Die ersten vier Bundesländer haben Sommerferien - und die Deutschen sind im Reisefieber. Denn den Sommerurlaub streichen sie trotz Krise nicht, erklären Tourismusexperten. Die Trends des Jahres - ein Überblick.
Der Krisengewinner des Urlaubsjahres 2009 ist die Ostsee: "Im Juli und August meldet Mecklenburg-Vorpommern gute Buchungen und ein Plus im Vergleich zum Vorjahr", sagt Nicole Habrich vom Deutschen Tourismusverband in Bonn. Gerade die angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland mache einen vergleichsweise günstigen Urlaub an der Ostseeküste attraktiv. Auch der Touristikkonzern TUI meldet für diesen Sommer mehr Buchungen an der Ostsee als im Jahr zuvor.
In der Rangliste der deutschen Urlaubsziele liegt Mecklenburg-Vorpommern dennoch nur auf Platz zwei. "Das beliebteste heimische Urlaubsziel ist auch in diesem Jahr wieder Bayern", sagt Habrich. Auf Platz drei liege Schleswig-Holstein, an Position vier Niedersachsen, das besonders bei den Niedersachsen selber und Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen hoch im Trend liege: "Den Ferienbeginn in NRW merkt kein anderes Bundesland so stark wie Niedersachsen."
Als neuen Urlaubstrend für den Sommer 2009 sieht TUI-Sprecher Mario Körpers die Kapverdischen Inseln im Atlantik, etwa 600 Kilometer vor der afrikanischen Westküste. "Dieses Ziel fliegen wir erst seit vier Jahren an, aber wir haben dort heute schon 4000 eigene Hotelbetten." Insgesamt seien dort dieses Jahr mehrere Zehntausend deutsche Urlauber untergebracht. "Das boomt ohne Ende", sagt Körpers.
Auch die Türkei sei dieses Jahr ein gefragtes Urlaubsziel, TUI registriert mehr Buchungen als im Vorjahr. "Viele Kunden schätzen das gute Preis-Leistungs-Verhältnis dort", so Körpers. Hier seien qualitativ hochwertige Hotels für wenig Geld buchbar. Die Nachfrage nach Reisen nach Italien und Kroatien lägen auf dem Niveau des Vorjahres. Weniger gefragt seien Ziele wie Spanien, Griechenland oder asiatische Länder.
Ein großer Trend des Sommers sind Last minute-Angebote: "Die Deutschen buchen immer kurzfristiger", sagt Nicole Habrich. "Ach, das Wetter ist gut, lass uns in Urlaub fahren", sei die Denkweise vieler Menschen. Eine Entwicklung, die der Tourismusverband seit einigen Jahren beobachtet, dieses Jahr aber besonders ausgeprägt sei.
TUI-Sprecher Mario Körpers bestätigt das: Im vergangenen Jahr seien neun Prozent aller Reisen später als zwei Wochen vor Antritt gebucht worden. "In diesem Jahr liegt dieser Anteil bei 14 Prozent." Verantwortlich dafür sind dafür laut Habrich ein stressiger werdender Alltag vieler Menschen und die geforderte Flexibilität im Beruf. "Letzten Endes steht dahinter eine gesellschaftliche Entwicklung."
Der vierte Trend für den Sommerurlaub 2009: Sogenannte All-Inclusive-Angebote. Bei diesen zahlt der Kunde einen Festbetrag und erhält alle Leistungen wie Hotel, Sportprogramme oder Cocktails am Pool gleich mit. Egal wie viele Drinks er schlürft. "Man weiß also von Anfang an, wie viel der Urlaub kostet", sagt Körpers. Gerade in Krisenzeiten würden die Kunden diese Budgetsicherheit schätzen.
Dieser Trend sei bereits in den vergangenen Jahren spürbar gewesen. "In diesem Jahr hat er aber noch einmal deutlich an Fahrt gewonnen." Jede zweite im Jahr 2009 angetretene Pauschalreise sei ein solches All-Inclusive-Angebot.
Alles in allem ist den Deutschen der Sommerurlaub auch trotz Krise wichtig: "Der Juli ist super gebucht", sagt Mario Körpers. "Trotz einer insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Situation." Und auch Nicole Habrich vom Deutschen Tourismusverband bestätigt: "Urlaub ist für die Deutschen immer noch ein hohes Gut."
Doch auch wenn viele beim Sommerurlaub keine Abstriche machen - Sorge bereitet der Branche, dass die meisten auf weitere Reisen im Jahr 2009 verzichten könnten: "Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation befürchten wir, dass viele an Zweit- und Drittreisen im Herbst sparen", sagt Habrich. Und TUI-Sprecher Körpers ergänzt: "Der September ist bisher noch nicht ausgebucht."