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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Webseite in einem Internetbrowser. Quelle: imago

Deutschland lahmt bei Breitband

Studie: Bundesrepublik im internationalen Vergleich abgeschlagen

von Georg H. Przikling

Schnelles Internet für alle bis Ende 2010 lautet die Parole der Bundesregierung. Während Politiker Optimismus verbreiten, kommt eine Studie zu anderen Ergebnissen. Danach ist Deutschland nur Mittelmaß - hinter Ländern wie Bahrain und Estland.

 
 
 
 

Dinge auf die lange Bank zu schieben gehört nicht zu den Eigenschaften von Angela Merkel. Als die Bundskanzlerin im Februar entschied, dass schnelle Datenverbindungen so wichtig seien wie der Anschluss an Wasser und Strom, stand die Marschrichtung der Regierung fest. Breitband für alle muss her, und zwar bis Ende nächsten Jahres.

 

Wenig Besserung

Seitdem herrscht unter Politikern Zweckoptimismus. In Reden werden sie nicht müde, die Initiative des Bundes schön zu reden. Mitte September beispielsweise sagte Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg auf einer Veranstaltung der Deutschen Breitbandinitiative in Berlin, dass es zwar noch "keinen Grund zur Euphorie" gebe, es aber sehr erfreulich sei, "wie viele Akteure an der Umsetzung der Breitbandstrategie mitwirken".

Doch Reden alleine reichen nicht, um den engen Zeitplan einzuhalten. Denn es gibt noch viel zu tun. Wie viel, das zeigt eine aktuelle Studie, die von der "Said Business School" der Oxforder Universität durchgeführt wurde und die Versorgung mit Breitband-Zugängen in 66 Ländern verglichen hat.

 

Abgeschlagen im Mittelfeld

Danach belegt Deutschland in puncto Breitbandversorgung Platz 27 - und liegt damit noch einen Platz hinter Bahrain und immerhin acht Plätze hinter Estland. Vom Spitzentrio Südkorea, Japan und Hong-Kong, aber auch Ländern wie Schweden (Platz vier) und der Schweiz (Platz fünf) ist man noch Lichtjahre entfernt.

 

Doch selbst, wenn man hierzulande in den Genuss eines Breitbandzugangs kommt, eine Garantie für gute Leitungsqualität ist das noch lange nicht. Wer beispielsweise eine schnelle 16.000er-Leitung ordert, muss damit rechnen, nur einen Teil der in Aussicht gestellten Geschwindigkeit zu erhalten.

 

Gedämpfte Geschwindigkeit

Die Zugangsanbieter treffe aber keine Schuld, erklärt Andreas Hentschel von der Zeitschrift CHIP gegenüber heute.de: "Das ist weniger skandalös als es sich anhört, denn dahinter steckt keine skrupellose Kundenfang-Masche, sondern eine technische Einschränkung." Anbieter wie 1&1, Versatel, Vodafone oder Alice mieten den letzten Kabelkilometer vom Hauptverteiler bis in die Wohnung nämlich von der Telekom an.

 

Die wiederum bestimmt anhand von Tabellen, wie viel Bandbreite bei welchem Leitungswiderstand geschaltet werden darf. Weil die Sicherheitsgrenzen hier großzügig ausgelegt sind - die Stabilität der Leitung hat stets Vorrang - steht dem Kunden unterm Strich oft weniger Bandbreite zur Verfügung als technisch eigentlich möglich wäre.

 

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Wie schnell bin ich?

Online-Geschwindigkeitstests verraten dem Surfer, wie schnell er im Internet unterwegs ist. Dazu werden vom jeweiligen Test-Server kleine Datenpakete auf den Rechner geladen. Aus der dafür benötigten Zeit errechnen sie dann die verfügbare Bandbreite.

Hier liegt auch das Problem derartiger Dienste: Sind die Testserver überlastet, liefern sie ihre "Pakete" entsprechend langsam aus. Die Folge: Der Anwender bekommt fälschlicherweise einen schlechten DSL-Wert mitgeteilt, obwohl seine Leitung eigentlich in Ordnung ist. Wer sicher gehen will, sollte daher mehrere Messungen zu verschiedenen Tageszeiten durchführen.

 

Die Zugangsanbieter können dagegen nicht in die Leitung schauen und nur abschätzen, was an Geschwindigkeit ankommt. Bei Anbietern, die über ein eigenes Telefonnetz verfügen, sieht's meistens besser aus. Ihre Leitungen sind etwas anders geschaltet, so dass das DSL-Modem stets die maximale Geschwindigkeit aushandelt. Das, so Hentschel, "geht zwar in Grenzbereichen auf Kosten der Leitungsstabilität - aber man hat mehr Speed."

 

Einfach den Nachbarn fragen

Bei so viel Unsicherheit ist man fast gewillt, erst den Nachbarn nach seinen Erfahrungen zu fragen und dann den Anbieter auszuwählen. Und wirklich: "Ein Blick auf die DSL-Leitung des Nachbarn bietet tatsächlich einen guten Anhaltspunkt für eine realistische Bandbreitenabschätzung," meint der CHIP-Redakteur. Unterschiede nach oben wie nach unten, so schränkt er ein, könne es aber auch dann noch geben.

 

Genauer als die unzähligen Gratis-Geschwindigkeitsmesser, die sich im Internet tummeln, ist die freundliche Nachfrage beim Nachbarn oder der Nachbarin in jedem Fall. Und vielleicht ergibt sich so ja auch die Gelegenheit, das eigene Lebensumfeld besser kennen zu lernen und neue Freundschaften zu schließen. Denn das klappt zur Not auch ohne Breitband-Anbindung.

 

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DSL-Begriffe, die man kennen sollte:

  • ADSL ("Asymmetric Digital Subscriber Line"):
    Die klassische DSL-Leitung für Endverbraucher arbeitet asymmetrisch, das Herunterladen (Download) ist um ein Vielfaches schneller als das Hochladen (Upload). ADSL bietet maximale Geschwindigkeiten von acht Megabit pro Sekunde (Download) und einem Megabit/s (Upload).
  • VDSL ("Very High Speed Digital Subscriber Line")
    Die opto-elektronische DSL-Variante bietet theoretische Übertragungsraten von bis zu 52 Megabit/s und wird überwiegend in Großstädten angeboten.
  • IPTV ("Internet Protocol Television"):
    Steht für die Fernsehübertragung via Internet mit entsprechendem Rückkanal für Interaktionen. Wegen des hohen Datenaufkommens ist für IPTV ein schneller VDSL-Anschluss erforderlich.