Studiengebühren, teure Bücher, schlechte Lehrpläne: Schülern und Studenten reicht's. Sie streiken - und zwar eine ganze Woche. Ab Montag sind alle Studierenden und Schüler aufgerufen, bundesweit für eine bessere Bildung zu demonstrieren.
"Wir fordern ein offeneres und besseres Bildungssystem - für alle", sagt Malte Clausen, Geschäftsführer des bundesweiten Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren, das sich am Bildungsstreik 2009 beteiligt. Hochschulen verlören verstärkt ihre Unabhängigkeit, der Einfluss der Wirtschaft nehme zu.
Durch die Bachelor- und Masterstudiengänge entstehe ein Zwei-Klassen-Studium und eine zusätzliche Hürde. Aber auch die Bedingungen an den Schulen würden schlechter. "Zum Beispiel werden durch das Turbo-Abitur in erster Linie Kinder aus den ärmeren Gesellschaftsschichten benachteiligt", sagt Clausen.
Bund und Länder haben sich verpflichtet, bis 2019 18 Milliarden Euro zusätzlich für Bildung und Forschung auszugeben. Anfang Juni haben die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein umfangreiches Paket zum Hochschulpakt, der Exzellenzinitiative und dem Pakt für Forschung und Innovation beschlossen.
Dabei geht es auch darum, 275.000 neue Studienplätze für die "doppelten Abiturjahrgänge" 2013/14/15 einzurichten, wenn durch die in mehreren Bundesländern verkürzte Gymnasialzeit etwa die doppelte Zahl an Abiturienten an die Universitäten drängt. Allerdings müssen die Parlamente dem Beschluss noch zustimmen. Durch die Landtagswahlen neu gewählten Parlamente könnten den Pakt zu Fall bringen.
Erstmals haben sich Studenten mit Schülern und anderen sozialen Gruppen und Organisationen zusammen getan. Eine optimale Vernetzung und Informationsaustausch im Vorfeld der Aktionen sichern Facebook, StudiVz und Twitter. Demonstriert wird am Mittwoch.
Die Organisation und Gestaltung des Streiks übernimmt jede Gruppe vor Ort selbst. "Auf die Formen des Streiks nehmen wir keinen Einfluss, es wird auch alle Demonstrationsformen geben", sagt Clausen. Schlafen und Tanzen für bessere Bildungschancen - einige sind schon jetzt bei YouTube zu sehen(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) . Andere, wie der symbolische Überfall auf eine Bank, sind erst für den Tag des "zivilen Ungehorsams" am Donnerstag geplant. Wo diese genau stattfinden werden, sei unklar, so Clausen.
Aktionen wie diese machen Kritiker des Bildungsstreiks wütend. "Bei dem heutigen Tagesgeschäft können wir es uns nicht erlauben, die Banken zu blockieren", kritisiert Younes Ouaqasse, Bundesvorsitzender der Schüler Union, einer CDU und CSU nahen Schülerorganisation. Und deshalb plädiert er auch für einen starken Eingriff der Polizei: "Wenn die Demonstranten Banken blockieren, müssen sie weggeräumt werden. Das hat nichts mit der Forderung für eine bessere Bildung zu tun." Ouaqasse rät den Schülern in die Schule zu gehen statt zu streiken.
Unstützung erhalten die Demonstranten von anderen Seiten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW, hat mit einem Dinglichkeitsantrag beschlossen, den Aufruf des Bündnisses zu unterstützen. Es sei "höchste Zeit für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik, die Bildungsarmut bekämpft, Chancengleichheit herstellt und gute Bildung für alle gewährleistet", heißt es auf der Homepage der Bildungsgewerkschaft.
Und auch das Deutsche Studentenwerk (DSW) hat vollstes Verständnis dafür, wenn die Studierenden sich zur Wehr setzten. "Wir können nachvollziehen, dass die Studenten auf die Straße gehen", unterstreicht Achim Müller auf der Heyde, DSW-Generalsekretär. Für den Streik gebe es genügend gute Gründe. So seien die Studienbedingungen in Deutschland insgesamt schlecht, was zum Beispiel mit Blick auf die unterfinanzierten Hochschulen und Studentenwerken, Studiengebühren und die soziale Selektion an Hochschulen deutlich werde.
Einem erfolgreichen Start blickt Clausen positiv entgegen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Streiks an einigen Hochschulen auch noch über den 19. Juni hinaus gehen werden."