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02. September 2010
 

heute-Nachrichten

 
Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Quelle: ap
Adolf Sauerland

Vom Liebling zum Buhmann

Das Gesicht der Loveparade-Tragödie: OB Sauerland

Für viele ist er das Gesicht der Loveparade-Tragödie: Duisburgs OB Adolf Sauerland. Die Hinterbliebenen der 21 Opfer halten ihn für schuldig, seine Bürger fordern "Sauerland raus", die Politik drängt ihn zum Rücktritt. Dabei war er einst beliebt.

 
 
 

Die Stimmung gegen den CDU-Politiker Sauerland ist derart aufgeheizt, dass der Oberbürgermeister inzwischen unter Polizeischutz steht. Er erhielt Morddrohungen, bei einem Besuch der Unglücksstelle wurde er von Trauernden ausgebuht, beschimpft und mit Müll beworfen. Vor diesem Hintergrund will er auf eine Teilnahme an der zentralen Trauerfeier am Samstag verzichten. Weil er "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren" wolle, wie es heißt. Zeitungsinterviews gibt er aber dennoch.

 
Duisburger fordern Sauerlands Rücktritt

"Der Verantwortung stellen"

An seinem Sessel im Rathaus hält der 55-jährige gebürtige Duisburger fest. Es müsse zunächst darum gehen, die "schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen", heißt es auf seiner Internetseite, auf der er vor schwarzem Hintergrund eine persönliche Stellungnahme eingestellt hat. Der Frage nach der Verantwortung, auch seiner persönlichen, werde er sich dann stellen. Bis dahin sagte er: Er habe von Sicherheitsbedenken nichts gewusst, er habe keine Genehmigung unterschrieben.

 

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Maybrit Illner

Heute, 22.15 Uhr: Tanz in den Tod. Wie konnte es zur Katastrophe bei der Loveparade kommen?

 
 

Für viele Bürger und auch immer mehr Politiker kann ein Rücktritt des vierfachen Vaters indes nicht schnell genug gehen. So sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU) im SWR, je schneller Sauerland seinen Hut nehme, desto besser. Auch aus dem Bundeskanzleramt wächst der Druck auf den Parteifreund. Von der Opposition gibt es ihn sowieso. "Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagt NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

Unterstützung fehlt

Unterstützung oder aufbauende Worte für den CDU-Mann finden sich in diesen Tagen - zumindest öffentlich - nicht. Der eigentlich als lebensfroh bekannte Sauerland scheint nach dem Unglück allein dazustehen. Medien berichten, selbst Mitarbeiter sehnten sich offenbar danach, dass das Stadtoberhaupt aufgebe und sein Amt zur Verfügung stelle. Die Situation sei unerträglich geworden, zitiert die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" einen nicht näher genannten Mitarbeiter.

 

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Trauerfeier an mehreren Orten übertragen

Zur Gedenkfeier am Samstag in Duisburg werden Zehntausende erwartet. Der ökumenische Gottesdienst in der Salvatorkirche wird nach neuen Plänen an zahlreichen Orten der Stadt übertragen. So können die Bürger das Gedenken an die Opfer in 20 weiteren Kirchen in Duisburg und im Stadion des MSV Duisburg verfolgen. Es bietet dazu 25.000 Plätze. An den Vorbereitungen war auch die Stadtspitze mit dem OB im Rathaus beteiligt.

Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wollen dort am Samstagvormittag mit den Angehörigen trauern.

 
 

Bei der Pressekonferenz am Tag nach dem Unglück wirkt Sauerland in sich zusammengesunken. Den bohrenden Fragen der Journalisten hat er wenig entgegenzusetzen. Immer wieder verweist er auf die laufenden Ermittlungen, weshalb er noch keine Antworten geben könne. Dieses Verhalten erzürnt viele Bürger. Auf einer Demonstration am Donnerstag prangern Teilnehmer an, der Oberbürgermeister verstecke sich feige. Sie fordern, dass die Stadt "endlich die Verantwortung übernimmt" und "die Schuldigen Farbe bekennen". Ein Duisburger schiebt einen Holzgalgen vor sich her. Daran hängt eine Puppe mit Sauerlands Gesicht und einem Foto des Loveparade-Veranstalters Rainer Schaller in der Hand. "Wäre die Loveparade gelungen, würde Sauerland gerne die Verantwortung übernehmen", brüllt einer durch das Megafon.

 

Einst beliebt und volksnah

Die Stimmung ist enorm schnell umgeschlagen. Vor dem Unglück bei der Loveparade galt Sauerland noch als beliebt und volksnah. Die vergangene OB-Wahl im September 2009 entschied er mit 44,6 Prozent der Stimmen für sich. Fünf Jahre zuvor hatte er in der eigentlich "roten" Industriestadt Duisburg das Oberbürgermeisteramt von seiner SPD-Vorgängerin Bärbel Zieling übernommen.

 
Augenzeuge:"Wenn ich falle, bin ich tot"
 

Nach der Schule hat der heute 55-Jährige in Duisburg Maschinenbau, Geschichte und Pädagogik studiert und wurde Berufsschullehrer im nahe gelegen Krefeld-Uerdingen. In die CDU trat er 1980 ein, wurde später stellvertretender Vorsitzender seiner Partei in Duisburg und Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Schließlich zog er ins Oberbürgermeisterbüro ein. Wann er seinen Schreibtisch dort wieder räumen muss, ist offen.

 
 
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