Schwarz-Gelb hat die Bundestagswahl gewonnen. Die SPD ist auf ein historisches Tief gefallen. Die Union erzielte zwar ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 - dank dem großen Sieger FDP kann Kanzlerin Merkel aber weiterregieren.
Bundeskanzlerin Angela Merkel freute sich über den Wahlsieg: "Wir haben was Tolles geschafft: eine stabile Mehrheit in einer neuen Regierung. Ich will die Bundeskanzlerin aller Deutschen sein und alles tun, dass es dem Land besser geht." Merkel betonte, dass die CDU "die große Partei der Mitte" sein wolle.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprach von einem "historischen Tag": "Wir haben das Hauptwahlziel erreicht." Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach von einem klaren Sieg für das "bürgerliche Lager": "Die Bildung einer Regierung mit der FDP war unser Ziel." CDU-Vize-Chef Jürgen Rüttgers sieht in dem Sieg ein "klares Bekenntnis zur Kanzlerin Angela Merkel". Die Union verdankt den Wahlsieg jedoch dem guten Ergebnis der FDP. Nur im Jahr 1949 erhielt die CDU weniger Stimmen als heute.
Bei der SPD herrscht großes Entsetzen: Die Partei ist auf ein historisches Tief gefallen. Noch nie hatten die Sozialdemokraten so wenig Stimmen erhalten. SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier sprach von einer "bitteren Niederlage": "Wir können nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen."
Über die neue schwarz-gelbe Regierung äußerte Steinmeier große Zweifel: "Ich glaube nicht, dass die es können. Wir werden gut darauf achten, welche Politik die machen." Er selbst will die SPD-Fraktion im Bundestag übernehmen: "Ich fliehe nicht aus der Verantwortung, ich werde Oppositionsführer." Die SPD-Anhänger quittierten diese Aussage mit lang anhaltendem Applaus.
SPD-Chef Franz Müntefering gestand die Niederlage der Partei ein. Die SPD werde weiterhin für soziale Politik eintreten: "Dieses Land braucht sozialdemokratisches Denken." Der SPD-Chef kündigte eine "intensive Debatte" über die Zukunft und das Personal an. Zu seiner eigenen Zukunft als Parteichef äußerte sich Müntefering nicht.
Die Vorsitzende der JUSOS, Franziska Drohsel, sprach von einem Glaubwürdigkeitsproblem der SPD: "Wir brauchen einen Erneuerungsprozess." Programmliche Fehler sieht Drohsel nicht, denn die SPD stehe "tatsächlich für das Ende der Schere zwischen Arm und Reich".
Das beste Ergebnis aller Zeiten feierte die FDP mit einem Riesen-Jubel. Parteichef Guido Westerwelle kündigte an, für ein "faires Steuersystem, bessere Bildung und die Stärkung der Bürgerrechte" einzutreten. Die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger glaubt, dass das "klare Profil" der Partei für das Wahlergebnis ausschlaggebend gewesen sei - bei den Themen Steuern, Bürgerrechten und Bildung habe man punkten können.
Die Grünen freuen sich über ein zweistelliges Ergebnis: "Wir nehmen diese Herausforderung an", rief Spitzenkandidatin Renate Künast den Anhängern zu. Ihr Parteifreund Jürgen Trittin gestand trotz aller Freude ein, das Ziel Schwarz-Gelb zu verhinden nicht erreicht zu haben.
Der Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine führt das gute Ergebnis seiner Partei darauf zurück, besonders in der Frage des Afghanistan-Einsatzes einen klaren Kurs eingeschlagen zu haben: "Wir sind die Anti-Kriegspartei." Die SPD habe so viel an Stimmen verloren, weil sie den Abbau des Sozialstaats betrieben habe, meinte der Spitzenkandidat. Lafontaine kündigte eine harte Oppositionspolitik an: "Union und FDP sind nicht so stark, wie sie jetzt nach Zahlen aussehen."
In diesem Jahr haben so wenig Wahlberechtigte von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht wie nie zuvor bei einer Bundestagswahl. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,8 Prozent.
Bei der letzten Bundestagswahl 2005 lag die Wahlbeteiligung bei 77,7 Prozent. Dies war damals die niedrigste Wahlbeteiligung bei allen bisherigen Bundestagswahlen.