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23. Februar 2012
 

heute-Nachrichten

 
Screenshot eines Facebookprofils mit pagerage. Quelle: pagerage.com

Facebook: Neue Software bedroht Werbeeinnahmen

Warum sich das Netzwerk gegen aufgepeppte Profilseiten wehrt

von Alfred Krüger

Quietschbunt statt Einheitslook: Eine neue Software kann das eigene Profil bei Facebook optisch aufpeppen. Doch Facebook will das werbefinanzierte Programm technisch und juristisch stoppen - der Konzern sieht sein Geschäftsmodell bedroht.

 
 
 
 

Ein Schneemann mit Möhrennase, Schal und Hut, dazu drei hübsch geschmückte Weihnachtsbäume und oben auf der Seite ein buntes "Merry Christmas" - was sich viele Facebook-Nutzer schon immer wünschten und was bei Online-Netzwerken wie MySpace schon seit Jahren möglich ist, bietet die US-Firma Sambreel(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) nun auch für Facebook an: die individuelle Gestaltung der eigenen Profilseiten.

Millionen Profile aufgepeppt

Das klingt für viele Facebook-Nutzer offenbar verlockend. Über fünfzehn Millionen User sollen ihre Profilseiten mit Hilfe des kleinen Programms bereits aufgehübscht haben. Das Programm heißt PageRage.(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) Es ist kostenlos und stößt in Menlo Park, dem neuen Facebook-Hauptquartier, auf äußerst wenig Gegenliebe.

Die Betreiber des weltgrößten Online-Netzwerks haben juristische Geschütze gegen Sambreel in Stellung gebracht und der kalifornischen Firma kürzlich eine Unterlassungsaufforderung zugeschickt. Facebook stört nicht nur, dass die Software von Sambreel das einheitliche Aussehen der Profilseiten untergräbt. Hinter der Unterlassungsaufforderung stecken vielmehr handfeste wirtschaftliche Gründe.

 

Gefahr fürs Geschäftsmodell

Sambreel finanziert sich über Werbung. Die Werbeanzeigen des Unternehmens werden in die Facebook-Profilseiten eingebettet und überlagern dort die Anzeigen, die Facebook seinen Nutzern zeigt. Die Facebook-Betreiber sehen dadurch ihr eigenes Geschäftsmodell bedroht. Denn die Werbeeinnahmen, die Sambreel auf den umgestalteten Profilseiten mit Hilfe seiner Software einfährt, steckt das Unternehmen selbstverständlich in die eigene Tasche.

 

Für Facebook ist die Sache klar. PageRage und eine Reihe anderer Programme mit ähnlicher Funktion "behaupten, dir besondere Möglichkeiten auf Facebook zu bieten, doch sie überschwemmen nur deine Neuigkeiten und dein Profil (...) mit Werbung", warnt das Unternehmen seine Nutzer und stuft PageRage als sogenannte Adware(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) ein. Adware werden Programme genannt, die zwar nützliche Funktionen besitzen, den Anwender jedoch mit unerwünschter Werbung zumüllen.

Auch Suchmaschinen sind betroffen

Sambreel will sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen. PageRage erlaube es seinen Anwendern, "das Web so zu sehen, wie sie es zu sehen wünschen", sagte Sambreel-Chef Arie Trouw dem Wall Street Journal. Außerdem werde der User in den Nutzungsbestimmungen der Software ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Sambreel ihm Werbung präsentiere. Wer das nicht möchte, müsse auf die kostenpflichtige Version von PageRage umsteigen.

Mit einem weiteren Programm namens Buzzdock hat sich Sambreel auch die Webseiten der Suchmaschinen Bing, Yahoo und Google vorgenommen. Das Programm ermöglicht es, mit einer Anfrage gleich mehrere Suchmaschinen auf einmal zu durchsuchen. Auch hier das gleiche Spiel: Auf den Ergebnislisten platziert Sambreel eigene Werbeanzeigen. Die Originalanzeigen der Suchmaschinen kommen nicht zum Zug. Die drei Suchmaschinen schauen dem Treiben bisher noch tatenlos zu.

Facebook verweigert Login

Dass nun gerade Facebook zu juristischen Waffen greift, darf nicht verwundern. Das Unternehmen will 2012 an die Börse gehen und kann es sich nicht leisten, eine Software zuzulassen, die das eigene Geschäftsmodell untergräbt und bei den Nutzern immer beliebter wird. Man werde alle rechtlichen und technischen Hebel in Bewegung setzen, "um mit dieser Situation fertig zu werden", heißt es bei Facebook.

Dass das keine leeren Worte sind, zeigt nicht nur die bereits ergangene Unterlassungsaufforderung. Facebook hat darüber hinaus ein Programm entwickelt, das erkennen kann, ob ein Nutzer sein Profil mit Hilfe von PageRage aufgepeppt hat. In diesem Fall wird der Login verweigert und der Nutzer aufgefordert, PageRage zu deinstallieren. Die Software wird zurzeit getestet und soll nach und nach bei allen Facebook-Mitgliedern angewendet werden.

 
 
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