwärme verloren. Und teuer gekühlt werden muss das Ganze auch noch. Hinzu kommen Energie schluckende Sendeeinheiten und Prozessorchips plus Verluste bei der Übertragung. Auch das Kühlen von Batterien, die Stromausfälle auffangen sollen, frisst mächtig Energie.
Ein Ausweg könnten Solarzellen sein, die die Station - im Idealfall - autark mit Strom versorgen. So ist an dem Projekt auch der Solarzellen-Hersteller Roth & Rau beteiligt, ebenso das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) mit Brennstoffzellen zur Stromversorgung. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit immerhin 1,7 Millionen Euro.
Dieses Projekt ist Teil des Forschungs-Clusters "Cool Silicon". Das Ziel: Eine höhere Energieeffizienz in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Mehr als 60 Unternehmen aus der Region Dresden-Chemnitz arbeiten mit Forschern an Technologien, um den Energieverbrauch etwa von Mikrochips in Autos, Flugzeugen und Computern deutlich zu senken. In den kommenden Jahren pumpen der Bund und das Land Sachsen zusammen 100 Millionen Euro in das Forschungsprojekt.
"Die Energiekosten sind ein signifikanter Faktor für die Mobilfunkanbieter", sagt Projektkoordinator Frank Ellinger von der TU Dresden. Sicher mit ein Grund, warum T-Mobile und Vodafone D2 dabei sind. Nicht ganz uneigennützig, aber mit hehren Zielen: "Die Steigerung der Energieeffizienz der Netzinfrastruktur ist ein wichtiger Ansatz in der Klimaschutzstrategie des Konzerns, den eigenen CO2-Ausstoß zu reduzieren", sagt Telekom-Sprecherin Marion Muhr. T-Mobile steuere kein Geld, wohl aber "technisches Know-how" und ein Testnetz bei.
Schnelle Ergebnisse sind zwar nicht zu erwarten. Auch mit Prognosen zur Energieeinsparung ist man an der TU Dresden vorsichtig. Was es dem Handynutzer bringt, ist auch offen - da wollen sich die Beteiligten nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen: "Es könnte aber was an die Kunden weitergegeben werden, je nach Wettbewerb und Renditeerwartungen", meint Professor Ellinger.
Beim Fraunhofer-Institut sieht man das ähnlich: "Neben dem ganz klaren ökologischen Aspekt gibt es hier natürlich auch den ökonomischen", sagt IKTS-Sprecherin Mareike Schneider. "Wenn es gelingt, signifikant reduzierte Energie- und damit Betriebskosten zu erreichen, wäre eine Weitergabe dieser Ersparnis an den Kunden schon wünschenswert".
Die Netzbetreiber lassen diese Frage lieber offen: Derzeit könne man nicht sagen, ob sich eine stromsparendere Technik auf die Kosten des mobilen Telefonierens auswirken werde, schränkt Telekom-Sprecherin Muhr ein. Das Projekt habe "Vorteile für das Unternehmen und eigentlich auch für die Kunden", sagt Vodafone-Sprecher Bernd Hoffmann.
Für Projektleiter Eickhoff ist das ohnehin nur der Anfang: So könnte das Handy profitieren, zum Beispiel bei Lebensdauer und Akku-Laufzeit. "Die Konzepte sind auch auf mobile Endgeräte übertragbar", erklärt er und spricht von einem "sehr interessanten Forschungsprojekt".