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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Nanotechnologie. Quelle: imago/Hoffmann

Bundesumweltamt warnt vor Nano-Nahrung und -Kleidung

Studie: Schädliche Auswirkungen auf Gesundheit möglich

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor Gesundheitsgefahren, die aus dem industriellen Einsatz von Nanotechnologie resultieren können: Dies betrifft Produkte in Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken und Kosmetika. Verbraucher sollen Nano-Produkte meiden.

 
 
 
 

Das Umweltbundesamt empfiehlt in seiner Studie "Nanotechnik für Mensch und Umwelt",(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) Produkte mit den kleinen Partikeln so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind. Zudem fordere das UBA eine Kennzeichnungspflicht und ein Melderegister für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Davon wären mehr als 800 Unternehmen in Deutschland betroffen, die in der Nanotechnologie tätig sind.

 

Partikel hemmen Bakterienwachstum

Die Technik wird unter anderem eingesetzt, um in Textilien das Wachstum von Bakterien zu hemmen und damit üblen Geruch zu verhindern, auf Schokoriegeln die Bildung eines Grauschleiers zu unterdrücken oder in Sonnencremes UV-Strahlen abzuhalten. Nanotechnisch optimierte Kunststoffe können das Gewicht bei Autos oder Flugzeugen senken und damit helfen, Treibstoff zu sparen. LED-Lampen (LED heißt Licht emittierende Dioden) sparen Strom.

 

Infobox

Nanotechnologie

Nano bezeichnet den milliardsten Teil von einem Meter, also einen Millionstel Millimeter. Das Wort "Nanos" bedeutet Zwerg. Nanopartikel haben einen Durchmesser von weniger als 100 Nanometern und andere physikalische Eigenschaften als größere Teilchen desselben Stoffs. Die Nanotechnologie wird in nahezu allen Bereichen erforscht und eingesetzt - in der Physik (Computer-, Sensor- und Prozesstechnik sowie Oberflächentechnik) ebenso wie in der Chemie, Biologie und Medizin.

Der Markt für Nanoprodukte wächst rasant: Nanopartikel werden in vielen Produkten des täglichen Lebens eingesetzt - in Textilien, Kosmetikprodukten, Lebensmittelverpackungen oder Spielzeugen, in Lacken und Farben und bei Produkten zur Versiegelung oder zur Reinigung von Oberflächen.


"Nanotechnik gewinnt bei der Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen zunehmend an Bedeutung", erklärt die Behörde. Auf den Markt komme eine rasch wachsende Zahl von Produkten, die sich "vermutlich positiv auf Umwelt und Wirtschaft auswirken", heißt es. Doch die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen seien noch unzureichend erforscht. Dennoch würden Nanopartikel mit der zunehmenden Anwendung vermehrt in Boden, Wasser und Luft verbreitet.

 

Bei Ratten Lungenentzündung ausgelöst

Die Atemwege seien wahrscheinlich der bedeutendste Aufnahmeweg für Nanopartikel, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Dazu lägen die meisten wissenschaftlichen Studien vor, hieß es. Demnach könnten die Partikel bis tief in die Lunge vordringen und dort Entzündungen auslösen. Im Tierversuch mit Ratten wanderten die Teilchen bis in den Kern von Körperzellen und schädigten dort die Erbinformation DNA. Zudem wird über Hinweise berichtet, dass Nanoröhrchen aus Kohlenstoff bei Tieren Erkrankungen auslösen können, die jenen von Asbestfasern ähnlich sind. Die Winzigkeit der Partikel berge die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden - die Blut-Hirn-Schranke etwa.

 

Über die Lunge und mit der Aufnahme von Nahrungsmitteln können Nanopartikel in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Die wenigen vorliegenden Studien weisen nach Angaben der Behörde auf eine sehr geringe Aufnahme hin. Nanopartikel können auch über die Haut in den Körper gelangen. Das UBA erklärt jedoch: "Intakte, gesunde Haut stellt offensichtlich eine effektive Barriere gegenüber Titandioxid-Nanopartikeln dar."

 

Risikobewertung gefordert

Die Experten des UBA halten es für "dringend geboten", Gesundheitsrisiken der Nanotechnik zu erkennen und zu bewerten. Die Hersteller müssten dazu ihre Ergebnisse zur Risikobewertung offenlegen. Wenn die möglichen Risiken identifiziert und minimiert werden können, unterstützt das Umweltbundesamt die Förderung der Nanotechnik in umweltentlastenden Anwendungen.

 
 
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