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23. Februar 2012
 

heute-Nachrichten

 
Schuhdemonstration vor Schloss Bellevue.
Hunderte Demonstranten zeigen Wulff die Schuhe.

Schuh-Demo gegen Wulff und Gerüchte über einen Plan B

Hunderte protestieren vor dem Schloss Bellevue

Protest nach arabischem Vorbild: Hunderte Menschen haben mit erhobenen Schuhen vor Schloss Bellevue demonstriert. Unterdessen berichten Medien, Schwarz-Gelb bereite sich auf den Fall vor, dass Präsident Wulff zurücktritt. Die Regierung dementiert.

 
 
 
 

Mit hochgehaltenen Schuhen demonstrierten laut Polizei rund 450 Menschen in Berlin gegen Christian Wulff. Auf Plakaten forderten Teilnehmer den Bundespräsidenten zum Rücktritt auf. "Wulff in die Produktion" hieß es auf Plakaten, oder "Bundespräsidenten haben kurze Beine".

Hohn und Verachtung

Das Motto der Aktion, zu der sich die Teilnehmer im Internet verabredet hatten, lautete "Wulff den Schuh zeigen - Shoe for you, Mr. President!". In der arabischen Kultur werden mit dieser Geste Menschen verhöhnt, aber auch Ärger und Verachtung werden so zum Ausdruck gebracht.

Auf dem Giebel von Schloss Bellevue wehte die Fahne mit dem Bundesadler. Diese zeigt gewöhnlich die Anwesenheit des Hausherrn an. Bei Reisen oder Terminen außer Haus ist sie eingezogen. Wulff, der am Vortag Sternensinger in seinem Amtssitz empfangen hatte, trat am Samstag nicht vor die Tür.

 

Absprachen über Plan B?

Die Parteichefs der schwarz-gelben Koalition wappnen sich unterdessen nach Medienberichten für einen möglichen Rücktritt Wulffs. Die "Rheinische Post" berichtete am Samstagmorgen unter Berufung auf Regierungskreise, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich mit den Parteichefs Seehofer und Philipp Rösler (FDP) auf ein Verfahren zur Nominierung eines neuen Kandidaten verständigt, sollte Wulff zurücktreten müssen. Geplant sei, einen Vorschlag zu machen, den "Rot-Grün nicht ablehnen kann".

 
ZDF-Hauptstadt-Studioleiterin Schausten: "Wulff bleibt unter Druck"
 
 

Am Samstagmittag berichtete dann auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" über entsprechende Überlegungen. Unter Berufung auf die FDP-Führung hieß es, Merkel und Vizekanzler Rösler stünden diesbezüglich in engem telefonischen Kontakt. "Der Vorschlag muss so sein, dass es der SPD schwer fällt, ihre Unterstützung zu verweigern", hieß es. Es seien die Namen von Ex-Umweltminister Klaus Töpfer und von Bundestagspräsident Norbert Lammert gefallen. Merkels Sprecher Steffen Seibert widersprach dem entschieden: Merkel sehe "keine Veranlassung, über eine Nachfolge für den Bundespräsidenten zu sprechen", sagte er. Eine FDP-Sprecherin erklärte: "Die Berichte und Gerüchte sind frei erfunden."

 
Wulff misslingt Befreiungsschlag
 

Wulff steht wegen der Finanzierung seines Privathauses bei Hannover in der Kritik, für die er sich als niedersächsischer Ministerpräsident eine halbe Million Euro von der Frau eines befreundeten Unternehmers geliehen hatte. Später löste er das Privatdarlehen durch die Kredite bei der BW-Bank ab. Wulff geriet zusätzlich unter Druck, als bekannt wurde, dass er wegen der geplanten Berichterstattung über die Affäre beim "Bild"-Chefredakteur angerufen hatte.

 
 
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