Hauptnavigation:

Sie sind hier:

09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Polizeibeamte bauen eine mobile Polizeiwache in Troisdorf auf. Quelle: dpa

Polizei: "Flüchtige Gangster extrem gefährlich"

Wärter der JVA Aachen festgenommen

Die beiden aus der JVA Aachen geflohenen Schwerverbrecher sind immer noch auf der Flucht. In Köln zwangen sie offenbar eine Frau, sie nach Essen zu bringen. Die Polizei warnt: Die Männer seien extrem gefährlich und bewaffnet.

 
 
 
 

Ein Mörder und ein Geiselgangster sind aus dem Aachener Gefängnis geflohen - vermutlich mit Hilfe eines Wärters. Die Polizei fahndet mit Hubschrauber und zahlreichen Streifenwagen nach den beiden Männern. Gesucht werden der 50 Jahre alte Geiselgangster Michael Heckhoff und der 46-jährige Mörder Peter Paul Michalski. Beide sind zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt.

 

Am Donnerstagabend war ihnen die Flucht aus dem Gefängnis von Aachen gelungen. Per Taxi fuhren sie nach Köln. Dort zwangen sie anscheinend am Freitag eine junge Frau, sie nach Essen zu fahren. Als der Wagen dort liegen blieb, flüchteten sie zu Fuß weiter. Die Frau blieb unverletzt, ihre Aussagen werden noch überprüft. Frühere Hinweise, wonach die Gangster in einem Baumarkt in Dierdorf in Rheinland-Pfalz gesehen worden seien, bestätigten sich nach Angaben der Polizei Koblenz nicht.

Fünf Türen mit Schlüssel geöffnet

Ein Gefängniswärter wurde unterdessen unter dem Verdacht der Fluchthilfe festgenommen, wie NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) in Düsseldorf mitteilte. Der Beamte habe zur Tatzeit an der Pforte gesessen. Die beiden Schwerverbrecher hatten am Donnerstag fünf Gefängnistüren mit einem Schlüssel geöffnet.

 

Bislang galt die in den 1980er Jahren gebaute Justizvollzugsanstalt Anstalt Aachen als absolut ausbruchssicher. Zur Fluchtzeit konnten sich die Gefangenen noch in ihren Abteilungen bewegen. Die 771 Häftlinge wurden nach Angaben der JVA-Leitung zur Tatzeit von 42 Beamten bewacht. Heckhoff saß seit gut einem Jahr im Aachener Gefängnis, Michalski war Anfang 2006 von der JVA Wuppertal dorthin verlegt worden.

 

Wärter überwältigt

Heckhoff und Michalski hatten an der Außenschleuse des Gefängnisses gegen 20.00 Uhr einen weiteren Wärter überwältigt, der gerade von einer Kontrollfahrt zurückkam. Sie fesselten den Mann mit Handschellen und knebelten ihn. Aus einem Tresor in der Pforte der Anstalt raubten die zu Höchststrafen verurteilten Verbrecher zwei Pistolen und je acht Schuss Munition.

 

Mit einem Taxi, das nach ersten Erkenntnissen zufällig vor der Anstalt hielt, entkamen die Männer. Gegen 20.20 schlugen zwei Justizvollzugsbeamte Alarm, als sie das Gefängnis nicht verlassen konnten, weil der Beamte in der Pforte nicht ansprechbar und verwirrt gewesen sei. Er stand möglicherweise unter Schock und wurde in eine Klinik gebracht.

 

"Gewalttätig und bewaffnet"

Die Gewalttäter fuhren mit dem Taxi nach Kerpen und stiegen dort mitsamt dem Fahrer in ein zweites Taxi um, das sie nach Köln brachte. Dort verlor sich auf dem Bahnhofsplatz ihre Spur. Für die Fahrt nach Köln hätten die Männer bezahlt und die Fahrer auch nicht bedroht, sagte der Aachener Polizeipräsident Klaus Oelze. Warum der erste Fahrer freiwillig mit nach Köln gefahren sein soll, konnte Oelze nicht erklären.

 

Die Polizei verteilte Fotos der beiden Flüchtigen an Taxi- Zentralen, informierte Krankenhäuser und verschärfte die Kontrollen an Bahnhöfen und Flughäfen. "Das sind zwei hochgefährliche Männer, gewalttätig und bewaffnet. Bitte keine Heldentaten!", warnte Oelze die Bevölkerung.

 

Gefährlicher Geiselgangster

Heckhoff gehört zu den gefährlichsten Geiselgangstern Deutschlands. Der 50-Jährige sitzt seit Anfang der 1980er Jahre mit kurzen Unterbrechungen im Gefängnis. Er war 1992 an einer Geiselnahme in Werl beteiligt. Heckhoffs damaliger Komplize - ein Mehrfachmörder - übergoss einen Wärter und eine junge Arzthelferin mit Benzin und zündete sie vor dem Zugriff der Polizei an.

 
Fahndungsfoto der beiden Schwerverbrecher aus Aachen. Quelle: Polizei/dpa
Polizei/dpa
Gesucht: Michael Heckhoff (l.) und Peter Paul Michalski.
 

Der 50-Jährige sei wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden, hieß es aus dem Justizministerium. Das Landgericht Köln habe die Mindesthaftzeit für ihn unlängst auf 21 Jahre festgesetzt.

 

Michalski wegen Mordes verurteilt

Michalski sei 1988 festgenommen worden und seither nach bisherigen Erkenntnissen ununterbrochen in Haft. Das Landgericht Bielefeld habe gegen ihn 1995 wegen Mordes ebenfalls lebenslange Haft verhängt sowie die besondere Schwere der Schuld festgestellt und die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.

 

Heckhoff gilt als Mann, der schnell schießt. "Wenn er sich angegriffen fühlt und eine Schusswaffe hat, dann wird er von dieser Waffe wahrscheinlich Gebrauch machen", sagte der frühere Leiter der JVA Werl, Klaus Koepsel, der Heckhoff aus den 90er Jahren kennt. "Der hat nichts zu verlieren." Der Schwerverbrecher habe nicht eingesehen, dass er sein Leben hinter Gittern verbringen müsse.

 

Justizministerin Müller-Piepenkötter antwortete auf Fragen nach ihrer persönlichen Verantwortung: "Ich halte den Fehler eines Bediensteten nicht für einen Fehler im System."