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09. September 2010
 

heute-Nachrichten

 
YouTube und Google. [M] Quelle: dpa,ZDF

YouTube für jedermann

Wie Google mit YouTube den Markt für Online-Werbung aufrollen will

von Alfred Krüger

Kopieren erlaubt. Künftig darf jeder das Videoportal YouTube nachbauen. Werkzeug und Technik liefert die Google-Tochter frei Haus - kein großzügiges Geschenk, sondern ein geschickter Schachzug. Google will ein größeres Stück vom Online-Werbekuchen.

 
 
 
 

Google-Tochter YouTube startet durch. Das erfolgreiche Videoportal öffnet seine APIs, also seine technischen Schnittstellen, für jedermann. Jeder darf sich künftig sein eigenes Videoportal im Stile von YouTube einrichten. Die nötigen Werkzeuge liefert das YouTube-Entwicklerteam. Die technische Infrastruktur stellt Google. Und selbstverständlich ist alles - wie bei Google üblich - völlig kostenlos.

 

Einbetten erwünscht

Auch bisher war es für jeden Homepage-Bastler schon problemlos möglich, Videos von YouTube auf der eigenen Webseite einzubinden. Besondere Kenntnisse waren nicht erforderlich. Die nötigen Quelltextschnipsel wurden von YouTube geliefert. Kopieren - einfügen - fertig: Schon lief das nette Video auch auf der eigenen Homepage.

 

Kaum ein Seitenbastler oder Blogger, der diesen Service nicht in Anspruch nimmt. Homepage-Bastler schmücken ihre Seiten gern mit fremden Federn. Auch YouTube hat davon einen Nutzen. Einbetten ausdrücklich erwünscht, heißt es bei den Betreibern des Videoportals. Denn jedes irgendwo auf einer Webseite eingebundene Video bereichert nicht nur diese Seite, sondern macht natürlich auch Reklame für YouTube.

 

Die nunmehr angekündigte Öffnung der YouTube-Schnittstellen geht weit über das bisher Mögliche hinaus. Künftig wird nicht nur das Einbetten und Abspielen der Videos völlig problemlos möglich sein. Das YouTube-Entwicklerteam stellt vielmehr eine Reihe weiterer Funktionalitäten zur Verfügung, die bisher nur über das Portal selbst zu nutzen waren. Aus diesen Zutaten kann sich jeder ein persönliches YouTube zusammenbasteln und online stellen.

 

Vom Handy direkt zu YouTube

So soll es künftig möglich sein, gleich von der eigenen Webseite aus den riesigen Fundus des weltgrößten Videoportals nach seinen Wunschvideos zu durchsuchen. Videos können direkt kommentiert, bewertet und mit Schlagworten versehen werden. Nicht nur einzelne kleine Filmchen, sondern ganze themenspezifische Videokanäle lassen sich einbinden. Sogar der Upload selbstgedrehter Videos ist künftig von der eigenen Webseite aus möglich.

 

Das YouTube-Angebot richtet sich nicht nur an Blogger oder private Webseitenbetreiber. Auch Multimedia-Unternehmen, Gerätehersteller und Softwareindustrie stehen im strategischen Visier der YouTube-Mutterfirma Google. Etliche Unternehmen haben bereits angebissen - darunter das US-Mobilfunkunternehmen Helio.

 

Helio will seinen Mobilfunkkunden nicht nur einen direkten Zugriff auf YouTube-Videos erlauben, sondern ihnen darüber hinaus künftig die Möglichkeit geben, unterwegs per Handy aufgezeichnete Videos sofort, also ohne den bisher nötigen Umweg über die Portalseite, zu YouTube hochzuladen. Webcam-Hersteller Logitech plant eine ähnliche Funktion.

 

"Grenzenlose Möglichkeiten"

Angebissen hat auch der Spielehersteller Electronic Arts. Er wird sein Computerspiel "Spore" mit einer Schnittstelle ausstatten, über die ein Spieler seine aufgezeichneten Spielszenen als Video bei YouTube veröffentlichen kann. "Die Anzahl der möglichen Anwendungen ist praktisch grenzenlos", sagt Jim Patterson, Produktmanager von YouTube. Einsatzmöglichkeiten gebe es zudem nicht nur im Unterhaltungsbereich. Auch die Universität von Kalifornien sei schon mit von der Partie, so Patterson. Dort werde man die neuen Schnittstellen nutzen, um Vorträge via YouTube zu veröffentlichen.

 

Der Zugang zu den YouTube-Schnittstellen kostet keinen Cent. Jeder darf die Plattform nutzen und sein eigenes privates Videoportal mit den Mitteln und den Inhalten von YouTube betreiben. Lizenzgebühren werden nicht erhoben. Im Gegenteil zahlen Google und YouTube bei diesem Unternehmen gar noch drauf.

 

Denn die Videos werden weiterhin von YouTube-Servern aus auf Datenreise geschickt. Speicherkosten werden fällig, dazu die hohen Übertragungskosten. Was aber erwarten Google und YouTube dafür im Gegenzug? Welche Strategie verfolgen sie mit ihrem großzügigen "Geschenk" an alle Nutzer? YouTube soll weiter expandieren und am Ende reichlich Werbedollar sprudeln lassen, sagen Analysten.

 

Teures Zuschussgeschäft

Bisher kam die Vermarktung von YouTube nicht recht in Schwung. Das teure Videoportal, für das Google im Oktober 2006 rund 1,65 Milliarden US-Dollar gezahlt hatte, erwies sich als kostspieliges Zuschussgeschäft. Das soll sich künftig ändern, erklärte Google-Manager Tim Armstrong kürzlich auf einer Medienkonferenz in Palm Beach, Florida.

 

Bisher erzielte Google den größten Teil seiner Einnahmen mit reinen Textanzeigen, die auf seinen Suchergebnisseiten oder auf Partnerwebseiten eingeblendet werden. Grafische Bannerwerbung macht nur einen Bruchteil des Werbegeschäft aus. Videowerbung spielte so gut wie gar keine Rolle. In beiden Marktsegmenten will Google nun endlich Fuß fassen.

 

Das könnte gelingen - die ersten Schritte sind getan. Im vergangenen Jahr übernahm der Suchmaschinen- und Werbekonzern das Unternehmen DoubleClick, Marktführer im Bereich der Vermittlung von Online-Bannerwerbung. Bedenken der Kartellbehörden in Europa und den USA sind mittlerweile ausgeräumt. Durch die DoubleClick-Technologie verspricht sich Google schnelle Fortschritte und mehr Effizienz bei der Verteilung digitaler Werbeinhalte.

 

Videowerbung auf YouTube

Mit Hilfe von YouTube könnte Google nun auch im Bereich der Videowerbung reüssieren. Vor Beginn eines Videos oder am Ende könnten Werbebanner eingeblendet werden, die zum Inhalt des Videos oder zur Zielgruppe passen. Vor diesem Hintergrund macht die Öffnung der YouTube-Schnittstellen auch ökonomisch Sinn. Denn je größer das YouTube-Netzwerk ist, desto mehr potenzielle Nutzer lassen sich mit dieser Form von Werbung auch erreichen - nicht nur auf YouTube, sondern auch auf allen angeschlossenen Seiten.

 

Voraussetzung ist allerdings, dass die werbungtreibende Wirtschaft dabei auch wirklich mitspielt. Viele Unternehmen scheuen bisher vor Werbung auf YouTube zurück. Sie mögen sich nicht der Gefahr aussetzen, dass ihre Anzeigen neben "unpassenden", von Nutzern selbst produzierten Videos zu sehen sind.