Flucht vor steigenden Beiträgen: In Massen sollen Privatversicherte zu den Gesetzlichen wechseln, so die Kassen. Die Privaten widersprechen: Es wechselten mehr Versicherte von den Gesetzlichen zu den Privaten als umgekehrt.
Der Verband der privaten Krankenversicherungen weist einen Bericht über Mitgliederschwund zurück: "Tatsache ist, dass jedes Jahr weitaus mehr gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt", sagte PKV-Sprecher Stefan Reker den "Stuttgarter Nachrichten". "Wenn die gesetzlichen Krankenversicherungen einen anderen Anschein zu erwecken suchen, ist das unseriös."
Der "Spiegel" hatte berichtet, dass sich vergangenes Jahr bei der Techniker Krankenkasse etwa 68.000 ehemalige Privatpatienten versicherten, beinahe zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Barmer GEK verzeichnete demnach mit rund 27.600 Versicherten von der privaten Konkurrenz einen Anstieg um neun Prozent. Auch bei der AOK häuften sich dem Nachrichtenmagazin zufolge die Anfragen Wechselwilliger.
Viele private Krankenversicherungen haben zum 1. Januar ihre Beiträge erhöht, laut "Spiegel" teils bis zu 50 Prozent. Der Austritt aus einer Privatkasse in eine gesetzliche ist nur in Ausnahmefällen vorgesehen: für Privatversicherte, die arbeitslos werden oder deren Angestelltengehalt unter die Versicherungspflichtgrenze von 45.900 Euro sinkt, sowie für Selbstständige, die in eine ähnlich bezahlte Festanstellung wechseln.
Gesundheitsminister Daniel Bahr nahm derweil die privaten Kassen wegen der hohen Zahl der Privatpatienten, die in die gesetzliche Versicherung wechseln wollen, in die Pflicht. "Sie schöpfen noch längst nicht alle Möglichkeiten aus, den Versicherten günstigere Tarife anzubieten", sagte der FDP-Politiker der "Neuen Westfälischen Zeitung". Außerdem müsse vermieden werden, Anreize zu schaffen, das Kassensystem zu unterwandern und zur gesetzlichen Kasse zu wechseln.
Die Politik habe bereits Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen, wie zum Beispiel das neue Arzneimittelgesetz, sagte Bahr weiter. Dies senke die Kosten für Medikamente erheblich. "Dadurch ließen sich zwei Milliarden Euro einsparen. Davon profitieren natürlich auch die privaten Kassen", fügte Bahr hinzu.