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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Jacques Rogge. Quelle: dpa
IOC-Präsident Jacques Rogge

IOC: Kein Abbruch des Fackellaufs

Rogge dementiert Berichte - Tibet-Banner über Golden Gate

Tumulte in London und Paris, spektakuläre Aktionen in San Francisco - die Proteste gegen den Olympischen Fackellauf haben die Debatte über Konsequenzen entfacht. IOC-Präsident Rogge dementierte aber Berichte, das IOC denke über einen Abbruch nach.

 
 
 
 

Es gebe beim Internationalen Olympischen Komitee keine Diskussionen über einen Abbruch des Fackellaufs, sagte IOC-Chef Jacques Rogge am Dienstagabend dem französischen Fernsehsender France 3. Befragt zu entsprechenden Berichten sagte Rogge: "Das ist ein falsches Gerücht." Ein solches Szenario sei nicht geplant. Zuvor hatte es vermehrt Berichte gegeben, dass das IOC über eine Verkürzung oder gar einen Abbruch des Fackellaufes nachdenke.

 

Die anti-chinesischen Proteste sind an diesem Mittwoch auch Thema im Sportausschuss des Bundestages. Bei den Beratungen in Berlin unter Vorsitz des SPD-Politikers Peter Danckert dürfte es unter anderem um die Frage gehen, welche Position die Sportfunktionäre einnehmen sollten. Danckert hatte im ZDF die Olympia-Spitzenfunktionäre aufgefordert, zur Lage in Tibet deutlich Stellung zu beziehen und klar zu sagen, "dass diese Menschenrechtssituation unerträglich ist". Sport und Politik könnten nicht voneinander getrennt werden.

Spektakuläre Aktion auf Golden Gate

Der Fackellauf war in Griechenland, in Istanbul, London und Paris von Protesten gegen die chinesische Tibetpolitik begleitet worden. Am Montag musste der Lauf in Paris gar abgebrochen werden.

 

San Francisco ist die einzige US-Station beim Fackellauf. Mit einer spektakulären Aktion auf der Golden-Gate-Brücke protestierten pro-tibetische Demonstranten gegen Menschenrechtsverletzungen in China. Mitglieder der Gruppe "Studenten für ein freies Tibet" erklommen das Wahrzeichen der US-Küstenstadt und hängten zwischen den Stahlseilen ein Transparent mit der Aufschrift "Eine Welt, ein Traum, Freies Tibet" auf. Mehrere Stunden war das Banner am Montagabend zu sehen, bevor es von Brückenarbeitern wieder abgenommen wurde. Sieben Menschen wurden festgenommen.

 
Free Tibet Banner an der Golden Gate Brücke. Quelle: ap
ap
Free Tibet Banner an der Golden Gate Brücke.

"Aufmerksamkeit auf Tibet lenken"

Im Lokalradio sagte Laurel Sutherland, der angab, einer der Demonstranten gewesen zu sein: "Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt auf die Rechtsverletzungen in Tibet lenken und zeigen, wie China versucht, mit der Fackel die Folter in Tibet zu verschleiern." Er gehört eigenen Angaben zufolge der Organisation "Studenten für ein freies Tibet" an.

 

Angesichts der massiven Proteste während des Fackellaufs in London und Paris kündigte die Polizei ein beispielloses Sicherheitsaufgebot für den Zug durch San Francisco am Mittwoch an. "Wir haben verfolgt, was in London und Paris passiert ist und passen unsere Pläne dementsprechend an", hieß es. Es wurde erwartet, dass mehrere hundert Polizisten die Straßen während des Fackellaufs durch die US-Stadt abschirmten.

 

Clinton fordert Bush zu Boykott auf

Hillary Clinton forderte unterdessen US-Präsident George W. Bush auf, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren. Ein Fernbleiben Bushs werde die Bedenken Washingtons wegen des Tibet-Konflikts und der chinesischen Sudan-Politik bekräftigen, erklärte die demokratische Präsidentschaftsbewerberin am Montag. Bush hatte angekündigt, an der Eröffnungsfeier teilnehmen zu wollen, weil es sich um ein Sport- und nicht um ein politisches Ereignis handele. An dieser Einstellung habe sich nichts geändert, betonte ein Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, am Montag.

 

Die chinesische Regierung verurteilte die massiven Proteste während des olympischen Fackellaufs als Missachtung des olympischen Geistes. Das Außenministerium in Peking pochte am Dienstag zudem darauf, dass die Flamme während der Demonstrationen in Paris nicht gelöscht worden sei. Entsprechende Medienberichte seien falsch, erklärte Ministeriumssprecherin Jiang Yu. Es seien lediglich die Umstände des Laufs vorübergehend geändert worden. Tibet-Aktivisten hatten am Montag in Paris trotz eines Aufgebotes von 3000 Polizisten den Abbruch des Fackellaufs erzwungen.

 

Resolution des EU-Parlaments

Das EU-Parlament dürfte am Mittwoch die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten zum Boykott der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking auffordern, sollte China nicht mit dem Dalai Lama wegen der Gewalt in Tibet verhandeln. Das Parlament soll über einen entsprechenden Antrag abstimmen, auf den sich am Montag die wichtigsten Parteien verständigt haben. Die Resolution stelle damit der Führung in Peking ein Ultimatum, mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter zu sprechen oder ein halbleeres Stadion zu riskieren, sagte ein hochrangiger Parlamentarier.