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01. August 2010
 

heute-Nachrichten

 
Teilnehmer des Munich Young Leaders Round Table. Quelle: Marc Darchinger
Teilnehmer des Munich Young Leaders Round Table

Die Macher von morgen

Politische Hoffnungsträger: "Dialog statt Waffengewalt"

von Marcel Burkhardt

Hunger, Umweltzerstörung, Ressourcenkonflikte und Terrorismus - die Probleme sind gewaltig und verlangen frisches Denken. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz suchen junge Politiker und Wirtschaftsvertreter neue Wege.

 
 
 
 

Es klingt zunächst nach Laptop und Lederhosen. Doch die Gruppe der "Munich Young Leaders" vereint weder CSU-Nachwuchskräfte noch Jungstars des FC Bayern. Die Munich Young Leaders kümmern sich auch nicht um lokale Belange in Schwabing oder Sendling - nein, sie haben die Welt von morgen und übermorgen im Blick.

"Waffen vertiefen die Probleme nur"

Die 25 Teilnehmer - Parlamentarier, Strategen und Manager - kommen aus NATO-Staaten, Osteuropa, dem Kaukasus, Nordafrika und dem Nahen Osten. Die deutschen Botschaften haben die wichtigsten Hoffnungsträger der Regionen ausgewählt. Wer auf Einladung der Körber-Stiftung nach München fährt, hat das Potential, in einigen Jahren die Geschicke der Welt mitzubestimmen, heißt es. Am Rand der Sicherheitskonferenz wollen die Young Leader ihre Ideen für die künftige Architektur internationaler Politik diskutieren.

 

Die Erfahrungen in einer von Konflikten erschütterten Welt prägen die Jungen. Der georgische Oppositionsführer Irakli Alasania (36) hat die Zerstörung im eigenen Land erlebt. Sein Fazit: "Der Krieg hat alle schwer verunsichert, geholfen hat er niemandem." Alasania, von 2006 bis Ende 2008 Botschafter Georgiens bei den Vereinten Nationen, ist einer der Stars unter den Young Leaders. Er sagt: "Waffen vertiefen die Probleme nur - deshalb müssen wir die Mittel der Diplomatie stärken, wir brauchen Dialog statt Waffengewalt."

Neues Ressourcenmanagement nötig

"Netzwerke" lautet das Zauberwort der jungen Generation, die gelernt hat, global zu denken. Das zeigt sich bei den Positionen. Die marokkanische Abgeordnete Mbarka Bouaida (34) sagt: "Ein globales Sicherheitskonzept wird auf Dialog, Bildung und Demokratie basieren." Barbara Meincke (36), Menschenrechtsreferentin der Grünen, formuliert es so: "Wir müssen noch stärker über den Tellerrand hinaus schauen, denn Umweltzerstörung, Armut, Ressourcenknappheit machen keinen Halt vor nationalen Grenzen."

 

Öl, Gas, Wasser, Land - künftige Konflikte sind Verteilungskonflikte. Aus Sicht von Sebastian Groth (36), Planer des Auswärtigen Amts, braucht es neue globale Institutionen, um den Ressourcen-Wettbewerb zu steuern. Beim Thema Energieressourcen gebe es bisher kein geeignetes Forum, das alle Akteure an einen Tisch bringt.

 

Diskussionen mit Militärs

Aber auch die klassischen sicherheitspolitischen Fragen werden die jungen Konferenzteilnehmer beschäftigen: Wie können wir in den kommenden Dekaden Rüstungswettläufe verhindern, mit welchen Mitteln den Terrorismus bekämpfen? Wie können China, Indien, Brasilien und Südafrika stärker in politische Mitverantwortung gebracht werden? Darüber können die Jungen offener diskutieren als die etablierten Gremien.

 

So verändern sie den Charakter der Sicherheitskonferenz, auch wenn sie noch keinen direkten Einfluss auf die Amtsinhaber haben. Aber immerhin: Sie werden mit führenden Politikern und Militärs diskutieren, etwa mit Verteidigungsminister Guttenberg, dem Oberkommandierenden der NATO in Europa und dem Sicherheitsberater des US-Präsidenten.

 

Demos gegen "Kriegstreiber"

Gegen die Sicherheitskonferenz, "Waffen-Lobby" und "Kriegstreiber" im Bayerischen Hof werden in München wieder Tausende Menschen demonstrieren. Die Menschenrechtsreferentin Barbara Meincke wird sich dann etwas seltsam fühlen - aber sie hofft, unter ihren jungen Kollegen ein Zeichen setzen zu können, mit einem Plädoyer "für die Wahrung der Menschenrechte als Ziel jeder umfassenden Sicherheitspolitik". Das sei nötig, so Meincke, denn: "Menschenrechtsfragen fallen im sicherheitspolitischen Diskurs noch zu oft unter den Tisch."

 
 
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