Die Weichen für eine Rettung von Karstadt sind gestellt: Die Mitarbeiter wollen sich mit rund 150 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren an der Sanierung der Warenhauskette beteiligen. Darauf haben sich ver.di und der Insolvenzverwalter geeinigt.
Ver.di-Vize-Chefin Margret Mönig-Raane bezifferte den Beitrag der Beschäftigten zur Karstadt-Sanierung auf jährlich rund 50 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren. Die Arbeitnehmer seien bereit, 75 Prozent des Weihnachtsgeldes, des Urlaubsgeldes und der sogenannten tariflichen Vorsorgeleistungen auf ein Treuhandkonto einzuzahlen. Die verhandelten Eckpunkte sollen am Montag der Großen Tarifkommission zur Abstimmung vorgelegt werden.
Mit dem Sanierungsbeitrag von insgesamt 150 Millionen Euro haben die rund 28.000 Mitarbeiter ihren Beitrag geleistet. Dennoch muss der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg auf dem Weg zur Sanierung noch einige Hürden nehmen. Jetzt müssen die anderen Beteiligten wie Vermieter, Dienstleister und Lieferanten folgen und ebenfalls Opfer bringen. Erklärtes Ziel sei es weiterhin, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten, betonte der Warenhaus-Beauftragte von Görg, Rolf Weidmann.
Dabei werden nicht alle der derzeit 126 Karstadt Waren- und Sporthäuser auch eine Zukunft haben. 17 Häuser stehen derzeit noch auf der Streichliste des Insolvenzverwalters, ursprünglich sollten bis zu 19 Häuser schließen. "Das ist eine bittere Pille für die Beschäftigten", sagte Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane. Die Gewerkschaft hofft, dass die Zahl der vor der Schließung stehenden Häuser noch nach unten korrigiert werden kann. Sollte dies nicht gelingen, stünden Jobs in vierstelliger Größenordnung zur Disposition, warnte Mönig-Raane.
Bereits am Dienstag will Insolvenzverwalter Görg den Karstadt- Gläubigern einen Insolvenzplan vorstellen. Bislang sind jedoch Vermieter, Lieferanten und weitere Dienstleister des Warenhausunternehmens noch nicht mit ihren Sanierungsbeiträgen mit im Boot. Die Gespräche darüber würden sich voraussichtlich noch hinziehen, hieß es. Mit einem Sanierungsplan in der Tasche möchte Görg die Suche nach einem Investor vorantreiben.
Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei der Erhalt des Warenhausunternehmens als Ganzes. Dafür soll nun zunächst ein Interessent gefunden werden. Gespräche mit Metro-Chef Eckhard Cordes habe es bislang nicht gegen, sagte Weidmann. Cordes hatte angekündigt, nur bis zu 60 der insgesamt 90 reinen Warenhäuser übernehmen zu wollen.
Während die Bemühungen zur Karstadt-Rettung noch auf Hochtouren laufen, hat der Insolvenzverwalter den Plan zum Erhalt des Arcandor- Versandhändlers Quelle bereits vor mehr als zwei Wochen für gescheitert erklärt. Ein Investor für das Traditionsunternehmen hatte sich nicht gefunden. Rund 2.000 der etwa 6.000 verbliebenen Quelle- Beschäftigten wurden daraufhin bereits zum 31. Oktober freigestellt. Ein Ausverkauf besiegelt derzeit das endgültige Ende des Versandhändlers.