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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Ägypter fordern Gerechtigkeit für Marwa El-Sherbini. Quelle: ap
Kurz nach dem Mord: Ägypter fordern Gerechtigkeit für Marwa

"Das ist ein gutes Urteil"

Reaktionen in Ägypten auf lebenslange Haftstrafe für Alex W.

von Julia Gerlach, Kairo

Die ägyptische Presse reagiert in ersten Statements positiv auf das Urteil von Dresden. Es mache den Weg frei für einen Neubeginn der kriselnden deutsch-ägyptischen Beziehungen. Nur einige kritisieren das "Lebenslänglich" für Alex W. als zu kurz.

 
 
 
 

"Es war das höchste Urteil, das nach deutschem Recht möglich war", dies war die wohl am häufigsten benutze Formulierung in den arabischen TV-Sendern, die über die Gerichtsverhandlung in Dresden berichteten. Bei manche klang die Formulierung eher verständnisvoll, andere brachten sie in einem vorwurfvollen Tonfall: 25 Jahre, die nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden können, erschien dem Moderator der Nachrichtensendung des ägyptischen Fernsehens offensichtlich etwas zu wenig angesichts der Schwere des Verbrechens.

 

Debatte um gerechtes Strafmaß

In den Wochen des Prozesses hatte es in der ägyptischen Presse eine Diskussion über das gerechte Strafmaß gegeben und die Deutsche Botschaft in Kairo hatte sich bemüht mit Informationen über das deutsche Rechtssystem zu erklären, weshalb die Todesstrafe - wie sie in vielen arabischen Ländern bei Mord verhängt wird - im Fall Marwa nicht gefordert werden kann. Viele Medien - so auch das Webpotal "Masrawi" - blickten noch einmal auf die Verärgerung der Ägypter über den Mord und die verzögerte Diskussion darüber in der deutschen Öffentlichkeit zurück. Die offizielle ägyptische Presse hatte den Mord in Dresden zumeist als Tat eines Einzelnen dargestellt, welche die Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht beeinträchtigen sollte.

Oppositionsmedien hatten zumeist auf die Hintergründe der Tat - in Deutschland vorhandenen Rassismus - hingewiesen. So auch Masrawy. So berichteten sie auch gestern über islamfeindliche Kommentare in Deutschen Internetforen. Insgesamt begrüßte die ägyptische Presse in ersten Kommentaren das Urteil:

Besonnenes Vorgehen des Gerichts

"Das ist ein gutes Urteil", sagt Gamal Al Ghitani. Der Chef der Zeitung Achbar al Adab hatte Deutschland in den vergangenen Monaten scharf kritisiert. Der Mord an Marwa al Sherbini sei ein Zeichen für Deutschlands Rassismus. Das besonnene Vorgehen des Gerichts in Dresden - die Verhandlungen wurden von der ägyptischen Presse genau beobachtet - hätten die Wogen ein wenig geglättet: "Die Deutschen haben gezeigt, dass sie die Sachen schließlich doch ernst genommen haben und das Verbrechen als Verbrechen erkannt haben", sagt er. Es werde sicher so manchen in Ägypten geben, der das Urteil zu milde fände, "aber man muss auch sehen, dass das deutsche Recht nicht mehr hergibt".

 

Er glaube, das Urteil mache den Weg für einen Neuanfang in den Ägyptisch-Deutschen Beziehungen frei. Vielleicht habe es ja sogar ein Gutes gehabt: Durch die Krise um Marwa habe man in Deutschland mehr über Ägypten erfahren und anders herum ebenfalls. "Wir wissen jetzt, dass wir gemeinsam etwas gegen Radikalismus unternehmen müssen - in beiden Ländern", sagt er.