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02. September 2010
 

heute-Nachrichten

 
Rauchende Frau mit einer Zigarette. Quelle: imago

Immer weniger Jugendliche greifen zur Zigarette

16 Millionen Deutsche rauchen

von Dominik Rzepka

Seit Jahren ist die Zahl der Raucher in Deutschland konstant hoch: Jeder dritte Erwachsene greift regelmäßig zur Zigarette. Dabei rauchen Jugendliche deutlich weniger als noch vor ein paar Jahren. Auf den ersten Blick zumindest ...

 
 
 
 

Die junge Frau Mitte 20 verzieht das Gesicht. "Hier wird ja geraucht", sagt sie, als sie das Monarch betritt - eine Raucherkneipe in Berlin-Kreuzberg, direkt am Kottbusser Tor. Auf der Bühne spielt ein Mann mit schwarzer Lederhose E-Gitarre. Das Bier an der Theke kostet 2 Euro 50. Die Rauchschwaden darüber gibt es kostenlos.

 

"Meine Augen tun weh", sagt die Mittzwanzigerin nach zehn Minuten. "Ich bin es gar nicht mehr gewohnt, dass in Kneipen geraucht wird." Eine Einschätzung, die auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), teilt: "Meine Wahrnehmung ist, dass Raucher wie Nichtraucher die rauchfreie Umgebung beim Essen sehr schätzen", sagt sie heute.de

Mechthild Dyckmans. Quelle: imago
imago
Mechthild Dyckmans

Jeder dritte Mann raucht

Dabei ist die Zahl der Raucher nach wie vor hoch in Deutschland, auch nachdem viele Kneipen und Restaurants rauchfrei geworden sind. Mehr als 16 Millionen Deutsche rauchen - jede vierte Frau und jeder dritte Mann. Das ist im internationalen Vergleich ein relativ hoher Wert: "Andere europäische Länder wie Schweden haben mit unter 20 Prozent eine deutlich geringere Quote als Deutschland", sagt Dyckmans.

Dabei war das Image des Rauchens selten so schlecht wie jetzt. "65 Prozent der Nichtraucherinnen und Nichtraucher fühlen sich durch Tabakrauch stark gestört", sagt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). In einer aktuellen Umfrage der BZgA geben 60 Prozent der Befragten an, Orte zu vermeiden, an denen viel geraucht werde - auch jeder vierte Raucher sagt das.

Zitat

„Die Quote der jugendlichen Raucher ist von etwa 24 auf 15 Prozent gesunken.“

Mechthild Dyckmans, FDP

Zahl junger Raucher rückläufig

Besonders bei jungen Deutschen ist Rauchen unbeliebt. Laut der aktuellen Drogenaffinitätsstudie der BZgA würden es 95 Prozent aller 12- bis 17-jährigen Nichtraucher bedauern, wenn ihr Freundeskreis mit dem Rauchen anfinge. "Und die Quote der jugendlichen Raucher ist in den vergangenen sechs Jahren von etwa 24 auf 15 Prozent gesunken", sagt Mechthild Dyckmans.

 

Doch es gibt auch neue Trends beim Rauchen. Laut Drogenbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2009 haben knapp 40 Prozent aller Jugendlichen schon einmal eine Wasserpfeife, auch Shisha genannt, geraucht. "Das Shisha-Rauchen kann in Zukunft bei einem wachsenden Anteil Jugendlicher zu einer ernst zu nehmenden Variante des Tabakkonsums werden", heißt es in dem Bericht.

 
Jugendliche rauchen Wasserpfeife. Quelle: imago
imago
Jugendliche rauchen Wasserpfeife in der Shisha-Lounge


Um der Gefahr vorzubeugen, spricht die BZgA Jugendliche gezielt an, "erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen", sagt Elisabeth Pott. Gleichzeitig freut sie sich, dass ein Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden habe. "Nichtrauchen wird zunehmend zur sozialen Norm. Oder um es in der Sprache der Jugendlichen zu sagen: Nichtrauchen ist cool."

 

"Ohne Rauch wäre es schöner gewesen"

Zurück in die Berliner Raucherkneipe. Zum Schluss gibt der Gitarrist auf der Bühne noch einmal alles. "Warum ist der Verstärker so leise", schreit er ins Mikro. Die Mittzwanzigerin lacht. Fünf Meter hinter der Theke nuckelt sie an ihrer Cola. Dann nimmt sie ihre Jacke und geht. "Das war witzig", sagt sie. "Nur ohne Rauch wäre es noch schöner gewesen."

 
 
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