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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Tony Musulin. Quelle: tonymusulin.fr

Vom Millionendieb zum Helden im Web

Nach Coup: Tony Musulin macht Karriere im Netz

von Alfred Krüger

Tony Musulin, Millionendieb aus Lyon, hat sich der Polizei gestellt. Seinem Internetruhm tut das keinen Abbruch. Die Netzgemeinde hält ihm die Treue. Für sie ist Tony M. der Größte. Sein Millionencoup gilt als genial, weil durch und durch gewaltfrei.

 
 
 

Unblutig und clever: Tony Musulin hatte seinen Coup bis ins letzte Detail geplant. Anfang November erbeutete der Geldtransporterfahrer aus Lyon satte 11,6 Millionen Euro, dazu die Herzen vieler Franzosen - vor allem im Internet. "Toni, du bist der Größte!", jubelte man bei Facebook und Twitter. Sein Fahndungsfoto wanderte wie eine Reliquie von Blog zu Blog.

Fans: "Genialer Coup"

Aus dem flüchtigen Millionendieb war im Netz schnell der "Volksfreund Nummer 1" geworden, ein Musterkrimineller, "mutig", "einfallsreich" und "künstlerisch begabt". Fans verkürzten seinen Namen auf "Tony M." - in Anspielung auf Tony Montana, den von Al Pacino gespielten Filmhelden aus "Scarface". Andere verballhorten den Filmtitel "Ocean's Eleven" zu "Musulin's Twelve", Untertitel: "Gefährlich unwiderstehlich!"

 

Natürlich hatte Musulin schnell auch eine Webpräsenz im Netz. Hier werden aktuelle Berichte gesammelt. Und hier wird über seine kriminelle Strategie und Taktik diskutiert. Was hat Tony M. richtig gemacht, was falsch? Was wird er wohl als nächstes tun? Blogger analysieren das Phänomen "Musulin" und vergleichen den Millionendieb mit dem legendären britischen Posträuber Ronald Biggs. "Genial und gewaltfrei" sei der Coup gewesen. Das verdiene Respekt, heißt es.

 

Tatsächlich floss bei Musulins Millionen-Coup kein Tropfen Blut. Zusammen mit zwei Kollegen hatte der gebürtige Serbe an jenem Donnerstag Anfang November von der Lyoner Banque de France 49 Plastiksäcke mit 11,6 Millionen Euro in seinen gepanzerten Geldtransporter geladen. Auf dem Rückweg hielt der Geldtransporter bei einem anderen Kunden an. Die Kollegen stiegen aus, Musulin gab Gas und war seitdem verschwunden - und mit ihm die Millionenbeute.

 

Fans erleichtert: Tony bleibt Millionär

Leichte Kratzer bekam das Image des gewitzten Millionendiebs, der seinen Coup über Monate akribisch geplant haben soll, als die Polizei schon wenige Tage nach dem Raub einen großen Teil der Beute in einer Garage in Lyon wiederfand: 9,1 Millionen Euro - für Musulin blieben also immerhin noch zweieinhalb Millionen übrig. Das versöhnte die Fangemeinde. Ihr Millionendieb blieb auch nach dem Fund noch Millionär.

 

Dann die Überraschung: Keine wilden Verfolgungsjagden à la James Bond, kein spektakulärer Showdown im Kugelhagel wie bei "Bonnie & Clyde" - Tony gab aus heiterem Himmel auf und stellte sich der Polizei in Monaco. Sollte das romantische Gaunerstück am Ende doch so schnell zu Ende sein?

 

Die Fangemeinde brauchte nur einen kurzen Augenblick. Dann hatte sie es schon begriffen: "Tony hat's tatsächlich drauf!", freute sich "José" im Forum auf Musulins Webseite. "Er stellt sich, wandert für drei Jahre in den Knast, wird entlassen und schnappt sich seine zwei Millionen, die er gut versteckt hat." "Aline" sah das ein wenig anders. "Tony, du hast mich enttäuscht", seufzte sie augenzwinkernd im selben Forum auf. "Ich hätte dich versteckt, wenn du mich nur gefragt hättest!"

 

Tony spielt auf Zeit

Wie die Geschichte weitergeht? Tony M. schweigt. Kein Wort über die Tat, nichts über den Verbleib der Zwei-Millionen-Euro-Beute. Der clevere Tony spielt auf Zeit - aus gutem Grund. Maximal drei Jahre Haft drohen dem Millionendieb für seinen Diebstahl.

Gerichtsprozess und Urteil werden demnächst noch einmal für ein kurzes Strohfeuer sorgen. Dann wird es ruhig werden um Tony M. Die Fangruppen bei Facebook werden bald schon sanft entschlafen sein. Das Mitmachweb vergisst so schnell, wie es sich vorher aufgeregt hat.

 

Tony M. hat vermutlich ausgesorgt. Wenn er seine Strafe verbüßt hat, kann er Frankreich als freier Mann verlassen. Er ist noch jung, heißt es im Netz. Das Leben liege noch vor ihm - ein angenehmes Leben allemal, wenn er es denn schafft, an das gestohlene Geld zu kommen. Das aber, glauben viele, sei so sicher wie das Amen in der Kirche.

 
 
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