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23. Februar 2012
 

heute-Nachrichten

 
Himmelserscheinung - ähnlich einer Sternschnuppe. Quelle: dpa
In weiten Teilen Deutschlands war das Leuchten zu sehen.

Rätselhaftes Leuchten durch Reste von Sojus-Rakete

ESA-Raumfahrtingenieur berechnet Flugroute

Viele Deutsche haben an Heiligabend ein rätselhaftes Leuchten gesehen, riefen besorgt bei Polizei und der UFO-Meldestelle an. ESA-Raumfahrtingenieur Rainer Kresken ist sich sicher, dass es sich um die dritte Stufe einer Sojus-Rakete handelt.

 
 
 
 

Am Himmel über Deutschland war zur Bescherungszeit ein großer Feuerball zu sehen. Ab 17.30 Uhr gingen bei der Mannheimer UFO-Meldestelle zahlreiche Anrufe und E-Mails ein, und zwar aus dem Südwesten bis in den Raum Thüringen, wie das Zentrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (CENAP) am Sonntag mitteilte. Beschrieben und gefilmt wurde ein "flach dahinrasender Feuerball mit gewaltigem Schweif, aus dem sich viele Funken lösten". Die Erscheinung konnte bis zu 30 Sekunden beobachtet werden, und noch einmal 20 bis 30 Sekunden war ein verwehender Rauchschweif zu sehen.

Die Flugroute und die allgemeinen Daten lassen nach Angaben von Rainer Kresken, Raumfahrtingenieur der ESA und Vorsitzender der Sternwarte Starkenburg in Heppenheim, darauf schließen, dass es sich um die dritte Stufe einer Sojus-Rakete handelt. Diese war am vergangenen Mittwoch in Baikonur gestartet, um drei Männer zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen.

 

80 Kilometer Flughöhe

Die Teile der Sojus-Rakete sind auf einer Linie Saarbrücken, Mannheim, Würzburg bis zum nördlichen Prag hin verglüht, erklärte Kresken gegenüber dem ZDF. Über Polen, der Ukraine oder Weißrussland müssen dann die Reste aufgeschlagen haben. Dabei müsste es sich vor allem um stabile Teile wie die Raketenmotoren gehandelt haben.

 

Die Flughöhe der Raketenteile betrug über Deutschland laut Kresken 80 Kilometer, sie bewegten sich mit einer Geschwindigkeit von 29.000 Kilometern pro Stunde. Das Leuchten war vermutlich von Südengland bis hin zu den Alpen sichtbar gewesen, sagte Kresken.

 

Neuseeländer warnte vor Absturz

Die dritte Stufe der Sojus-Rakete war 8,10 Meter lang, hatte einen Durchmesse von 2,66 Metern und wog 2,5 Tonnen. Teile, die die Erdoberfläche erreicht haben, dürften den Angaben von Kresken zufolge nur noch eine Geschwindigkeit von 50 bis 200 Kilometern pro Stunde gehabt haben. Ein neuseeländischer Astronom soll bereits einige Stunden vor dem Ereignis in Deutschland gesehen haben, dass die Reste der Sojus-Rakete runterkommen.

 

Ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt hatte vermutet, dass es sich um einen Meteoriten gehandelt haben könnte. Er schloss aber nicht aus, dass es Weltraumschrott gewesen sein könnte. "Aufgrund der Intensität und der Leuchtdauer muss es sich um ein sehr großes Teil gehandelt haben", erläuterte Andreas Schütz. Andere Experten vermuteten, dass es ein "großer Bruder der Normalosternschnuppen" war, ein sogenannter "Feuerkugel-Bolide".

 
 
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